Wesermünde – Die vergessene Großstadt

Wo liegt Wesermünde?

Aus dem Zusammenschluss der preußischen Städte Geestemünde und Lehe entstand im Oktober 1924 an der Unterweser die Stadt Wesermünde. Über 100 Jahre später ist die preußische Stadt nahezu vergessen.

R-Zettel aus Wesermünde

Eine Zeitreise:

1827, auf Initiative von Bremens Bürgermeister Johann Smidt (1773 – 1857) wird an der Geestemündung ein Stück Land vom Königreich Hannover gekauft. Auf dem Gelände, rund 60 Kilometer von der Stadt Bremen entfernt, wird ein Vorhafen angelegt, da die Weser versandet. Bremerhaven entsteht, mit 19 Einwohnern.

1832 und weitere Jahre, Menschen verlassen über den Hafen Deutschland und Europa, um in Übersee ein neues, besseres Leben zu finden. Bremerhaven entwickelt sich zum größten Auswandererhafen Europas.

1845, das Königreich Hannover gründet Geestemünde.

1851, Bremerhaven erhält Stadtrechte.

1889, Geestendorf wird mit Geestemünde vereinigt.

An der Unterweser gab es drei voneinander unabhängige Orte. Im Norden der Flecken Lehe, der 1920 die Stadtrechte bekam, im Süden Geestemünde und im Westen Bremerhaven. Lehe und Geestemünde waren preußisch, Bremerhaven war bremisch. Dazu kamen zwei Dörfer: Im Norden Weddewarden und im Süden Wulsdorf.

Poststempel Wulsdorf, 24. Juni 1899

Am 1. April 1920 wurde Wulsdorf in die Stadt Geestemünde eingemeindet.

Das bremische Bremerhaven und das preußische Wesermünde

Als kleine Lösung beschlossen die preußischen Orte Lehe und Geestemünde am 10. März 1924 den Zusammenschluss beider Städte zur kreisfreien Stadt Wesermünde. Am 2. Oktober nahm der Preußische Landtag in Berlin das Gesetz über die Vereinigung von Lehe und Geestemünde an. Am 18. Oktober trat dieses in Kraft. (ca. 73.000 Einwohner)

Anfang der 1920er Jahre, zwei Einschreibzettel

 …von Geestemünde 1 und 2

Siegelmarke vom Kaiserlichen Deutschen Postamt Geestemünde

Bremerhaven war daher landseitig vollständig von Wesermünde umgeben.

Die Flüsse Geeste (Geestemünde) und Weser (Wesermünde) waren die Namengeber der Orte.

Am 1. April 1927 wurden als konsequente Entwicklung die Ortschaft Weddewarden, der Güterbahnhof Speckenbüttel und die Ortschaft Schiffdorferdamm in die Stadt Wesermünde eingemeindet. Es wurde angestrebt, auch Bremerhaven in Wesermünde einzugliedern, was aber von Bremer Seite abgelehnt wurde.

1927 war Wesermünde ein bedeutender Werftenstandort und entwickelte sich zum größten Fischereihafen des europäischen Kontinents.

Karte von 1942 mit eingezeichneter Grenze von Wesermünde

Die Karte dokumentiert die Umschließung des bremischen Bremerhavens durch das preußische Wesermünde im Jahr 1927, Historisches Museum Bremerhaven

Am 30. März 1938 wurde das heutige stadtbremische Überseehafengebiet verwaltungsmäßig von der Stadt Bremerhaven abgetrennt und als Exklave in die Stadtgemeinde Bremen eingegliedert. Das ist bis heute so geblieben. Bremen sicherte sich so seinen Seehafen.

Die vierte Verordnung über den Neuaufbau des Reiches, die am 1. November 1939 in Kraft trat, brachte die Einverleibung des bremischen Ortes Bremerhaven in das preußische Wesermünde. Das alte Bremerhaven hieß nun „Wesermünde-Mitte“. Das Bremen zustehende Hafengebiet hieß „Bremerhaven“.

Poststempel Wesermünde vom 27. Dezember 1940, 16.00 Uhr

Wesermünde wuchs durch die Zunahme von Bremerhaven zu einer Großstadt und zur zweitgrößten Stadt nach Hannover in der Provinz Hannover.

1945, Wesermünde und Bremen werden als norddeutsche Exklaven in die amerikanische Besatzungszone einbezogen. Bremerhaven war Versorgungshafen der US Army.

