Sankt Andreasberg, Bergstadt im Oberharz

Bei meiner Reise durch Niedersachsen bin ich erneut im Harz angekommen.

Sankt Andreasberg im Oberharz, abgekürzt St. Andreasberg. Der Ort liegt im Landkreis Goslar.

Geprägt durch jahrzehntelangen Bergbau wurde der Apostel Andreas als einer der traditionellen Schutzpatrone des Bergbaus Namensgeber des Ortes.

Meine postgeschichtliche Reise beginnt mit der Einführung der Einschreibzettel im Deutschen Reich ab 1875.

Bereits im Jahre 1874 wurde von der Deutsches Reichspost das Postgebäude eröffnet.

Das kaiserliche Postamt von St. Andreasberg. Früherer Schaltereingang von der Breiten Straße. Im Vordergrund das Kriegerdenkmal, Poststandort bis 2003

Das ehemalige Postamt im September 2026, Dr. Willi Bergmann Str. 28. heute Privathaus

R-Brief aus St. Andreasberg nach Zerbst, Anhalt. Poststempel mit damaliger Schreibweise Sanct-Andreasberg vom 14. Mai 1901. R-Zettel mit „R“ rechtsstehend. Der verwendete Briefumschlag zeigt eine eingedruckte indische Briefmarke

R-Zettel vom obigen Beleg, Einsatz dieser R-Zettel ab 1883

Der Poststempel im obigen Beleg mit der Schreibweise Sanct, statt dem heutigen Sankt, gibt ein kleines Rätsel auf.

Warum und wann wurde diese Schreibweise geändert?

Wann hat die Deutsche Reichspost die Schreibweise in ihren Unterlagen, Stempeln und R-Zetteln geändert?

Durch die Abkürzung „St.“ für Sankt ist der Unterschied nicht immer festzustellen.

Einen Hinweis gibt es durch die Orthografische Konferenz in Berlin 1901, auf der eine gemeinsame deutsche Rechtsschreibung aller deutschsprachigen Staaten auf Grundlage der preußischen Schulorthographie festgelegt wurde.

In einem Ausschnitt eines Wörterverzeichnisses „Regeln für die deutsche Rechtschreibung“ von Seite 46 wird das Wort Sankt in der neuen Schreibweise mit „k“ zwischen „sanguinisch“ und „St. Paulus“ aufgelistet

R-Zettel Sanct Andreasberg, gezähnt, aus einem Bogen getrennt 

Ein Poststempel vom 28. Februar 1916 aus Sanct Andreasberg

Wann hat die Deutsche Reichspost bzw. die Deutsche Bundespost die Schreibweise Sanct letztmalig benutzt?

Sicher bis 1935 wurden Poststempel mit der Schreibweise Sanct benutzt. Danach wurde die Schreibweise mit St. und Sankt hin und her gewechselt. Bis 1962 mit St., von 1963 bis 1971 mit Sankt, ab 1972 folgte erneut die St. Variante, um ab 1980 wieder Sankt zu verwenden, usw.

Und die Schriftsetzer taten sich schwer. Bei der Interpunktion wird ein Punkt hinter St. verwendet, um Abkürzungen zu kennzeichnen. Mal wird er benutzt, mal nicht.

R-Zettel St. Andreasberg, Einheitsausgabe Deutsches Reich, breiter Rahmen

Ein Poststempel vom 10. Juli 1940 aus St Andreasberg

R-Brief aus Sanct Andreasberg nach Groß-Bieberau, Poststempel St Andreasberg 1946, Aufbrauch von einem früheren blanko Feldpost Einschreibzettel mit rechteckigem Innendienststempel

R-Zettel vom obigen Beleg

Die Einführung der Postleitgebietszahl, hier 20b, auf Briefen erfolgte ab 1944.

Blank0 R-Zettel mit Stempel Sanct Andreasberg, runder Kreis für Postleitgebietszahl

Diese blanko Einschreibzettel wurde von der Druckerei in den Jahren 1945 bis 1947 in Bögen an die Postämter geliefert. Vor Ort wurden die blanko R-Zettel mit dem Ortsnamen abgestempelt und mit einer Schere vom Bogen abgetrennt. Mehr Informationen zu diesem Typ finden Sie hier.

Ab 1946 wurden R-Zettel der ersten Ausgabe für die britische Besatzungszone in Bögen zu 20 Stück hergestellt.

