R-Zettel Typ 751

Eine interessante Type!

Bei der Beschäftigung mit R-Zetteln fallen gelegentlich besondere Typen auf. Fast immer ist der Schrifttyp des R für Recommandé deutlich und klar ausgewählt.

Für die „Erste Nachkriegsausgabe der Staatsdruckerei Berlin für das Vereinigte Wirtschaftsgebiet der britischen und amerikanischen Besatzungszonen“ fällt der Buchstabe R auf. Was mag sich der Schriftsetzer bei der Auswahl dieser Letter gedacht haben?

Der vermutlich bekannteste Vertreter dieses Typs kommt aus Berlin von einem Sonderpostamt:

Briefmarken-Ausstellung Berlin-Zeughaus Flüchtlings- und Altershilfe, 8. bis 15. Dezember 1946

Ab 1946 stellte die Staatsdruckerei Berlin diesen R-Zettel Typ im Rollenbuchdruck her.

Bekannt sind R-Zettel mit unterschiedlichen Schriftgrößen: halbfett, kleiner halbfett und mager schmal.

Dieser Typ kam ab 1946 bis zum Aufbrauch der Zettel in folgenden Oberpostdirektionen zum Einsatz: 1, 16, 17a, 20a, 20b, 21b, 22a, 24a und 24b (Berlin, Braunschweig, Dortmund, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Karlsruhe und Kiel).

Welche R-Zettel aus dem heutigen Niedersachsen sind von diesem Typ 751 bekannt?

20a:

  • Burgdorf (Han)
  • Burgdorf (Han), UB a
  • Ehmen über Fallersleben
  • Ehra-Lessien über Fallersleben
  • Fallersleben, UB a
  • Hannover-Limmer, UB a
  • Hannover-Linden 1, UB a
  • Hannover-Linden 1, UB c
  • Hannover-Linden 1, UB e, handschriftlich UB c
  • Hannover-Linden 1, UB g
  • Hannover-Linden 2, UB a
  • Hannover-Linden 2, UB b
  • Hannover-Linden 3
  • Hannover-Ricklingen, UB a
  • Heiligendorf über Fallersleben

20b:

R-Brief 20b Alversdorf (Kr Helmstedt), 9.9.50 nach Bochum

R-Zettel vom obigen Beleg

  • Alversdorf (Kr Helmstedt)
  • Bodenfelde, UB a
  • Dorste über Northeim (Han)
  • Echte über Northeim (Han)
  • Gillersheim über Northeim (Han)
  • Hattorf (Harz)
  • Katlenburg Kr Northeim (Han)
  • Lindau über Northeim (Han)
  • Northeim (Han)
  • Northeim (Han), UB f
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R-Brief 20b Northeim (Han) Land, 29.9.49 nach 18 Kaiserslautern, Poststellen II Stempel 20b Wachenhausen über Northeim (Han), Umschlag unten verkürzt

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R-Zettel vom obigen Beleg

  • Northeim (Han) Land
  • Offleben
  • Schöningen (Braunschw)
  • Schöningen (Braunschw), UB b
  • Schöningen (Braunschw) Land
  • Söllingen über Schöningen (Braunschw)
  • Sudheim über Northeim (Han)
  • Wulften (Harz)

23:

  • keine Produktion dieses R-Zettel Typs für diesen Leitbereich

24a:

  • Einschreibezettel mit dem Typ 751 von 24 a Hamburg 18 sind bekannt. Aber bisher liegen keine R-Zettel aus dem niedersächsischen Bereich südlich der Elbe vor.

Durch den zeitlich begrenzten Einsatzzeitraum sind nicht viele Postämter belegt.

Die Gebiete 13a, 13b, 14a, 21a, 22c und 23 (Bremen, Köln, München, Münster, Nürnberg, Regensburg und Stuttgart) erhielten diese Ausgabe nicht mehr, da wegen der Wirtschaftsblockade von West-Berlin die Staatsdruckerei nicht mehr genügend Druckfarben, Papier und Gummi erhielt und die Herstellung einstellen musste.

Die Herstellung der R-Zettel wurde dezentralisiert und dafür die Vertragsdruckereien Schlüter in Hannover, Sontag in Nieder-Olm und Fronhofer in Regensburg eingeschaltet.

Die Dezentralisierung hatte eine Vielzahl von verschiedenen Einschreibezettel-Typen zur Folge.

In der sowjetischen Besatzungszone bzw. DDR begann die Gebrauchszeit bereits 1946, hier Typ 821. Blanko R-Zettel mit handschriftlichen Eintragungen oder Stempel sind bekannt. Im Jahr 1948 bis zum Beginn der Blockade wurden auch R-Zettel für die Westzonen hergestellt.

3:

Eine besondere Rolle in der Geschichte Niedersachsens spielt die Gemeinde Neuhaus, Elbe. Die Besonderheit dieser Gemeinde wird in einem späteren Artikel beschrieben.

R-Brief von Neuhaus (Elbe) nach Ildehausen bei Seesen, Sowjetische Besatzungszone, 11.8.49, R-Zettel von 3 Schwerin (Meckl) überstempelt mit Neuhaus (Elbe)

R-Zettel vom obigen Beleg


R-Brief von Stapel nach 24 Husum, Alliierte Besetzung, 20.2.48, Blanko R-Zettel mit handschriftlicher Eintragung, ohne 3

R-Zettel vom obigen Beleg

R-Brief von 3 Stapel nach 24b Husum, DDR, 10.2.51, Blanko R-Zettel mit handschriftlicher Eintragung, mit 3

R-Zettel vom obigen Beleg

Sollten Sie in Ihrer Sammlung weitere R-Zettel mit dem Typ 751 aus dem heutigen Niedersachsen vorliegen haben, würde ich mich über eine Nachricht freuen. Die obige Auflistung könnte mit Ihrer Hilfe ergänzt werden. Danke!

Quelle:

  • Katalog der Deutschen und verwandten R- und + V-Zettelformen, Herausgegeben von der Westdeutschen Arbeitsgemeinschaft R-Zettel und R-Stempel, 2. Auflage Oktober 1966, umgangssprachlich Overmann-Katalog.

Rundfunk

Auf den ersten Blick sieht der Beobachter eine Postkarte mit Einschreiben vom 30.6.1936. Ein zweiter Blick fällt auf das Wort Postsache und erklärt die fehlende Frankatur. Warum schickt das Postamt Stade dem Empfänger ein Einschreiben?

Absender Postamt Stade, Postsache, Einschreiben nach Hollern (Niederelbe), dort Tagesstempel vom 1.7.36

Die Rückseite klärt auf. Verzicht auf die Rundfunkgenehmigung 1936!

Der Text zum besseren Verständnis komplett:

„Ihr Verzicht auf die Rundfunkgenehmigung ist hier vermerkt worden. Er wird mit Ablauf des Monats Juni wirksam. Bei dieser Gelegenheit wird auf den § 19 der Genehmigungsbedingungen aufmerksam gemacht, demzufolge nach Ablauf der Genehmigung die Empfangsanlage sogleich außer Betrieb zu setzen und die Genehmigungsurkunde der Zustellpostanstalt zurückzugeben ist.

