Norderney, die einwohnerstärkste ostfriesische Insel in der Nordsee

Zu den bewohnten ostfriesischen Inseln vor der niedersächsischen Nordseeküste zählen Borkum, Juist, Norderney, Baltrum, Langeoog, Spiekeroog und Wangerooge.

Dieser Artikel beschäftigt sich mit Norderney, der Insel mit der größten Stadt auf den Inseln.

Norderney, vom Fischerdorf zum Nordseeheilbad

Die Stadt Norderney hat mit etwa 6.100 Einwohnern die größte Bevölkerungszahl aller ostfriesischen Inseln. Die große Zahl der temporären Urlauber ist hier nicht berücksichtigt.

Norderney gehört heute zum Landkreis Aurich. Die Entfernung zur Küste beträgt ca. drei Kilometer.

1815 kam Ostfriesland inkl. Norderney zum Königreich Hannover. 1819 machte die Regierung das Norderneyer Seebad zum Staatsbad. Dadurch begann die Blütezeit der Insel. Das Postaufkommen ist geprägt von der Post der Insulaner, der üblichen Geschäftspost und den Sendungen der Urlauber, insbesondere zur Ferienzeit. Und Norderney verzeichnet in der Anzahl der Postsendungen (und der Badegäste) eine stetige Aufwärtsentwicklung.

Ein philatelistischer Spaziergang zu „Postorten“ auf der Insel Norderney

Wer mag, kann mit einem philatelistischen Spaziergang die Insel erkunden.

  • Markt 1 (Bülowallee: Schuchhardts Hotel, heute Inselhotel König), hier wird erstmals am 1. Juli 1820 eine Posteinrichtung eingerichtet. Und 1823 folgt hier eine Wattenpoststation zur Personen- und Postbeförderung über das Watt aus Hilgenriedersiel.
  • 1823 war die Post auf dem Gelände des einstigen „Haus der Insel“.
  • 1841 befindet sich die Postspedition in der Luisenstr. 24.
  • 1869 bekommt das Postbüro ein neues Domizil im Haus Brunnenstraße, Ecke Luisenstraße und ist der OPD Oldenburg unterstellt.
  • Zum 1. Januar 1876 wird die Postexpedition 2. Klasse auf Norderney zum Postamt 3. Klasse (Postamt III) aufgestockt. Das kaiserliche Post- und Telegrafenamt befindet sich bis 1892 in der Strandstr. 5 (heute Bücher Lübben).

R-Zettel Norderney, R rechtsstehend, Einsatz dieser R-Zettel ab 1883

1887 beginnen durch den Kauf mehrerer Grundstücke die Vorbereitungen zum Bau eines Postdienstgebäudes in der heutigen Poststraße. Am 1. April 1892 zieht die Kaiserliche Post dort in das von der Kaiserlichen Postdirektion Oldenburg erbauten Gebäude ein. In der Poststraße 1 steht das historische imposante Kaiserliche Postgebäude heute noch. Leider wird dieses imposante Gebäude anderweitig mit Geschäften und Wohnungen genutzt.

Kunstvolle Backsteinverblendungen und -verzierungen schmücken das Postgebäude. Hoch über dem Eingangsportal befindet sich eine Wappenrosette. Aufgesetzte Ziergiebel, hell abgesetzte Ornamente und Schmuckbänder zeugen vom hohen Stand des Handwerks im Backsteinbau. Von der Inschrift „Kaiserliches Postamt“ ist die Bezeichnung „Postamt“ geblieben.

2010 wurde das Gebäude der (Kaiserlichen) Post an einen Investor verkauft.

Nach der Postgeschichte beginnt jetzt die Reise mit den unterschiedlichsten Typen von Einschreibzetteln des Inselpostamtes.