St. Andreasberg, R-Zettel mit dickem grauem Papier und der Postleitgebietszahl 20b im Kreis. Am rechten Fuß vom Buchstaben „R“ ist der Typ 7223 zu erkennen

R-Zettel (20b) St. Andreasberg. Postleitgebietszahl in Klammern, statt im Kreis, gesetzt über der Ortsbezeichnung, R-Zettel Typ 7652, Einsatz ab 1950

Ab 1951 kamen diese R-Zettel mit 20b St. Andreasberg zum Einsatz. Typ 7244 auf dünnem weißem Papier mit Ortsnamen und Postleitgebietszahl im Kreis

Zu dem R-Zettel Typ 7244 finden Sie hier weitere Informationen.

ein ähnlicher R-Zettel aber hier auf durchsichtigem Pergaminpapier, Typ 7242

1956 lösten die Rautenausgaben mit Amtskennzeichen (AKZ) für die Bundesrepublik Deutschland die zweistelligen Postleitgebietszahlen ab. Mit Amtsblattverfügung 274/1956 galten die Amtskennzahlen am 30. Juli 1956 auch für die Rautenausgabe der Einschreibezettel.

Mit „16 C 3“ und „16 P V“ kamen in St. Andreasberg zwei verschiedene Amtskennzeichen zum Einsatz:

R-Zettel AKZ St. Andreasberg, 16 C 3, Ort ohne Worttrennung

R-Zettel AKZ St. Andreasberg, 16 C 3, Ort mit Worttrennung

R-Zettel AKZ St. Andreasberg, 16 P

R-Zettel AKZ Bergstadt Sankt Andreasberg, 16P, fetter Schrifttyp

Zum 1. Januar 1965 wurden in der Bundesrepublik Deutschland Postleitzahlen mit vier Ziffern eingeführt. In den 28 Jahren bis zur nächsten Veränderung wurden durch viele Nachbestellungen eine Vielzahl von Schriftarten und Schriftgrößen eingesetzt:

R-Zettel 3424 Bergstadt Sankt Andreasberg, schmaler Schrifttyp

R-Zettel 3424 Bergstadt Sankt Andreasberg, fetter Schrifttyp beim Nummerator

R-Zettel 3424 St. Andreasberg, fetter Schrifttyp, die Bezeichnung Bergstadt ist weggefallen und Sankt wird wieder abgekürzt

Eine letzte Drucktypveränderung für die R-Zettel mit vierstelliger Postleitzahl von 3424 St. Andreasberg

R-Zettel 3424 St Andreasberg

R-Brief aus 3424 St Andreasberg, Unterscheidungsbuchstabe „a“ auf dem R-Zettel gestempelt, Poststempel Bergstadt Sankt Andreasberg vom 8. Juni 1985, nach Celle, Absendername gelöscht

Ausschnitt aus einer Bildpostkarte zur 500 Jahr Feier von Sankt Andreasberg. 1487 -1987, 3424 St. Andreasberg (im Oberharz, 600 -900 Meter über NN) Heilklimatischer Kurort und schneesicherer Wintersportplatz, ideales Wandergebiet, Superrutschbahn (550m Länge), Panorama-Hallenbad

Eine Reihe von Bildpostkarten und Maschinenstempeln mit Werbeklischees von und für St. Andreasberg sind bekannt.

Seit dem 1. Juli 1993 lautet die fünfstellige Postleitzahl von St. Andreasberg 37444:

Nassklebende R-Zettel mit und ohne Unterscheidungsbuchstabe und unterschiedlicher Trennung des Ortsnamens

Selbstklebende R-Zettel mit und ohne Unterscheidungsbuchstaben 

Ab 2003 und bis zum Jahresende 2024 war die Post in der Bäckerei Scheunemann, in der Schützenstr. 64 vertreten. Nur ein Briefkasten erinnert an den früheren Standort 

Das obere Teil einer Quittung bestätigt die Lage der Postagentur in der der Schützenstr. 64 im Jahr 2024

Weiter ging es auf der gegenüberliegenden Straßenseite:

Die aktuelle Partnerfiliale der Deutschen Post AG in der Schützenstr. 45, seit dem 6. Januar 2025 im „Spritzenhaus“

Im Jahr 1990 waren in St. Andreasberg 2817 Einwohner gemeldet. Nur 1387 Personen waren es in 2025. Es überrascht daher nicht, dass die ehemalige kleinste selbständige Stadt in Niedersachsen bereits zum 1. November 2011 mit Braunlage fusionierte.

Ein Poststempel von 37444 St. Andreasberg vom 27. August 2025.  Üblicherweise sollte im Stempel seit der in 2011 vollzogenen Fusion mit Braunlage „Braunlage“ statt „St Andreasberg“ im Stempel abgebildet sein

Die Posthilfsstellen (PHSt, früher auch Posthülfstellen) in Oderhaus, Odertaler Sägemühle, Sonnenberger Weghaus, Schuft und Silberhütte führten wegen des eingeschränkten Angebots einer PHSt keine eigenen Einschreibzettel.