Unter Bezugnahme auf die Paragraphen 15 und 22 des Gesetzes über Fernmeldeanlagen vom 14. Januar 1928 (Reichsgesetzbl. I S. 8) wird ersucht, Antennen, Anschlußleitungen und Erdleitungen Ihrer Empfangsanlage binnen 7 Tagen, beginnend am 1.7.36, zu beseitigen. Es bleibt vorbehalten, die Erledigung prüfen zu lassen.“

Aus heutiger Sicht kaum mehr verständlich. Wer Radio hören wollte, brauchte eine Genehmigung, die man bei der Deutschen Reichspost erhalten konnte.

Der damalige Staat hatte aus politischen und propagandistischen Gründen ein großes Interesse daran, die „Volksgenossen“ an den Volksempfängern zuhören zu lassen.

Eine Rundfunkgenehmigung vom Mai 1936 aus Osterrode (Harz), der Tagesstempel fehlt
19 Paragraphen als Grundlage für „Bedingungen für die Errichtung sowie Betrieb von Rundfunkempfangsanlagen“

Die Bezahlung sollte über ein damals wenig verbreitetes Postscheckkonto erfolgen. Im Regelfall kassierte die Rundfunkgebühr der Briefträger.

1934 kostete die Rundfunkgebühr 2 Reichsmark.

In Werbestempeln wurde mit „Werdet Rundfunkteilnehmer“ geworben.

Aber es gab auch Menschen, die auf den Rundfunk verzichteten…

Die Deutsche Bundespost führte die Verzeichnisse der erteilten Rundfunkgenehmigungen weiter.

Der heute bekannte Rundfunkbeitrag dient der Finanzierung der öffentlichen rechtlichen Rundfunkanstalten in Deutschland. Die GEZ ist bereits Geschichte. Und der Briefträger kommt auch nicht mehr zum kassieren an die Haustür …

Quellen:

  • Amtsblatt des Reichspostministerium Nr. 109/1931 vom 30.11.1931, „Rundfunk“, S. 509-524
  • Amtsblatt des Reichspostministerium Nr. 16/1940 vom 14.2.1940 „Vereintheitlichung der Rundfunkvorschriften mit Ostmark und Sudetenland, S. 141-184.

Norddeutsche Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei, Delmenhorst

Was verbirgt sich hinter NW&K in Delmenhorst?

R-Brief 15.8.27 von Delmenhorst nach Oldenburg, Freistempler NWK Wolle, 45 Reichspfennig, Absender Kammgarnspinnerei Delmenhorst G.m.b.H., NW&K

Firmen R-Zettel vom obigen Beleg, vom Absender mit einem Stempel und den Initialen NWK ergänzt.

Die Firma hat die ihr von der Post zur Verfügung gestellten R-Zettel mit einem Stempel versehen. Ein Selbstbucher, diesmal nicht mit vorproduzierten Zetteln. Postkunden mit höheren Einlieferungsmengen bekamen „eigene“ Einschreibezettel, um den Einlieferungsvorgang zu beschleunigen. Eine Erklärung für die sogenannten Selbstbucher.

Welcher Postkunde verbirgt sich hinter NW&K?

NW&K = Norddeutsche Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei, im Telegrammspiel Nordwolle genannt.

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Martin Christian Lebebrecht Fürchtegott Lahusen (1820-1898) gründete 1884 die Nordwolle in Delmenhorst.

Der Standort der Firma lag an der 1867 gebauten Bahnlinie, die die Städte Bremen und Oldenburg verband und bis zur Nordseeküste nach Wilhelmshaven führte. Auf diesem Weg kamen die aus Übersee angelieferten Rohwolleballen direkt zur Fabrik in Delmenhorst.

Das Firmengelände ist mit Gleisanschluss, Lagerhäusern, Wollsortierung, Wollwäscherei, Kontor und Direktion, Villa der Unternehmer, Wollepark, Häuser für leitende Angestellte, Speiseanstalt, Badeanstalt, Mädchenwohnheim, Produktionshalle, Turbinenhalle und Krankenhaus eine Stadt in der Stadt.

Unter Lahusen Sohn Johann Carl (Leiter 1888-1921) wurde das Unternehmen ausgeweitet.

Die Nordwolle gehörte nach ihrer Gründung bald zu den wichtigsten und angesehensten Industrien in Deutschland. Der Nordwolle-Konzern beschäftigte 1930 in elf Werken über 22.000 Menschen. In Delmenhorst wurden im gleichen Jahr ca. 4.500 Beschäftigte und ca. 5.500 Familienangehörige gezählt.

Zum Vergleich: Delmenhorst hatte 1930 ca. 27.000 Einwohner.

Zeitweise gab es eigene Schafzuchten in Argentinien und Uruguay und eigene Schiffe und Lagerschuppen in Bremen.

Die Geschichte der Unternehmer-Familie Lahusen und der Fabrik endete am 21.7.1931, als das Unternehmen im Zuge der Weltwirtschaftskrise und dem Unvermögen der nachfolgenden Generation in Konkurs ging. Das Unheil nahm seinen Lauf mit unsolider Expansion und Überschuldung u.a. durch Repräsentationsbauten. Die Verluste wurden auf 180 bis 240 Millionen Reichsmark geschätzt, und so löste der Zusammenbruch der Nordwolle weit über Delmenhorst und Bremen hinaus die sogenannte Deutsche Bankenkrise aus, in der verschiedene Banken und auch der Bremer Staat erheblichen finanziellen Schaden erlitten. Zurücktreten musste der mit Lahusens verschwägerte Bremer Senator Heinrich Bömers, der kurz darauf starb. Die Brüder wurden 1931 verhaftet und 1933 wegen Bilanzverschleierung und Untreue verurteilt. Die Inhaber Georg Carl Lahusen, (Firmenlenker 1921-1931) und Heinz Lahusen kamen ins Gefängnis.

1925 erteilte Georg Carl Lahusen für 12.000.000 Reichsmark den Auftrag für den Bau einer neuen Konzernzentrale in Bremen. Nach dem Konkurs, zu dem auch dieser überdimensionierte Repräsentationsbau beigetragen hatte, diente der Bau in der NS-Zeit als Haus des Reichs. Heute wird das Gebäude von der Bremer Finanzverwaltung genutzt.

Georg Carl Lahusen saß im Aufsichtsrat der Danatbank.

Für die Hausbank der Nordwolle, die Darmstädter und Nationalbank (Danatbank), hatte der Bankrott die unmittelbare Folge, dass sie selbst zahlungsunfähig wurde. Die Banken in Deutschland wurden für einige Tage geschlossen. Die Danatbank verlor 48 Millionen Reichsmark und wurde unter Reichstreuhandschaft gestellt und im Folgejahr von der Dresdner Bank übernommen. Auch die Schröder-Bank wurde deshalb zahlungsunfähig und musste schließen.

R-Brief 12.9.22 von Jever, Absender Darmstädter und Nationalbank, Kommanditgesellschaft auf Aktien, Depositenkasse, an gleiche Bank in Wilhelmshaven. Ein Beleg der Danatbank aus einer Zeit, in der die Geschäfte noch funktionierten.

R-Zettel vom obigen Beleg

Nach dem Konkurs wurde in unterschiedlichen Gesellschaften bis 1981 weiter produziert.

Einige Fotos sollen den Artikel illustrieren:

Die Schaufassade mit Lagerhaus B der NW&K, vormals Räume von Verwaltung und Direktion, direkt neben den Bahngleisen.