R-Brief Norderney, Poststempel vom 18. Juli 1917 nach Rostock

R-Zettel vom obigen Beleg. Diese R-Zettel Variante war seit 1904 im Einsatz. Das R ist jetzt links abgebildet, mageres No mit zwei Strichen in kursiv, allseitige Zähnung, aus Bogen

Stempel von der Vorderseite des obigen Beleges, u.a. Posthorn und Name Norderney

Stempel von der Rückseite des obigen Beleges, Absender Inselwacht Bataillon, genaue Bezeichnung „2. KGL. PR. Inselwacht-Bataillion Norderney X 41. Stern“

R-Brief Norderney, Poststempel mit Zusatz Nordseebad vom 28. Juni 1937, nach Branitz, Luftpost und durch Eilboten

R-Zettel vom obigen Beleg. R-Zettel der Deutsches Reichspost sind mit schmalem und breitem Rahmen bekannt

R-Brief Nordseebad Norderney, Poststempel 3. Januar 1946, nach Pillnitz/Elbe

R-Zettel vom obigen Beleg

R-Brief Nordseebad Norderney, Poststempel 25. Mai 1948, nach Norden Ostfriesland, Absender und Adresse mit PLGZ 23

R-Zettel vom obigen Beleg. Wegener Druck, erste Ausgabe für das vereinigte Wirtschaftsgebiet, aus Bögen geschnitten, Blanko Zettel mit Stempel

Die zweite Ausgabe für das vereinigte Wirtschaftsgebiet der amerikanischen und britischen Zone wurde in Bögen produziert. Die R-Zettel sind allseitig gezähnt. Die Postämter hatten die Aufgabe die R-Zettel zu stempeln. Unterschiedliche Stempelvariationen kamen so zum Einsatz:

R-Zettel Typ 762, allseitig gezähnt, Nordseebad Norderney, Blanko Zettel mit Stempel

Seit 1951 wurden R-Zettel auf dünnem weißem Papier mit Ortsnamen und PLGZ im Kreis eingesetzt:

R-Zettel 23 Nordseebad Norderney, UB c, auf weißem Papier, R-Zettel Typ 7244

Zu dem R-Zettel Typ 7244 finden Sie hier weitere Informationen.

Auf dünnem durchsichtigen Pergaminpapier, ebenfalls mit Ortsnamen und PLGZ im Kreis:

R-Zettel 23 Nordseebad Norderney, UB a, durchsichtiges Pergaminpapier, R-Zettel Typ 7242

Die Rautenausgabe mit Amtskennzeichen (AKZ) für die Bundesrepublik Deutschland lösten die zweistelligen Postleitgebietszahlen ab. Mit Amtsblattverfügung 274/1956 galten die Amtskennzahlen am 30. Juli 1956 auch für die Rautenausgabe der Einschreibezettel.

Amtskennzeichen 9 D 4, Nordseebad Norderney

Amtskennzeichen 9 D 4, Nordseebad Norderney

R-Brief Nordseebad Norderney, Stempeldatum 19. Oktober 1963 nach Hannover, R-Zettel mit AKZ 9 P und UB a

R-Zettel vom obigen Beleg

Amtskennzeichen 9 P, Nordseebad Norderney, fette Schrifttype

Zum 1. Januar 1965 wurden in der Bundesrepublik Deutschland Postleitzahlen mit vier Ziffern eingeführt. In den 28 Jahren bis zur nächsten Veränderung haben die Schriftsetzer eine Vielzahl von Schriftarten und Schriftgrößen eingesetzt:

R-Zettel 2982 Nordseebad Norderney

R-Zettel 2982 Nordseebad Norderney, neuer Type bei Unterscheidungsbuchstabe

R-Zettel 2982 Norderney, der Zusatz Nordseebad ist weggefallen

R-Zettel 2982 Norderney, handschriftliche Veränderung des UB

R-Zettel 2982 Norderney, mit einer Vielzahl an unterschiedlichen Schalterbuchstaben

R-Zettel 2982 Norderney, der letzte Schrifttyp mit der vierstelligen Postleitzahl

Ab dem 1. Juli 1993 galten auch auf Norderney die fünfstelligen Postleitzahlen:

26548 Norderney mit unterschiedlichen Unterscheidungsbuchstaben

26548 Norderney mit unterschiedlichen „fetten“ Unterscheidungsbuchstaben

  • Eine Postagentur auf Norderney:

Von 2019 bis 24. März 2020 war die Postagentur beim Tankstop Bodenstab in der Hafenstr. 6 untergebracht.