In Niedersachsen gibt es nur vier Orte, die historisch durch Klöster oder Heilgenverehrung geprägt sind und ein „St.“ (Sankt) im Namen führen.

Außer St. Andreasberg sind das folgend Orte:

  • St. Hülfe, Postleitzahl 2841, später 2840 Diepholz 3, ein Ortsteil der Kreisstadt Diepholz

R-Zettel 2841 St. Hülfe

  • St. Jürgen, ein Ortsteil der Gemeinde Lilienthal, Landkreis Osterholz. (die Poststelle II verwendete 1931 einen Kastenstempel „Niederende St. Jürgen Lilienthal (Bz. Bremen) Land“).
  • Neu St. Jürgen, Postleitzahl 2861, später 2862 Worpswede 4, ein Ortsteil von Worpswede, Landkreis Diepholz

s/w Kopie, R-Zettel 2861 Neu St. Jürgen, zweistelliger Nummerator

Nachsatz:

Wie bereits bei anderen Beiträgen gibt es auch in St. Andreasberg Themen, die wegen ihrer Fülle nicht in diesem Blog zur Postgeschichte behandelt werden können.

Zur Geschichte von St. Andreasberg gehören der Bergbau, das UNESCO-Welterbe Grube Samson, die Kanarienvogelzucht, die Weltkriege, Rüstungsproduktion und ihre Folgen, eine Zahnradbahn, die derzeitige schwierige wirtschaftliche Situation des Ortes mit der Bevölkerungsentwicklung und auch die ARD-Krimireihe „Harter Brocken“.

Wer sich für diese Themen interessiert, kann sich außerhalb dieses Blogs auf Spurensuche begeben.

Quellen:

  • Ein besonderer Dank geht an Herrn Jochen Klähn, Stadtheimatpfleger, aus St. Andreasberg für die Unterstützung und Bereitstellung von Abbildungen und Literatur
  • Katalog der Deutschen und verwandten R- und + V-Zettelformen, Herausgegeben von der Westdeutschen Arbeitsgemeinschaft R-Zettel und R-Stempel, 2. Auflage Oktober 1966, umgangssprachlich Overmann-Katalog
  • Goslarsche Zeitung, 30.Mai 1987, „Mehr als 200 Jahre Post in St. Andreasberg“
  • Fotos vom Autor, August 2025
  • www.stadtbuecher.de, abgerufen am 9.9.2025
  • Regeln für die deutsche Rechtschreibung, Titelbild eines 1908 verlegten Wörterverzeichnis auf Basis der Orthographischen Konferenz von 1901:

Vom „Y“ zum „I“

Schreibweise

Vom „Y“ zum „I“

In einem früheren Artikel bin ich auf die Veränderung der Schreibweise von Ortsnamen eingegangen, vom „C“ zum „K“. 

Beim Typenvergleich von R-Zetteln einzelner Orte bin ich auf Kaierde aufmerksam geworden.

Kaierde ist ein Ortsteil des Fleckens Delligsen im Landkreis Holzminden (ehem. 3223 Delligsen 6). Über viele Jahre gehörte Kaierde zum Landkreis Gandersheim und wurde am 1. April 1974 im Zuge einer Gebietsreform ein Ortsteil des Fleckens Delligsen.

Die Abbildungen zeigen eine unterschiedliche Schreibweise des Ortsnamens, Kayerde und Kaierde:

21.6.1905, Brief von Kayerde nach Hannover. R-Zettel „R“ rechtsstehend, Poststempel Kaierde (Braunschw.). Der Absender wählt auch die Schreibweise in der neuen Form. Der Poststempel ist bereits auf die neue Schreibweise umgestellt. Der ältere R-Zettel mit der früheren Schreibweise wird aufgebraucht.

R-Zettel Kayerde vom obigen Beleg.

Reichs-R-Zettel mit der aktuellen Schreibweise Kaierde.

Einen Hinweis für die Veränderung liefert Herr Ahlswede aus Kaierde, der sich intensiv mit der Heimatgeschichte beschäftigt. Eine erste Vereinheitlichung der Schreibweisen ergab sich durch die ab 1. Oktober 1874 im Königreich Preußen installierten Standesämter. Eine weitere Erklärung ist aus einem Auftrag des Landes Preußen im Jahre 1911 an den Berliner Graphiker Ludwig Sütterlin abzuleiten. Besagter Sütterlin bekam den Auftrag für die seit fast 500 Jahren nebeneinander bestehende lateinische und deutsche Schreibschrift einheitliche Regeln und Schreibweisen zu entwickeln. Im Jahre 1915 wurden beide Schriftarten offiziell an den preußischen Grund- und Volksschulen eingeführt und nebeneinander gelehrt.