Rechts neben dem Haupttor hängt auch heute noch die Zentraluhr.

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Der Wasserturm in seiner heutigen Wirkung. An der Südseite ist ein Relief eines Merinowidders zu sehen. Das Gründungsjahr der Firma 1884 ist unter dem Widder abgebildet.

Der achtzackige Stern war das offizielle Firmenemblem. Das Sternzeichen stellte das Garantiezeichen der NW&K dar und befand sich auf sämtlichen Erzeugnissen.

Auch heute lohnt sich ein Besuch der Nordwolle in Delmenhorst, einem der größten Industriedenkmale Europas.

Quellen:

  • Nordwolle Delmenhorst, Baudenkmal, Wohngebiet, Wirtschaftsstandort, EXPO-Projekt, Delmenhorst 2000, ISBN 3-89598-694-1
  • Die Nordwolle, Eine Stadt in der Stadt, Förderkreis Industriemuseum Delmenhorst
  • Die Nordwolle, M. Mende, Der historische Ort, Berlin 1997, ISBN 3-931121-35-6
  • Warum dieser Beleg? Wolfgang Müller, Arbeitsgemeinschaft Münzen und Geldwesen, Mitteilungsblatt 114, Dezember 2007
  • Fotos vom Autor, Dezember 2018

Presseausstellung Hannover

In Hannover fand vom 9.9. bis 3.10. 1948 die erweiterte Deutsche Presseausstellung statt. Einschreibbriefe wurden mit einem Blanko R-Zettel mit einem violetten Gummistempel abgefertigt.

R-Brief von diesem Sonderpostamt in die Schweiz, Sonderstempel vom 9.9.48, Datum der Ausstellungseröffnung

R-Zettel vom obigen Beleg

Der R-Zettel wurde in Bogen zu 40 Stück hergestellt und für Sonderpostämter oder als Reserve für Postämter bereitgestellt. Dieses ist kein Not R-Zettel. R-Zettel Typ 7641 Blankozettel.

Ausstellungsort waren die früheren Werkshallen der Leichtmetall-Werke in Hannover-Laatzen.

Die Veranstaltung wurde vom Niedersächsischen Ministerpräsidenten Hinrich Kopf eröffnet. Die Ausstellung gab einen geschichtlichen Überblick über den Kampf um die Pressefreiheit und veranschaulichte das Verhältnis der Presse zum Staat.

Ost- und Westdeutsche Zeitungen waren vertreten. In einer Sonderschau wurden Zeichnungen von Karikaturisten in „Zeitgeschehen in der Karikatur“ gezeigt. Die hannoversche Wilhelm-Busch-Gesellschaft zeigte „Wilhelm Busch und die Presse“. Das niedersächsische Kultusministerium und der Rat der Stadt Hannover präsentierten Bilder „Deutsche Malerei des 19. Jahrhunderts“, die jahrelang nicht öffentlich zu sehen waren.

Hannover erwartet Sie

Mit dieser Aufforderung machte ein Bandstempel Werbung für die Ausstellung. In einem kleinen Rechteck mit Schattenzeichnung hält eine stilisierte Person eine Zeitung hoch.

Amtsblatt der Hauptverwaltung für das Post- und Fernmeldewesen des Vereinigten Wirtschaftsgebietes, Nr. 51, 14.9.1948

Im Amtsblatt wird das Sonderpostamt angekündigt und Anlaß, Veranstalter, Dauer, Aufgabenkreis und Sonderstempel beschrieben

Der Sonderstempel zu dieser Veranstaltung zeigt die Darstellung eines Zeitungsverkäufers

Ein Sonderpostamt mit einer Öffnungszeit von 20 Tagen. Die Wahrnehmung aller Postdienstzweige beinhaltete auch Einschreiben.

Wie viele Einschreibbelege sind (von den ca. 72.000 Besuchern) bei diesem Sonderpostamt abgefertigt worden?

Alle mir bekannten Belege aus Sammlungen oder Auktionslosen sind hier aufgeführt:

Numerator

Datum (alle 1948)

Ziel des Beleges

076

9.9.

Bex, Schweiz

136

12.9.

Hannover-Kleefeld

174

13.9.

?

180

13.9.

?

181

13.9.

?

196

lose

Katalog Arge R- + V-Zettel

210

19.9.

Hannover

267

lose

Abbildung aus Katalog der deutschen Sonder-R-Zettel

285

19.9.

Schönebeck

297

19.9.

Laatzen

304

19.9.

Hannover-Hainholz

305

19.9.

Hannover-Hainholz

306

19.9.

Hamburg

307

19.9.

Hamburg

332

19.9.

Hannover

334

19.9.

Hannover

336

19.9.

Hannover

422

26.9.

Hannover-Linden

426

lose

 

441

27.9.

München

444

27.9.

Steinhöring

498

3.10.

?

 

Vermutlich sind etwa 500 Einschreiben bei diesem Sonderpostamt aufgegeben worden. Bitte helfen Sie mit, diese Aussage zu bestätigen und die Aufstellung zu ergänzen. Gern nehme ich Ihren Scan entgegen und baue ihn in die Übersicht mit ein. (Kontaktformular)

Auch an anderen Orten wurden Presseausstellungen organisiert: In 22 a Düsseldorf gab es vom 1. bis 30.11.1947 eine Deutsche Presseausstellung, mit fast 200.000 Besuchern. Für Einschreibsendungen wurde die Reichsausgabe „Düsseldorf Ausstellung“ verwendet.

In 13 b München wurde, kurz vor der Währungsreform, vom 5.5. bis 15.6.1948 eine Deutsche Presseausstellung im Ausstellungspark durchgeführt, mit 181.000 Besuchern. Für R-Sendungen kam die Reichsausgabe „München 2 Sonderpostamt“ zum Einsatz.

In 1 Berlin-Charlottenburg gab es eine Presseausstellung im Jahre 1949. Und in Köln gab es vom 12.5. bis 1.10.1928 einen Vorläuferausstellung mit dem Namen „Pressa“, mit über 5 Millionen Besuchern.

Quellen:

  • Der Spiegel, 11.9.1948, „Ihre Majestät die Presse“
  • Amtsblatt der Hauptverwaltung für das Post- und Fernmeldewesen des Vereinigten Wirtschaftsgebietes, Nr. 51, Frankfurt 14.9.1948
  • Schütz, W. J. (2011). Von Köln bis Berlin. Presseausstellungen – für Zeitungsleser und Philatelisten. „Die Schwarze und die Weiße Kunst“, Mainz: Internationale Motivgruppe Papier und Druck, Nr. 174, August 2011, S. 2-9.
  • Katalog der Deutschen und verwandten R- und + V-Zettelformen, Herausgegeben von der Westdeutschen Arbeitsgemeinschaft R-Zettel und R-Stempel, 2. Auflage Oktober 1966, umgangssprachlich Overmann-Katalog.
  • Amtlicher Führer durch die Deutsche Presseausstellung 1948, Emil Groß, in Universitätsbibliothek München:

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist IMG_20190424_123753-Katalog-744x1024.jpg

Der 70 seitige amtliche Führer beinhaltet folgende Artikel: Was die Pressefreiheit bedeutet, Presse und Messe, Hallenplan, Veranstaltungen und Tagungen während der Messe, Deutsche Malerrei des 19. Jahrhunderts (mit Verweis auf den ausführlichen Katalog, s.u.), Wilhelm Busch und die Presse, Aussteller- und Warengruppenverzeichnis, Presse und Werbung, Graphik und Werbung, Die britische graphische Kunst, Presse, Aufbau und Hannover, Blumenschau des Hannoverschen Gartenbaues. Der Katalog wird ergänzt durch zahlreiche Anzeigen von Verlagen und ihren Produkten.