Ein für Menschen vom Festland ungewöhnliches Postauto.

  • Seit dem 25. März 2020 befindet sich die Post-Partnerfiliale im ehemaligen Haus Schifffahrt, der heutigen HS 2 Passage, in der Bülowallee 2.
  • Die Partnerfiliale Asia Kiosk, Jann-Berghaus-Str. 66 wurde am 30. September 2020 geschlossen.
  • Ein DHL Paketshop bei Genuss Company Klus im Herrenpfad 6 wurde am 1. Dezember 2020 eingerichtet.

Ziel eines Spaziergangs kann auch eine Bake, eine Postbake sein!

Heute wird die Post per Fährschiff von Norddeich Mole zur Insel und zurück transportiert. Ab 1844 richtete die hannoversche Post, mit Unterbrechungen bis 1892, eine Postbeförderung über das Watt mittels Karriol Post ein. Karriol Post nannte man einen ein- oder zweiachsigen Briefpostwagen, der auch Personen befördern durfte.

Karriol Post der Thurn und Taxis´schen Post 1846, Tag der Briefmarke 1952, Michel Nr. 160, 100. Jahrestag der Erstausgabe der Briefmarken von Thurn und Taxis.

So elegant wie auf der Briefmarke, ging es sicher nicht über das Watt, denn die Fahrt war mit allerlei Gefahren verbunden.

Die benutzten Postwagen hatten breitere und höhere Räder, um das tiefe Einschneiden der Räder in Sand und Schlick und die Berührung des Personenabteils und des Packraumes mit dem Seewasser zu vermeiden. Start der Postbeförderung war auf dem Festland Hilgenriedersiel (heute ein Ortsteil der Gemeinde Hagermarsch im Landkreis Aurich).

Auf einem „befestigten“ Wattfahrweg wurde als Transportmittel ein Pferdegespann und ein hölzerner Wagen mit breiten Rädern eingesetzt.

Eine Postbake auf der Wattseite der Insel diente als Orientierungshilfe.

Nach dem Herbst 1892 wurde die Wattenpost zu Gunsten einer funktionieren Dampfschiffsverbindung eingestellt.

Heute erinnern der „Alte Postweg“ am Südsaum der Insel als Wanderweg und die Postbake im Osten der Insel als historisches Orientierungszeichen an die einstige Wattenpost.

Als bunter Abschluss des Artikels, die zwei Briefmarken der Deutschen Post AG, die bisher Norderney würdigen:

Leuchtturm Norderney 2009, erbaut 1875, Michel Nr. 2742, 0,45 €

Tag der Briefmarke 2010, Kaiserlich Deutsche Post nach Helgoland-Norderney-Sylt Postplakat von 1890 der Albert Ballin Dampfschiff Reederei, Michel Nr. 2819, 0,55 €. Von Hamburg morgens um 8 Uhr nach Norderney, jeden Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

Viel Freude beim Erobern der Insel!

Nicht alle wesentlichen R-Zettel Typen der Insel Norderney konnte ich belegen. Gern nehme ich Ihren Scan zur Abrundung dieses Artikels entgegen. Kontakt.

Offene Fragen:

  • Gab es beispielhaft im Sommer 1933 eine Poststelle II im Marienheim auf Norderney, Georgstr. 5?
  • An welchen Orten war die Post auf Norderney von 2010 bis 2019 untergebracht?

Quellen:

  • Postgeschichtliche Blätter Weser Ems, Heft 1/1960, Aus der wirtschaftlichen und postalischen Entwicklung der Insel Norderney, Herr Fritz Thole
  • Katalog der Deutschen und verwandten R- und + V-Zettelformen, Herausgegeben von der Westdeutschen Arbeitsgemeinschaft R-Zettel und R-Stempel, 2. Auflage Oktober 1966, umgangssprachlich Overmann-Katalog.
  • Post- und Telekommunikationsgeschichte, Regionalbereich Nord, 1/1998, Das kaiserliche Postgebäude in Norderney, Herr Georg Friedrich
  • Norderney entdecken, das historische Schaufenster, 1998, http://www.norderney-chronik.de/download/insel-stadt/schaufenster.pdf, abgerufen 2.3.2021
  • Ein Rückblick in Jahreszahlen aus der Postchronik der Insel, 100 Jahre Postamtsgebäude Norderney, http://www.norderney-chronik.de, abgerufen 22.2.2021
  • Norderney Nordsee Magazins vom 6.2.2020, https://magazin.norderney-zs.de, Herr Hans Joachim Vollmer
  • Baken an der Nordsee, Jade, Weser und Elbe, www.baken-net.de, Herr Gerd Liedtke