Quelle: Herr Albert Ahlswede, Kaierde

Vom „C“ zum „K“

Schreibweise

Gelegentlich kommt es vor, dass ein Ort seine Schreibweise ändert. Das vermutlich bekannteste Beispiel ist Colonia, Cologne, Cöln und dann Köln.

Auch in Niedersachsen gibt es Orte, die ihren ersten Buchstaben gewechselt haben.

Vom „C“ zum „K“:

Calefeld, jetzt Kalefeld aus dem Landkreis Northeim, früher Landkreis Osterode:

Calefeld (Kr. Osterode, Harz) 5.9.1929, Poststempel Kalefeld, Absender gedruckt auf Umschlag Kalefeld. Der Stempel ist bereits erneuert, der frühere R-Zettel mit alter Schreibweise wird aufgebraucht. R-Brief nach Göttingen.

R-Zettel 3351 Kalefeld

Herr Hantke vom Heimatverein Kalefeld gibt folgende Erläuterung:

„Im Jahr 1926 hat es „Irritationen zur Schreibweise von Kalefeld mit C oder K gegeben. Nach einer Eingabe des zuständigen Kreisausschusses des Landkreises Osterode am Harz hat der Präsident des Preußischen Statistischen Landesamts am 28. Juli 1926 dem Kreisausschuss mitgeteilt, dass „maßgebend für die Schreibweise von Ortsnamen das im Preußischen Statistischen Landesamt in Bearbeitung befindliche Gemeindelexikon“ sein soll. Nach diesen Grundsätzen ist der Orts- und Gemeindename Kalefeld im Anlaut mit „K“ zu schreiben. Der Regierungspräsident in Hildesheim hat daraufhin mit Einverständnis des Herrn Minister des Inneren am 11. Oktober 1926 öffentlich bekanntgemacht, dass die genannte Ortschaft mit dem Anfangsbuchstaben „K“ zu schreiben ist.“

Catlenburg, jetzt Katlenburg aus dem Landkreis Northeim:

R-Zettel aus Catlenburg und 20b Katlenburg

Einen tiefen Einblick in die Geschichte wirft Frau Witte, die Ortsheimatpflegerin der Gemeinde Katlenburg-Lindau:

„In den Urkunden, die in lateinischer Sprache abgefasst sind, wird Katlenburg mit C geschrieben und beziehen sich auf die Burg und das Kloster Katlenburg. In den Annalen des Lampert von Hersfeld von 1075 wird Dietrich II. „als comes de Cadalenburg“ bezeichnet. In einer Urkunde des Bischofs von Hildesheim wird die Zerstörung des Klosters durch Brandstiftung 1346 berichtet: dat closter tho Cathelborg. Das Katlenburger Lagerbuch on 1525 schreibt dann Katelenborch, also mit K. Eine Karte von ca. 1617 verwendet wieder das C, also Catlenburg ebenso der Merianstich von 1654. Das heißt, die Schreibweise ist uneinheitlich. Der Name bezieht sich nur auf die Burg, später Kloster und dann Domäne, nicht auf die Ortschaft am Fuße des Burgbergs. Diese wurde 1483 als „in deme dome to Kathelenborch“ erwähnt. Der Name „Duhm“ oder auch Katlenburg-Duhm war bis 1974 für den heutigen Ort gebräuchlich, ab dann heißt der Ort offiziell nur noch Katlenburg. Auf alten Postkarten aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg hat man die Schreibweise mit C verwendet.“

Colenfeld, jetzt Kolenfeld, aus der Region Hannover, 3050 Wunstorf 7 und früher Landkreis Neustadt am Rübenberge:

Colenfeld, R rechtsstehend,  18.9.1896, Poststempel Colenfeld, R-Brief nach Neustadt.

R-Zettel Kolenfeld, mit der früheren Landkreisbezeichnung Neustadt am Rübenberge

Herr Fesche, Stadtarchivar der Stadt Wunstorf, steuert aus der Geschichte folgendes bei:

„Historisch ist Kolenfeld über Jahrhunderte mit C geschrieben worden, noch im 19. Jahrhundert schrieb man durchgängig „Colenfeld“. Auch in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts blieb das so. Die Protokolle des Gemeinderats schreiben bis zum Oktober 1938 „Colenfeld“. Das ändert sich mit der Einführung des neuen Bürgermeisters Bergmann: Diese war im November 1938, und fortan wird in den Niederschriften „Kolenfeld“ geschrieben, ebenso in den Akten der Gemeindeverwaltung. (Andere Behörden, z.B. das Amtsgericht schreiben aber noch eine Weile „Colenfeld“, bis sich die Schreibweise mit K vollständig durchsetzt). Einen förmlichen Beschluss sucht man allerdings in Protokollen oder Akten vergeblich.