  • Deutsche Malerei des 19. Jahrhunderts: Kunstausstellung aus Anlass der Deutschen Presseausstellung 1948, Reinhold Behrens, in Universitätsbibliothek Leipzig:

Auf 32 Seiten listet der A-5 große Katalog alle 109 Gemälde von 48 Künstlern auf. Die bekanntesten Maler in dieser Ausstellung waren Lovis Corinth, Caspar David Friedrich und Max Liebermann.

Domhof Osnabrück

In Osnabrück wurde vom 17. bis 24.10. 1948 ein Sonderpostamt anläßlich der 300-Jahrfeier zum Westfälischen Friedens eingerichtet.

R-Belege wurden mit einem Blanko R-Zettel mit einem Gummistempel abgefertigt.

R-Brief von diesem Sonderpostamt nach Leipzig, Sonderstempel

R-Zettel vom obigen Beleg

Der R-Zettel aus der Druckerei Wegener, Alfeld wurde in Bogen zu 40 Stück hergestellt und für Sonderpostämter oder als normaler R-Zettel für Postämter bereitgestellt. Den Postämtern war es überlassen, diese Blanko R-Zettel entsprechend zu stempeln oder händisch zu beschriften. Daher ist dieses Normalität und kein Not R-Zettel. R-Zettel Beschreibung.

Amtsblatt der Hauptverwaltung für das Post- und Fernmeldewesen des Vereinigten Wirtschaftsgebietes, Nr. 51, 14.9.1948

Im Amtsblatt wird das Sonderpostamt angekündigt und Anlaß, Veranstalter, Dauer, Aufgabenkreis und Sonderstempel beschrieben

Der Handstempel (23) Osnabrück 1 zu dieser Veranstaltung zeigt eine Friedenstaube mit Zweig im Schnabel, Text Westfälischer Friede 1648-1948

Ein Sonderpostamt mit einer Öffnungszeit von acht Tagen. Wie viele Einschreibbelege sind bei diesem Sonderpostamt abgefertigt worden?

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist dom_000144.jpg

Ein „plusbrief-individuell“ dokumentiert diesen Sonder-R-Zettel mit dem Numerator 60.

Alle mir bekannten Belege aus Sammlungen oder Auktionslosen sind hier aufgeführt:

Numerator

Datum

Ziel des Beleges

30

18.10.48

München

60

(Abb. „plusbrief-individuell“)

101

22.10.48

Berlin

122

23.10.48

Alsheim

133

24.10.48

Osnabrück

135

24.10.48

Marienberg

139

24.10.48

Marienberg

203

26.10.48

Rödernhof

295

30.10.48

Osnabrück

304

31.10.48

Leipzig

305

?

Osnabrück

 

Die Verwendungen vom 26. und 31.10.48 lassen die Frage aufkommen, wie diese Belege nach Schließung des Sonderpostamtes zu Stande gekommen sind. Hat hier das Postamt Osnabrück 1 für das ZwPA – Zweigpostamt Domhof aus „Kulanz“ weitergearbeitet? Oder waren die Daten im Amtsblatt überholt?

Vermutlich sind über 300 Einschreiben bei diesem Sonderpostamt aufgegeben worden. Bitte helfen Sie mit, diese Aussage zu bestätigen und die Aufstellung zu ergänzen. Gern nehme ich Ihren Scan entgegen und baue ihn in die Übersicht mit ein. (Kontaktformular)

Quellen:

  • Amtsblatt der Hauptverwaltung für das Post- und Fernmeldewesen des Vereinigten Wirtschaftsgebietes, Nr. 51, Frankfurt 14.9.1948
  • Ausstellungskatalog Landesverband Postwertzeichen Ausstellung 10.-14.5.1978
  • Katalog der Deutschen und verwandten R- und + V-Zettelformen, Herausgegeben von der Westdeutschen Arbeitsgemeinschaft R-Zettel und R-Stempel, 2. Auflage Oktober 1966, umgangssprachlich Overmann-Katalog.

Reichserntedankfest Bückeberg

Reichserntedankfest Bückeberg

Bitte beachten Sie, dass dieser Artikel  Abbildungen aus dem Dritten Reich enthält.

Und bitte beachten Sie §86 und §86a Strafgesetzbuch. Sie versichern die Abbildungen aus der Zeit des III. Reiches nur zu Zwecken der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen, der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte oder ähnlichen Zwecken zu lesen oder weiter zu verarbeiten (§86 und §86a Strafgesetzbuch).

Bitte respektieren Sie diese Aufforderung!

Das Reichserntedankfest auf dem etwa fünf Kilometer südlich von Hameln gelegenen Bückeberg, umgangssprachlich auch Bückebergfest genannt, fand in den Jahren 1933 bis 1937 jeweils am ersten Sonntag nach dem Michaelistag statt. Neben dem Reichsparteitag in Nürnberg und der Feier zum 1. Mai in Berlin war es die größte Massenveranstaltung der NSDAP.
Als Festplatz diente eine künstlich abgeflachte Wiese am Nordhang des Berges von etwa 600 Metern mal 300 Metern oder etwa 25 Fußballfelder groß. An den Reichserntedankfesten nahmen zuletzt über eine Million Menschen aus dem ganzen Deutschen Reich, anfangs vorwiegend aus der Bauernschaft teil.

Die Veranstaltungen waren am Anfang tatsächlich auf die Bauernschaft ausgerichtet und wandelten sich schnell zu militärischen Zielen. Luftwaffe und Heer waren nicht nur vertreten, sondernd tatsächlich im Einsatz um ein Übungsdorf spektakulär zu „beseitigen“.

Rasenfläche am Bückeberg mit Menschenmassen, nicht datierte Klappkarte

Die Veranstaltungen stellten hohe Anforderungen an die Logistik in allen Bereichen. Die Organisation band viele Menschen mit ein, um die Wiese herzurichten. Befestigung, Aufbauten, Stromversorgung für Parteireden, Verlegung von Fernsprechkabel, ausufernder Fahnenschmuck, An- und Abreise der Ehrengäste, Parteigrößen und des Volkes, Sonderzüge, Postbusse, Übernachtungen, Essen, Trinken und vieles mehr.

Und auch die Deutsche Reichspost war vertreten und wurde für die Staatspropaganda genutzt. Nicht nur durch fahrbare Postämter, sondern auch durch Postbeamte, die mit Bauchladen ausgestattet Postkarten und Briefmarken verkauften.