Westharzer Papierhaus Croenitz

Selbstbucher (und Selbstdarsteller) Westharzer Papierhaus Croenitz

Brief 21.1.23 von Gandersheim nach Dresden. Selbstbucher R-Zettel Gandersheim Westharzer Papierhaus Croenitz, Nr. 974, Numerator in fett. Auf der Rückseite weitere zehn Briefmarken.

Selbstbucher sind bekannt von Postkunden mit einem im Regelfall hohen Aufkommen an Einschreiben, üblicherweise Firmen und Behörden, im Einzelfall Philatelisten.

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R-Zettel, Abbildung vom obigen Beleg

Was verbirgt sich hinter „Gandersheim Westharzer Papierhaus Croenitz“?

croenitz

Fritz Croenitz

Seit 1910 hatte der aus Thüringen stammende Fritz Croenitz (1881-1966), eine Papierhandlung in der Moritzstr. 43 in Gandersheim.

Aufgrund seines Sinns für Selbstdarstellung war Croenitz stadtbekannt. Seinem unscheinbaren Geschäft gab es den blumigen Namen „Westharzer Papierhaus Croenitz“.

croenitz

Obiges Foto zeigt das Westharzer Papierhaus Croenitz. Das winzige holzverkleidete Gebäude am oberen Teil der Marktstraße wurde 1891 als Lagerhaus erbaut. Das Foto ist ca. 1925 entstanden. Von einer Bahnböschung aus, wurde das Gebäude wegen Festumzügen von der Innenstadt zum Schützenhaus häufig fotografiert.

gandersheim

Das Gebäude im Januar 2016. Es wird heute als Gaststätte genutzt.

bad-gandersheim

Brief 20.7.46 von Bad Gandersheim nach Hannover. Selbstbucher R-Zettel überstempelt mit (20) Bad Gandersheim. Rückseite zwei Stempel: (20) Hannover 21.7.46 und Hannover-Buchholz 22.7.46.

Für die weitere Erfassung erbitte ich Kopien oder Scans von Einschreibebelegen oder einzelnen R-Zetteln dieser Art. Gern über das Kontaktformular.

Stand 21. März 2021


Bekannte R-Briefe und R-Zettel (RZ) vom Westharzer Papierhaus Croenitz:

DatumNumeratorBemerkungenZielort
24.08.1920433RZ vierseitig gezähnt, mit Nr., Numerator fettWartburg
18.09.1920509RZ mit Nr., Numerator fettErfurt
10.08.1921472RZ vierseitig gezähnt, mit Nr., Numerator fettErfurt
18.06.1922339RZ vierseitig gezähnt, mit Nr., Numerator fettDresden
30.09.1922675RZ vierseitig gezähnt, mit Nr., Numerator fettErfurt
13.10.1922701RZ vierseitig gezähnt, mit Nr., Numerator fettButtstaedt in Thüringen
13.01.1923947RZ vierseitig gezähnt, mit Nr., Numerator fettCSR und Gandersheim zurück
21.01.1923974RZ vierseitig gezähnt, mit Nr., Numerator fettDresden
07.04.1923183RZ gezähnt, mit Nr., Numerator fettErfurt
01.09.1923548RZ ohne Zusatz Nr., Numerator linksseitigClifton, USA
19.09.1923615RZ vierseitig gezähnt mit Nr., Numerator fett, MassenportoErfurt
30.07.1925581RZ ohne Zusatz Nr., Ganzsache, Luftpost, RückscheinDresden
22.04.1926288RZ gezähnt, ohne Zusatz Nr.Buttstädt bei Weimar
11.12.1934142RZ Numerator linksseitig, ohne Zusatz Nr., Eilboten?
28.12.1939945RZ Numerator linksseitig, ohne Zusatz Nr.Dresden
26.03.1941030RZ Numerator linksseitig, ohne Zusatz Nr., RZ überstempelt mit Bad Gandersheim HarzHannover
06.02.1946172RZ überstempelt mit (20) Gandersheim, Numerator linksseitigHannover (Geha)
20.07.1946326RZ überstempelt mit (20) Gandersheim, Numertor linksseitigHannover (Geha)
03.10.1946383RZ überstempelt mit (20) GandersheimHannover (Geha)
22.04.1947598RZ ohne Zusatz Nr., Numerator linksseitigHannover (Geha)