Als Folge der Reichseinigung 1871 ist auch eine Vereinheitlichung der deutschen Sprache bzw. Rechtschreibung angestrebt worden. 1880 erschien erstmals Konrad Dudens Vollständiges Orthographisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Bei der „Orthographische Konferenz“ von 1901 in Berlin wurde auch über die Schreibung von Ortsnamen beraten. Dabei einigte man sich auf Kassel statt Cassel, Köln statt Cöln und Köthen statt Cöthen, verfolgte dies aber nicht konsequent, so dass es z.B. beim Städtenamen Cottbus blieb. Dennoch, so nehme ich an, dürfte sich in der Folgezeit die Ersetzung der C-Schreibung durch eine K-Schreibung weiter durchgesetzt haben. Dies entsprach auch Tendenzen zur „Verdeutschung“ des Sprachgebrauchs im Deutschen Reich, bzw. zur „Bereinigung“ von vermeintlich fremden, etwa französischen anmutenden Einflüssen. Vor allem im und in Folge des Ersten Weltkriegs setzten sich diese Tendenzen weiter durch.“

Nach dem Studium dieser Zeilen ist fast alles klar. Aber es geht auch anders herum.

Vom „K“ zum „C“:

Koppenbrügge, jetzt Coppenbrügge im Landkreis Hameln-Pyrmont.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist coppen-beleg_000022-1024x569.jpg

R-Brief von Coppenbrügge vom 4.7.1883 nach Beedenbostel via Celle

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R-Zettel vom obigen Beleg

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Reklamemarke Kaffee Hag mit dem Wappen des Ortes, als Ersatz für einen fehlenden R-Beleg

Die Schreibweise des Ortes hat mehrfach gewechselt. Laut Wikipedia 1380 mit K, wenige Jahre später mit C. In einem Artikel im Mitteilungsblatt der Arge R- und V-Zettel aus dem Jahre 2009 werden Belege mit unterschiedlicher Schreibweise abgebildet. 1891 mit C, 1923 und 1929 mit K. Am 15. Januar 1929 wurde durch den Vorsitzenden des Kreisausschusses des Kreises Hameln-Pyrmont, Dr. Loeb-Caldenhof*, in einer Zeitungsanzeige die folgende Bekanntmachung veröffentlicht:

„Im Einverständnis mit dem Herrn Minister des Innern hat der Herr Regierungspräsident in Hannover die Schreibweise des Namens des Fleckens Coppenbrügge im Kreise Hameln-Pyrmont mit „C“ im Anlaut landespolizeilich festgestellt. Hameln, den 15. Januar 1929.“

(*Dr. Loeb-Caldenhof, 1919-1933 Landrat im Kreis Hameln)

Koppengrave, jetzt Coppengrave aus dem Landkreis Hildesheim, seit dem 1.11.2016 der Samtgemeinde Leinebergland zugehörig:

R-Zettel (20a) Koppengrave über Alfeld (Leine) und 3221 Coppengrave

Herr Fesche beschreibt in seinem Beitrag die Folgen der Orthographischen Konferenz von 1901. Damit erklärt sich auch, dass vielerorts weiter Ortsnamen mit „C“ geschrieben werden, auch wenn der Ort wie „K“ ausgesprochen wird, beispielhaft: Cadenberge, Calberlah, Clausthal, Cloppenburg, Coppenbrügge oder Cuxhaven.

Quellen:

  • Heimatverein Kalefeld, 1. Vorsitzender, Herr Dietmar Hantke
  • Gemeinde Katlenburg-Lindau, Ortsheimatpflegerin, Frau Annelie Witte
  • Stadt Wunstorf, Fachdienst Kultur, Herr Klaus Fesche
  • Reinhold Bartels, Mitteilungsblatt der Arge R- und V-Zettel e.V., Nr. 158, Seiten 21-25

Offene Frage:

  • Welche noch nicht erwähnten Orte habe in Niedersachsen ihre Schreibweise geändert?

Ein Tipp, passend zu diesem Artikel. Bitte lesen Sie auch den Bericht über die Orte mit dem Namenszusatz Bad.