Fahrbares Postamt auf dem Erntedankfest 1937

Das obige Foto und der folgende Text sind mit freundlicher Zustimmung der Autoren Heinrich Munk und Karl-Peter Klein dem Buch „Die Post im Landkreis Hameln-Pyrmont“ entnommen worden:

„Das fahrbare Postamt ist in einem großen Dieselkraftwagen untergebracht; an der linken Längsseite sind drei Schalter mit allem Zubehör eingebaut. Die linke Seitenwand wird in ihrem oberen Teile heruntergeklappt; in einem an diese Seite des Wagens sich anschließenden 20 Quadratmeter großem Zelt kann man auf zwei Stufen an die freigelegten Schalter herantreten. Das Zelt hat einen den Schaltern gegenüberliegenden bequemen Eingang. Auf der rechten Seite befinden sich im Zelt Schreibtische und Stühle, ihnen gegenüber stehen sechs zerlegbare Fernsprechzellen für den Orts- und Fernverkehr. An der Rückseite des Wagens sind noch zwei Wertzeichengeber angebracht. Briefeinwürfe befinden sich an beiden Wagenseiten.“

Die folgenden Daten geben die Einsatztage der jeweiligen Sonderpostämter mit den Fahrbaren Postämtern wieder. Die Veranstaltung selbst dauerte nur jeweils Stunden an einem Tag.

30. September bis 2. Oktober 1933:

Teilnehmer an der Massenveranstaltung 1933 ca. 500.000 Personen

28. September bis 3. Oktober 1934:

R-Brief mit senkrechtem und waagerechten Maschinenstempel Bückeberg bei Hameln, 30.9.34, nach Braunschweig, mit R-Zettel Hameln 1, Unterscheidungsbuchstabe b, R-Zettel mit zusätzlichem Stempel Bückeberg

R-Zettel von obigem Beleg

Reichs-Ernte-Dank-Tag, 30.9.34, Postkartenausschnitt mit Werbestempel, Motiv eine Kornblume auf zwei Getreideähren und mit zwei Symbolen

Am 1.10.34 machte die Rheinisch Westfälische Zeitung (Dortmund, Essen, Duisburg) mit der Schlagzeile „Siebenhunderttausend auf dem Bückeberg“ auf und veröffentlichte auf Seite 1 auch die Reden…

5. bis 6. Oktober 1935:

R-Brief mit Maschinenstempel Erntedanktag Bückeberg bei Hameln, 6.10.35, nach Hameln, mit R-Zettel Hameln 1, Unterscheidungsbuchstabe a, mit Zusammendruck Volkstrachten

Festpostkarte der Deutschen Reichspost zur Kundgebung auf dem Bückeberg bei Hameln und zur Eröffnung des Museums für Deutsche Volkskunde in Berlin Schloss Bellevue am Erntedanktag 1935, ungebraucht, eingedruckte Briefmarke (Michel Nr. 591)

3. bis 4. Oktober 1936:

Maschinenstempel Bückeberg b. Hameln, 4.10.36, vier stilisierte Getreideähren rahmenförmig um den Text, der Ortsstempel um 90 Grad nach links gedreht, zwischen sieben Linien, deren Längen sich der Rundung des Ortsstempel angleicht

2. bis 3. Oktober 1937:

R-Karte mit Maschinenstempel Bückeberg bei Hameln, 3.10.37, nach München, mit R-Zettel Hameln 1, Unterscheidungsbuchstabe c, mit Zusammendruck Hindenburg, zusätzlich Werbestempel Bückeberg b. Hameln Erntedanktag, Stempel München mit Zusatz Hauptstadt der Bewegung und Symbol und Bahnpoststempel München 2 BZ 5.10.37

Teilnehmer an der Massenveranstaltung 1937 über 1.000.000 Personen

Die Veranstaltung 1938 wurde kurzfristig abgesagt, weil die Wehrmacht die Sonderzüge für Truppentransporte benötigte. Einen Tag vor dem geplanten Fest marschierten deutsche Soldaten in die tschechischen Grenzgebiete ein.

Die Planungen der Deutschen Reichspost für Personal und Fahrbare Postämter liefen, wie im Amtsblatt des Reichspostministeriums zehn Tage vor der geplanten Eröffnung der Sonderpostämter bekannt gegeben wurde:

Amtsblatt des Reichspostministeriums Nr. 105 vom 20. September 1938

Bekanntgabe der geplanten Aktivitäten im Amtsblatt

  • I. 4 Postämter auf dem Bückeberg
  • II. 2 Postämter in Hameln
  • III. 2 Postämter in der Zeltstadt Tündern
  • IV. 1 Postamt in der Zeltstadt Afferde
  • V. 1 fahrbares Telegraphenamt mit Springschreibern, einer Sonderbildtelegraphenstelle und einer öffentlichen Fernschreibstelle auf dem Bückeberg
  • a) Anlaß Erntedanktag
  • b) Veranstalter – kein Eintrag!
  • c) 1. und 2. Oktober 1938
  • d) Abgabe von Postwertzeichen; Annahme von gewöhnlichen und eingeschriebenen Briefsendungen, von Telegrammen und Bildtelegrammen; Vermittlung von Ferngesprächen; Gefälligkeitsstempelungen
  • e) Inschrift der Sonderstempel und etwaiger zeichnerische Darstellungen – „Bückeberg bei Hameln Erntedanktag“, Schriftliche Anträge auf Gefälligkeitsstempelungen sind an das Postamt Hameln zu richten.

Weitere Informationen:

Fahrbares Postamt

Fahrbares Postamt

Am 4. Oktober 1935 gab die Deutsche Reichspost im Rahmen der Serie Deutsche Nothilfe zehn Briefmarken mit Zuschlag mit den Motiven Volkstrachten heraus. Am darauffolgenden Tag begann das dritte Reichserntedankfest (Michel Nr. 588 bis 597):

Auf der Marke (Michel Nr. 591) zu 6 Pfennig plus 4 Pfennig Zuschlag ist eine Frau in Tracht aus Schaumburg-Lippe aus Lindhorst nach 1807 und einem Niedersachsenhof im Hintergrund abgebildet.

Die Fundamente der damaligen Ehrentribüne sind von der Gemeinde Emmerthal bewaldet worden, um die Tribünenreste verschwinden zu lassen.

Veranstaltungsgelände, Blick von unten

Veranstaltungsgelände, Blick von oben

Das Gelände steht seit 2011 unter Denkmalschutz, um eine Bebauung zu verhindern.

Aktuell gibt es kontroverse Diskussionen zwischen Politik und innerhalb der Bevölkerung, ob ein Dokumentations- und Lernort am Ort der Reichserntedankfeste errichtet werden soll.

Literatur:

  • Die Reichserntedankfeste auf dem Bückeberg 1933-1937, Bernhard Gelderblom, CW Niemeyer Buchverlage, Hameln, 2008
  • www.gelderblom-hameln.de
  • Dokumentation Bückeberg www.dokumentation-bückeberg.de
  • Die Post im Landkreis Hameln-Pyrmont, Heinrich Munk und Karl-Peter Klein,
    CW Niemeyer Buchverlage, Hameln, 2012
  • Hannoversche Allgemeine Zeitung, 10. Februar 2018 (Das braune Bergfest), 14. März 2018 (Der Bückeberg wird Gedenkort) und 5. Juli 2018 (Denkwürdiger Abstecher)
  • Die Zeit, Nr. 5/2018, 25.1.2018 (Hier machten alle mit)
  • Neue Schriftenreihe der Poststempelgilde e.V., Band 158, Paul-Jürgen Hueske, Fahrbare Postämter in Deutschland 1934-1944
  • Die Sonderpostämter der Deutschen Reichspost 1933-1945, Wolfgang Reck und Dr. F.W. Schembra, Heft 22 der Arge R- und V-Zettel e.V.
  • Katalog der deutschen Sonderstempel, Julius Bochmann, Volk und Reich Verlag, Berlin, Juni 1938
  • Amtsblatt des Reichspostministeriums Nr. 105 vom 20. September 1938
  • aktuelle Fotos vom Autor, August 2018

Greif-Werke

Die Greif-Werke, Goslar

Postkunden mit höheren Einlieferungsmengen bekamen „eigene“ vorproduzierte Einschreibezettel, um den Einlieferungsvorgang zu beschleunigen.