Quellen:

  • Rolf Göbel, Alfeld
  • Franz-Josef Koensler, Velbert
  • Rolf Neckermann, Stuttgart
  • Anne-Katrin Race, „Bad Gandersheim in alten Ansichten“, Verlag Europäische Bibliothek, Zaltbommen Niederlande, 2. Auflage 1994 mit freundlicher Genehmigung

Nachsatz, zum besseren Verständnis:

Der Sinn für die Selbstdarstellung kommt auch auf einem Briefumschlag zum Ausdruck. Ein großer Adler über den Buchstaben FAC.

Was bedeutet FAC?

Friedrich Alfred Crönitz…
Auch als Verleger von „Notgeld“ machte er sich einen Namen:

Der Notgeld Scheine Massenzahl ist jedermann schon eine Qual!
Keine Notgeld soll dies darum sein Es ist kein Notgeld nur Gutschein….

aus dem Jahr 1921

Bad

Die Berliner Tageszeitung DER TAGESSPIEGEL beschäftigte sich in der Ausgabe vom 19. November 2016 mit dem Ort Bad Eilsen in Niedersachsen. Mit einer ungewöhnlichen Headline machte die Zeitung auf Seite 1 auf einen längeren Artikel im Blatt aufmerksam:

 tagesspiegel

Hier erholte sich West-Berlin: Der kuriose Kurort Bad Eilsen

Die Autorin Lisa McMinn geht der Geschichte nach, warum Bad Eilsen und West-Berlin in den 1970er Jahren eine enge Verbindung hatten. Aus dem Artikel zitiert:

„Bereits 1957 hatte die Landesversicherungsanstalt Berlin-Hannover einen Großteil der Kuranlagen in Bad Eilsen gekauft. Die damalige (West-) Berliner Landesversicherung hatte feste Kapazitäten in den Kliniken gebucht. Bis zur Hälfte der Patienten kam daher aus West-Berlin. Einst war Bad Eilsen die Moorbadewanne West-Berlins, der Kurort war Hauptanlaufpunkt für malade Frontstädter. Seit 1969 sind die Heilquellen staatlich anerkannt. Und seit 1971 darf sich Eilsen „Bad Eilsen“ nennen.“

Inspiriert durch diesen Zeitungsartikel stellen sich folgende Fragen:

Welche Orte in Niedersachsen führen den Städtebeinamen BAD im Namen?

Seit wann darf der Ort diesen Zusatz führen?

In der folgenden Auflistung sind die recherchierten Daten mit eingeflossen.

Es gilt es zu berücksichtigen, dass bei einer Ortsumbenennung vorrätige R-Zettel häufig aufgebraucht wurden und sogenannte Ersttagsbelege eher unwahrscheinlich sind.

Um einschätzen zu können, welche Bedeutung die folgenden Orte für den abgehenden Postverkehr hatten, ist die ca. Zahl der Einwohner (EW) ergänzt. Die Quellen dieser Einwohnerzahlen stammen aus unterschiedlichen Jahren (2003 bis 2016). Je nach Größe des Ortes ist es teilweise schwierig aktuelle Zahlen zu ermitteln. Die genannten Zahlen dienen nur zur Einschätzung der Ortsgröße.

Kann die Veränderung im Ortsnamen mittels R-Zettel oder R-Beleg nachgewiesen werden?