Eine Erklärung für die sogenannten Selbstbucher.

29.12.33, Goslar Greifwerke, Freistempel Deutsches Reich mit Motiv Füllhalter und Tinte, R-Brief nach Erfurt

R-Zettel vom obigen Beleg, Goslar Greifwerke 1933

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Greifwerke-RZ-1920_000037.jpg

Ca. 1920 wurde dieser R-Zettel eingesetzt, Kopie von einem Auktionslos

Welcher Postkunde verbirgt sich hinter den Greif-Werken?

Der Vorläufer der Greif-Werke wurde 1902 von Carl Bruer als „Deutsche Bürobedarfsgesellschaft Carl Bruer & Co.“ gegründet.

Gründer und Inhaber Carl Bruer

Wer Dauerschablonen, Füllhalter, Tinte, Typenreiniger, Wachspapier Vervielfältiger, Schreibmaschinen Zubehör, Kohlepapier, Klebstoff oder allgemeinen Bürobedarf suchte kam an dieser Firma nicht vorbei. 1921 wurden in der Firma 300 Menschen beschäftigt.

Die einzelnen Bauabschnitte der Greif-Werke von 1908 bis 1930 am Greifplatz und im Gosetal werden dokumentiert

23.4.15, Paketkarte, Absender Deutsche Bürobedarfs-Gesellschaft

Etwa 1922 wurde die Füllhalterfabrikation aufgenommen.

Perfin-Beleg 12.6.22 von Greif-Werke, Goslar nach Stuttgart

Die  Firmenlochung von Marken war eine Sicherheitsmaßnahme gegen Entwendung durch die Belegschaft. Im englischen Sprachgebrauch werden sie als Perfin bezeichnet, von der englischen Abkürzung „Perforated Initials“, was so viel bedeutet wie: gelochte Initialen. Es wurde ein Raster aus Punkten in das Bild der Briefmarke eingestanzt und das Aussehen der Marke so verändert. Die Marken wurden durch die Lochung nicht entwertet, sondern nur für einen eingeschränkten Gebrauch kenntlich gemacht. Meist wurden hierfür die Anfangsbuchstaben der Firma oder auch Symbole verwendet. Unternehmen, Dienststellen und Behörden mit einem größeren Vorrat an Briefmarken kennzeichneten so ihre Marken. Die Marken auf diesem Beleg tragen die Lochung „GW“ für „Greif-Werke“. Und 1922 ahnte man noch nicht den Verkauf an Pelikan: Günter Wagner „GW“.

Notgeld der Greif-Werke vom 23.10.1923, Unterschrift Carl Bruer

Freistempel Greif-Werke vom 15.11.33, Umsatz schaffen durch Greif Vervielfältiger Dauerschablonen

Freistempel Greif-Werke vom 29.12.33, Greif Füllhalter und Tinte, Ausschnitt aus obigem R-Brief

Historischer Füllhalter, schwarze Perle, ca. 1937

Auf Bestellformularen taucht während der Kriegszeit der Zusatz Reichsbauernstadt Goslar auf.

1955 übernahm die Nukote-Holding die Greif-Werke, die zu einer Tochter der Pelikan Hardcopy AG mit Sitz im schweizerischen Egg geworden waren.

Im Jahr 1965 kauft Pelikan (Günther Wagner) aus Hannover die Greif-Werke. Zu diesem Zeitpunkt erzielen 380 Beschäftige einen Umsatz von 10,5 Millionen Deutsche Mark. 1985 folgt der Zusammenschluss mit Pelikan. Bis Mitte der 1990er Jahre wurde von Pelikan im Stadtteil Baßgeige produziert.

Weitere Information zu Günther Wagner, Hannover finden Sie hier.

Als Erinnerung an die Greif-Werke ist der Greifplatz als ein Straßenabschnitt in Goslar benannt worden. Die Benennung erfolgte in den 1980er Jahren. Der Platz an der Bäringerstraße erinnert an den ursprünglichen Standort der Firma. Der Greif- und Ziegenbrunnen, der 1920 von dem Berliner Bildhauer Willibald Böttcher (1867-1928) erschaffen wurde, hat die Zeiten überlebt und wurde wieder aufgebaut und im September  1983 eingeweiht. Er war eine Stiftung von Carl Bruer an die Stadt Goslar.

Wo einst der Mönche Chorgesang
Tönt jetzt vom Greifwerk Arbeitsklang
Der Hirte bläst das Zicklein springt
Der Brunnen leise dazu singt

Spruch am Brunnen, gestiftet von Carl Bruer 1920. Ziegenköpfe erinnern am Brunnen an die ehemalige Nutzung als „Ziegenplatz“, noch vor der Niederlassung der Greifwerke.

Das Symbol der Greif-Werke: der Greif ist ein aus Tierkörpern gebildetes, mythisches Mischwesen. Die Eigenschaften des Greifs sind Stärke, Klugheit und Wachsamkeit.

Brauner Schatten: das Trillke-Werk lagerte während des 2. Weltkrieges einen Teil der Zubehörproduktion für die Herstellung von Kriegsgerät in andere Firmen aus, die dem Rüstungsunternehmen ihre Arbeitskräfte überließen. Trillke stellte die nötigen Maschinen, schulte die Arbeiterinnen und übernahm die technische Leitung. Eine dieser sogenannten verlängerten Werkbänke befand sich in Goslar in den Greif-Werken. Hier ließ Trillke Zündanker, Kollektoren und Magnetschalter fertigen.

Quellen:

  • Goslars Handel im Wandel der Zeiten, Kraus Geyer, 1. Auflage 1996
  • Nun muss sich alles wenden, Goslarer Allerlei 1948-1970. Aus gesammelten Zeitungsberichten zusammengestellt von Hannelore Giesecke
  • Verein „Spurensuche Goslar e.V.“. „Gebt uns unsere Würde wieder“ – Kriegsproduktion und Zwangsarbeit in Goslar 1939; eine Begleitbroschüre zur gleichnamigen Ausstellung von Peter Schyga, Goslar 20062, S. 21.
  • www.goslarer-geschichten.de

Archiv:

Das Stadtarchiv Goslar bewahrt wertvolle Unterlagen zu den Greif-Werken auf: Gründungsverträge, Bauprojekte, Kataloge, Preislisten, Werbematerial, Chroniken, Fotoalben, Firmenzeitschriften, Reiseberichte des Inhabers und persönliche Familienpapiere. Das Stadtarchiv deckt hier den Zeitraum von 1890 bis 1985 ab.

Gerhard Hohn

Wer war G. Hohn aus Goslar?

Postkunden mit höheren Einlieferungsmengen bekamen „eigene“ vorproduzierte Einschreibezettel, um den Einlieferungsvorgang zu beschleunigen. Eine Erklärung für die sogenannten Selbstbucher.

Welcher Postkunde verbirgt sich hinter G. Hohn?

Fabrikant Gerhard Hohn, 1870 -1939, Gründer der Harzer Hosenträger- und Gürtelfabrik in Goslar. Auf Vorschlag der Technischen Universität Braunschweig, Abteilung für Maschinenbau, am 26.5.1922 Ernennung zum Dr.-Ing E.H. .

Auf dem R-Zettel der 1. Reichsausgabe ab 1910 ist der Selbstbucher Zusatz G. Hohn zu erkennen.

R-Brief aus Baddeckenstedt (Landkreis Wolfenbüttel) nach Hannover, 15.11.45, Selbstbucher R-Zettel Goslar G. Hohn überstempelt mit Baddeckenstedt.

R-Zettel vom obigen Beleg.

Die Firmengründung  fand 1896 im Marktkirchhof 1 statt. Die Firma wuchs und fand neue Räume in die Mauerstraße 3-4. Die Produktion von Hosenträgern wurde von Herrenwäsche Sortimenten abgelöst.

Werbung ca. 1926

Cunard- Werk ist der neue Name der Harzer Hosenträger- und Gürtelfabrik. Der Firmengründer Gerhard Hohn ist am Beginn seiner Berufstätigkeit als Steward für die englische Cunard-Linie gefahren. So fand der Qualitätsbegriff Cunard Einzug in die Firmenhistorie. (Die Cunard-Linie führt auch heute noch Kreuzfahrten durch).

Das Firmengelände um ca. 1926.

Ca. 1938 wird bei der Darstellung der Fabrik auf die Schornsteine verzichtet.

Auf Firmenformularen taucht während der Kriegszeit, ca. 1942, der Zusatz Reichsbauernstadt Goslar auf. Und an Eigenwerbung wird nicht gespart: Erstklassische Herstellung von Hosenträgern, Sockenhaltern, Ärmelhaltern, Sport- und Ledergürteln.

Und die Cunard Bulldogge ist das Wahrzeichen für Sorgfalt und Eleganz.

Ende der 1960er Jahre existierte das Werk in Goslar nicht mehr. Eine Verlagerung nach Bad Harzburg war der Grund. Etwa 1977 wurde das bisherige Fabrikgelände verkauft und umgestaltet.

Quellen:

  • Goslars Handel im Wandel der Zeiten, Kraus Geyer, 1. Auflage 1996
  • Nun muss sich alles wenden, Goslarer Allerlei 1948-1970. Aus gesammelten Zeitungsberichten zusammengestellt von Hannelore Giesecke, S. 426/7
  • Universitätsarchiv der Technischen Universität I Braunschweig.

Offene Fragen:

  • Gibt es in Goslar noch eine Erinnerung an diese Firma? Ist der  Cunard-Platz, Ecke Bäckerstraße/Mauerstraße, noch existent?
  • Kann ein interessierte Leser dem Autor einen Einblick in folgendes Buch zum Thema Harzer Hosenträger- und Gürtelfabrik, Gerhard Hohn, Goslar gewähren?

Titel: Goslar a./H. / Hrsg. vom Magistrat Goslar a. H. Verlag: Berlin-Halensee : „Dari“, Deutscher Architektur- u. Industrie-Verlag – [Leipzig] : [F. Volckmar], Erscheinungsdatum: 1921, Signatur: 1921 B 1953
Bereitstellung in Leipzig.

Vom „Y“ zum „I“

Schreibweise

Vom „Y“ zum „I“

In einem früheren Artikel bin ich auf die Veränderung der Schreibweise von Ortsnamen eingegangen, vom „C“ zum „K“. 

Beim Typenvergleich von R-Zetteln einzelner Orte bin ich auf Kaierde aufmerksam geworden.

Kaierde ist ein Ortsteil des Fleckens Delligsen im Landkreis Holzminden (ehem. 3223 Delligsen 6). Über viele Jahre gehörte Kaierde zum Landkreis Gandersheim und wurde am 1. April 1974 im Zuge einer Gebietsreform ein Ortsteil des Fleckens Delligsen.

Die Abbildungen zeigen eine unterschiedliche Schreibweise des Ortsnamens, Kayerde und Kaierde:

21.6.1905, Brief von Kayerde nach Hannover. R-Zettel „R“ rechtsstehend, Poststempel Kaierde (Braunschw.). Der Absender wählt auch die Schreibweise in der neuen Form. Der Poststempel ist bereits auf die neue Schreibweise umgestellt. Der ältere R-Zettel mit der früheren Schreibweise wird aufgebraucht.

R-Zettel Kayerde vom obigen Beleg.

Reichs-R-Zettel mit der aktuellen Schreibweise Kaierde.

Einen Hinweis für die Veränderung liefert Herr Ahlswede aus Kaierde, der sich intensiv mit der Heimatgeschichte beschäftigt. Eine erste Vereinheitlichung der Schreibweisen ergab sich durch die ab 1. Oktober 1874 im Königreich Preußen installierten Standesämter. Eine weitere Erklärung ist aus einem Auftrag des Landes Preußen im Jahre 1911 an den Berliner Graphiker Ludwig Sütterlin abzuleiten. Besagter Sütterlin bekam den Auftrag für die seit fast 500 Jahren nebeneinander bestehende lateinische und deutsche Schreibschrift einheitliche Regeln und Schreibweisen zu entwickeln. Im Jahre 1915 wurden beide Schriftarten offiziell an den preußischen Grund- und Volksschulen eingeführt und nebeneinander gelehrt.

Quelle: Herr Albert Ahlswede, Kaierde

Vom „C“ zum „K“

Schreibweise

Gelegentlich kommt es vor, dass ein Ort seine Schreibweise ändert. Das vermutlich bekannteste Beispiel ist Colonia, Cologne, Cöln und dann Köln.

Auch in Niedersachsen gibt es Orte, die ihren ersten Buchstaben gewechselt haben.

Vom „C“ zum „K“:

Calefeld, jetzt Kalefeld aus dem Landkreis Northeim, früher Landkreis Osterode:

Calefeld (Kr. Osterode, Harz) 5.9.1929, Poststempel Kalefeld, Absender gedruckt auf Umschlag Kalefeld. Der Stempel ist bereits erneuert, der frühere R-Zettel mit alter Schreibweise wird aufgebraucht. R-Brief nach Göttingen.