Ja und nein, sehen Sie selbst:

Bad Bederkesa, Bad seit 1.10.1996, ca. 5.200 EW, vermutlich keine R-Zettel mit Zusatz Bad, da Bederkesa nur neun Monate vor Einführung der Label umbenannt wurde:

bederkesa-440

Bad Bentheim, Bad seit 6.6.1979, ca. 15.300 EW:

bad-bentheim-002bentheim-238 

Bad Bevensen, Bad seit 12.5.1976, ca. 9.000 EW:

bad-bevensenbevensen

Bad Blenhorst, ca. 320 EW

Blenhorst ist ein Ortsteil der Gemeinde Balge im Landkreis Nienburg/Weser und verzeichnet etwa 320 Einwohner (103 Häuser). Schon 1842 wurde der Ort als Kuranstalt gegründet. Er war bis Ende 2010 Kurort. Es ist das wohl kleinste Moorbad in Deutschland gewesen. Am 1. März 1974 wurden die Gemeinden Balge, Blenhorst, Bötenberg, Buchhorst, Holzbalge, Mehlbergen und Sebbenhausen zu einer neuen Gemeinde zusammengeschlossen. Diese erhielt den Namen Blenhorst. Am 23. Januar 1976 wurde ihr Name amtlich in Balge geändert. Mit diesen Informationen dürfte es schwer sein Bad Blenhorst postalisch zu belegen, oder?

Bad Bodenteich, Bad seit 1.10.1998, ca. 3.700 EW, keine R-Zettel mit Zusatz Bad, da Bodenteich zu Zeiten der Label umbenannt wurde:

bodenteich-005

Bad Eilsen, ca. 2.500 EW:

bad-eilsen-937eilsen73

Bad Essen, Bad seit 1902, ca.15.300 EW:

bad-essen-640

Bad Fallingbostel, Bad seit 5.8.2002, ca. 11.000 EW, keine R-Zettel mit Zusatz Bad, da Fallingbostel zu Zeiten der Label umbenannt wurde:

falling

Bad Gandersheim, Bad seit 1932, ca. 10.100 EW:

bad-ganderheim-133gandersheim-777

Bad Grund, Bad seit 16. Juli 1855, ca. 2.400 EW:

bad-grund-29

Bad Harzburg, Bad seit 27. 5. 1892,  ca. 21.700 EW:

bad-harzburgharzburg

Bad Helmstedt, Bad seit 1982, ca. 150 EW:

…wenn schon kein R-Zettel, dann wenigstens ein Ausschnitt aus einer Gruss aus Bad Helmstedt Karte…

Bad Iburg, Bad seit 1967, ca. 10.700 EW:

bad-iburgiburg

Bad Laer, Bad seit 1975, ca. 9.300 EW:

bad-laerlaer

Dieser Briefausschnitt zeigt eine Umstellung zum Namen Bad. Der Poststempel führt im Stadtteil Remsede (Bad Laer 4) ca. acht Jahre nach der Umbenennung am 29.4.83 den Zusatz Bad. Ein früherer R-Zettel ohne Zusatz Bad wird aufgebraucht.

Bad Lauterberg im Harz, Bad seit 1906, ca. 10.600 EW:

bad-lauterberg

lauterberg

Brief von Lauterberg am Harz nach Herzberg am Harz, 16.3.1878

Bad Münder am Deister, Bad seit 1936, ca. 17.400 EW:

bad-muendermuender

Bad Nenndorf, Bad seit 1787, ca. 8.700 EW:

bad-nenndorf

Brief von Nenndorf (Bad) nach Rinteln, 23.10.1886

Bad Pyrmont, Bad seit 1914, ca. 19.200 EW:

bad-pyrmontpyrmont

Bad Rehburg, Bad seit 28.11.1752, ca. 800 EW:

bad-rehburgrehburg-bad

Bad Rothenfelde, Bad seit 24.02.1905, ca. 7.800 EW:

bad-rothenfelde

Bad Sachsa, Bad seit 1905, ca. 7.500 EW:

bad-sachs

Brief von Bad Sachsa (Südharz) nach Halle/Saale, 29.1.1946

Bad Salzdetfurth, Bad seit 10.12.1921, ca. 13.300 EW:

bad-salzdetfurth

Bad Zwischenahn, Bad seit 1919, ca. 28.200 EW:

bad-zwischenahn

zwischenahn

Brief von Zwischenahn nach Hannover, 2.10.1895

Salzgitter-Bad, Bad seit 1951, ca. 20.800 EW:

salzgitter-badsalzgitter

Das Niedersächsische Kommunalverfassungsgesetz bestimmt in § 19 (4):