R-Zettel 3351 Kalefeld

Herr Hantke vom Heimatverein Kalefeld gibt folgende Erläuterung:

„Im Jahr 1926 hat es „Irritationen zur Schreibweise von Kalefeld mit C oder K gegeben. Nach einer Eingabe des zuständigen Kreisausschusses des Landkreises Osterode am Harz hat der Präsident des Preußischen Statistischen Landesamts am 28. Juli 1926 dem Kreisausschuss mitgeteilt, dass „maßgebend für die Schreibweise von Ortsnamen das im Preußischen Statistischen Landesamt in Bearbeitung befindliche Gemeindelexikon“ sein soll. Nach diesen Grundsätzen ist der Orts- und Gemeindename Kalefeld im Anlaut mit „K“ zu schreiben. Der Regierungspräsident in Hildesheim hat daraufhin mit Einverständnis des Herrn Minister des Inneren am 11. Oktober 1926 öffentlich bekanntgemacht, dass die genannte Ortschaft mit dem Anfangsbuchstaben „K“ zu schreiben ist.“

Catlenburg, jetzt Katlenburg aus dem Landkreis Northeim:

R-Zettel aus Catlenburg und 20b Katlenburg

Einen tiefen Einblick in die Geschichte wirft Frau Witte, die Ortsheimatpflegerin der Gemeinde Katlenburg-Lindau:

„In den Urkunden, die in lateinischer Sprache abgefasst sind, wird Katlenburg mit C geschrieben und beziehen sich auf die Burg und das Kloster Katlenburg. In den Annalen des Lampert von Hersfeld von 1075 wird Dietrich II. „als comes de Cadalenburg“ bezeichnet. In einer Urkunde des Bischofs von Hildesheim wird die Zerstörung des Klosters durch Brandstiftung 1346 berichtet: dat closter tho Cathelborg. Das Katlenburger Lagerbuch on 1525 schreibt dann Katelenborch, also mit K. Eine Karte von ca. 1617 verwendet wieder das C, also Catlenburg ebenso der Merianstich von 1654. Das heißt, die Schreibweise ist uneinheitlich. Der Name bezieht sich nur auf die Burg, später Kloster und dann Domäne, nicht auf die Ortschaft am Fuße des Burgbergs. Diese wurde 1483 als „in deme dome to Kathelenborch“ erwähnt. Der Name „Duhm“ oder auch Katlenburg-Duhm war bis 1974 für den heutigen Ort gebräuchlich, ab dann heißt der Ort offiziell nur noch Katlenburg. Auf alten Postkarten aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg hat man die Schreibweise mit C verwendet.“

Colenfeld, jetzt Kolenfeld, aus der Region Hannover, 3050 Wunstorf 7 und früher Landkreis Neustadt am Rübenberge:

Colenfeld, R rechtsstehend,  18.9.1896, Poststempel Colenfeld, R-Brief nach Neustadt.

R-Zettel Kolenfeld, mit der früheren Landkreisbezeichnung Neustadt am Rübenberge

Herr Fesche, Stadtarchivar der Stadt Wunstorf, steuert aus der Geschichte folgendes bei:

„Historisch ist Kolenfeld über Jahrhunderte mit C geschrieben worden, noch im 19. Jahrhundert schrieb man durchgängig „Colenfeld“. Auch in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts blieb das so. Die Protokolle des Gemeinderats schreiben bis zum Oktober 1938 „Colenfeld“. Das ändert sich mit der Einführung des neuen Bürgermeisters Bergmann: Diese war im November 1938, und fortan wird in den Niederschriften „Kolenfeld“ geschrieben, ebenso in den Akten der Gemeindeverwaltung. (Andere Behörden, z.B. das Amtsgericht schreiben aber noch eine Weile „Colenfeld“, bis sich die Schreibweise mit K vollständig durchsetzt). Einen förmlichen Beschluss sucht man allerdings in Protokollen oder Akten vergeblich.

Als Folge der Reichseinigung 1871 ist auch eine Vereinheitlichung der deutschen Sprache bzw. Rechtschreibung angestrebt worden. 1880 erschien erstmals Konrad Dudens Vollständiges Orthographisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Bei der „Orthographische Konferenz“ von 1901 in Berlin wurde auch über die Schreibung von Ortsnamen beraten. Dabei einigte man sich auf Kassel statt Cassel, Köln statt Cöln und Köthen statt Cöthen, verfolgte dies aber nicht konsequent, so dass es z.B. beim Städtenamen Cottbus blieb. Dennoch, so nehme ich an, dürfte sich in der Folgezeit die Ersetzung der C-Schreibung durch eine K-Schreibung weiter durchgesetzt haben. Dies entsprach auch Tendenzen zur „Verdeutschung“ des Sprachgebrauchs im Deutschen Reich, bzw. zur „Bereinigung“ von vermeintlich fremden, etwa französischen anmutenden Einflüssen. Vor allem im und in Folge des Ersten Weltkriegs setzten sich diese Tendenzen weiter durch.“

Nach dem Studium dieser Zeilen ist fast alles klar. Aber es geht auch anders herum.

Vom „K“ zum „C“:

Koppenbrügge, jetzt Coppenbrügge im Landkreis Hameln-Pyrmont.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist coppen-beleg_000022-1024x569.jpg

R-Brief von Coppenbrügge vom 4.7.1883 nach Beedenbostel via Celle

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R-Zettel vom obigen Beleg

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist s-l1600-kopp-1.jpg

Reklamemarke Kaffee Hag mit dem Wappen des Ortes, als Ersatz für einen fehlenden R-Beleg

Die Schreibweise des Ortes hat mehrfach gewechselt. Laut Wikipedia 1380 mit K, wenige Jahre später mit C. In einem Artikel im Mitteilungsblatt der Arge R- und V-Zettel aus dem Jahre 2009 werden Belege mit unterschiedlicher Schreibweise abgebildet. 1891 mit C, 1923 und 1929 mit K. Am 15. Januar 1929 wurde durch den Vorsitzenden des Kreisausschusses des Kreises Hameln-Pyrmont, Dr. Loeb-Caldenhof*, in einer Zeitungsanzeige die folgende Bekanntmachung veröffentlicht:

„Im Einverständnis mit dem Herrn Minister des Innern hat der Herr Regierungspräsident in Hannover die Schreibweise des Namens des Fleckens Coppenbrügge im Kreise Hameln-Pyrmont mit „C“ im Anlaut landespolizeilich festgestellt. Hameln, den 15. Januar 1929.“

(*Dr. Loeb-Caldenhof, 1919-1933 Landrat im Kreis Hameln)

Koppengrave, jetzt Coppengrave aus dem Landkreis Hildesheim, seit dem 1.11.2016 der Samtgemeinde Leinebergland zugehörig:

R-Zettel (20a) Koppengrave über Alfeld (Leine) und 3221 Coppengrave

Herr Fesche beschreibt in seinem Beitrag die Folgen der Orthographischen Konferenz von 1901. Damit erklärt sich auch, dass vielerorts weiter Ortsnamen mit „C“ geschrieben werden, auch wenn der Ort wie „K“ ausgesprochen wird, beispielhaft: Cadenberge, Calberlah, Clausthal, Cloppenburg, Coppenbrügge oder Cuxhaven.

Quellen:

  • Heimatverein Kalefeld, 1. Vorsitzender, Herr Dietmar Hantke
  • Gemeinde Katlenburg-Lindau, Ortsheimatpflegerin, Frau Annelie Witte
  • Stadt Wunstorf, Fachdienst Kultur, Herr Klaus Fesche
  • Reinhold Bartels, Mitteilungsblatt der Arge R- und V-Zettel e.V., Nr. 158, Seiten 21-25

Offene Frage:

  • Welche noch nicht erwähnten Orte habe in Niedersachsen ihre Schreibweise geändert?

Ein Tipp, passend zu diesem Artikel. Bitte lesen Sie auch den Bericht über die Orte mit dem Namenszusatz Bad.