„Ist eine Gemeinde oder ein Teil einer Gemeinde als Heilbad, Nordseeheilbad, Nordseebad, Kneipp-Heilbad oder Kneipp-Kurort staatlich anerkannt, so entscheidet die Gemeinde, ob das Wort „Bad“ Bestandteil ihres Namens oder Namens des Gemeindteils wird. Wird die staatliche Anerkennung aufgehoben, so entfällt der Namensbestandteil „Bad“ nach Ablauf von fünf Jahren, es sei denn, die staatliche Anerkennung war mindestens zwanzig Jahre wirksam.“

‎Welche Fragen kann dieser Artikel z.Zt. nicht klären:

Seit wann führt Bad Eilsen den Namenszusatz BAD im Namen?

Welcher anderer Ort hat die Bezeichnung im Laufe der Jahre verloren?

Welcher der obigen Orte hatte wegen der geringen Bevölkerungszahl kein eigenes Postamt?

Warum haben andere Orte mit entsprechenden Einrichtungen oder „gesunder“ Lage keinen Städtebeinamen?

Nicht alle der aufgeführten Bäderorte sind heute noch als Kurort aktiv.

Ihre Mitarbeit ist bei dieser und allen Seiten der Homepage erbeten. Bitte ergänzen Sie fehlende Daten, Belege oder R-Zettel über das Kontaktformular. Danke!

Quellen:

  • Der Tagesspiegel, Berlin, 19.11.2016
  • Niedersächsisches Kommunalverfassungsgesetz vom 17. Dezember 2010
  • Bad Grund: www.horn-petra.de
  • Bad Harzburg: Leitung Bürgermeisteramt, Chronik des Amtes Harzburg im XIX. Jahrhundert von Karl Berthold Fischer. Herausgegeben vom Harzburger Altertums- und Geschichtsverein, Braunschweig Appelhans, 1912, in der unter dem 27. Mai 1892 auf Seite 72 zu lesen ist :  „Durch Verfügung des Herzoglichen Staatsministeriums wird der Gemeinde Neustadt-Harzburg die Bezeichnung Bad Harzburg beigelegt.“
  • Kur- und Tourismusgesellschaft Staatsbad Nenndorf mbH, Jubiläumsbuch 200 Jahre Staatsbad Nenndorf.
  • Friedrich Gerling, Chronik Bad Rehburg, 20.11.1936, mit freundlicher Unterstützung von Jürgen Wagner
  • Bad Rothenfelde: Vorzimmer Bürgermeister, Abschrift der Amtlichen Bekanntmachung Kreisblatt 24.02.1905 und 200 Jahre Heilbad Rothenfelde, ISBN: 978-3-33-036025-1.
  • Bad Salzdetfurth: Büro Bürgermeister Hesse, durch Erlass des Preußischen Staatsministeriums vom 10.12.1921 wurde dem Ort Salzdetfurth die Zusatzbezeichnung BAD verliehen.
  • Bad Zwischenahn: Gemeindearchiv, den Beinamen „Bad“ führt die Gemeinde seit 1919. Dies belegt eine „Bekanntmachung für die Oldenburgischen Anzeigen“ des „Ministeriums des Innern“ vom 18. Dezember 1919. Sie findet sich in den Akten des Niedersächsischen Landesarchivs, Standort Oldenburg (Best. 136 – 21620, Nr. VI 13-106, Blatt 5).
  • Einwohnerzahlen und Städtebeinamen vom Landesamt für Statistik Niedersachsen, Homepage der Orte und wikipedia.de