Die Enklave Bremen war amerikanisch, lag aber im britischen Hoheitsgebiet. Wesermünde gehörte zur Provinz Hannover, während der Überseehafen zu Bremen gehörte. Wesermünde wollte anfänglich zum neu zu gründenden Niedersachsen, zu dem auch Bremen gehören sollte. Bremen verteidigte aber seine Eigenständigkeit. Da Wesermünde vom bremischen Überseehafen abhängig war, wollte es schließlich in das neu zu gründende Land Bremen.

Durch die Gründung des Landes Niedersachsen am 1. November 1946 bis zur Eingliederung von Wesermünde nach Bremen zum 31.12.1946 gehörte Wesermünde formal zu Niedersachsen.

Nach einer Vereinbarung der britischen und amerikanischen Besatzungsmächte schied zum 31. Dezember 1946 der Stadtkreis Wesermünde aus dem neugebildeten Land Niedersachsen aus.

Zum 1. Januar 1947 wurden Bremen, Bremerhaven und Wesermünde als Staat im amerikanischen Kontrollgebiet ausgerufen. Der Bremer Senat fungierte als provisorische Staatsregierung.

Die Bremische Landesverfassung trat am 21. Oktober 1947 in Kraft. Die Proklamation des neuen Landes wurde mit Datum vom 21. Januar am 22. Januar 1947 veröffentlicht, rückwirkend zum 1. Januar 1947.

Am 7.2.1947 beschloss die Stadtvertretung den bisherigen Stadtnamen Wesermünde in Bremerhaven umzutaufen.

Im Amtsblatt der Hauptverwaltung für Post- und Fernmeldewesen des Amerikanischen und Britischen Besatzungsgebietes wird am 24. April 1947 die Umbenennung von Wesermünde zu Bremerhaven verkündet

Noch heute entspricht das Stadtgebiet Bremerhavens im Wesentlichen dem einstigen Wesermünde.

Doch der Name und die Geschichte der Stadt Wesermünde, in der einst die Unterweserorte zu Bremerhaven vereint wurden, geriet in Vergessenheit.

Zu den Einschreibzetteln von Wesermünde und seinen Stadtteilen

Die Einheitsausgaben für das Reichspostgebiet brachte auch für Wesermünde verschiedene Typen, mit und ohne Unterscheidungsbuchstaben (UB), an die Postschalter:

R-Zettel Wesermünde

R-Zettel Wesermünde mit UB d

R-Zettel Wesermünde mit UB e

Einschreibbrief von Wesermünde-Altgeestemünde nach Hannover-Herrenhausen, Poststempel 21. April 1943 (Absender und Empfänger sind selbsterklärend)

R-Zettel vom obigen Beleg

R-Zettel Wesermünde Fischereihafen (1927)

R-Zettel Wesermünde-Geestemünde, ohne UB, kleinerer Schrifttyp

R-Zettel Wesermünde-Geestemünde mit UB a, kleinerer Schrifttyp

R-Zettel Wesermünde-Geestemünde mit UB a, größerer Schrifttyp

R-Zettel Wesermünde-Geestemünde mit UB b, größerer Schrifttyp

Einschreibbrief von Wesermünde-Lehe nach Hannover-Herrenhausen, Poststempel 1. November 1943 (Absender und Empfänger sind selbsterklärend)

R-Zettel vom obigen Beleg, zwei Zeilen

R-Zettel Wesermünde-Lehe mit UB b, zwei Zeilen (1946)

R-Zettel Wesermünde-Lehe, einzeilig (1938)

R-Zettel Wesermünde-Mitte mit UB a (1946)

Einschreibbrief von Wesermünde-Mitte nach Hannover-Herrenhausen, Poststempel 15. Januar 1942 (Absender und Empfänger sind selbsterklärend)

R-Zettel vom obigen Beleg mit UB b

R-Zettel Wesermünde-Mitte mit UB c (1944)

R-Zettel Wesermünde-Speckenbüttel über Wesermünde-Geestemünde

Dieser R-Zettel ist ein Meisterwerk eines Schriftsetzers! 50 Stellen oberhalb der Nummer 311, getrennt durch die waagerichte Linie.

Briefstück mit Blanko R-Zettel und Stempel Wesermünde-Speckenbüttel

Die R-Zettel des Typs Wegener wurden nach Kriegsende 1945 als erste Ausgabe für das vereinigte Wirtschaftsgebiet bzw. für die Bundesrepublik Deutschland eingeführt. Da die Einschreibzettel von der Druckerei Wegener geplant ohne Ortseindruck an die Postämter ausgeliefert wurden, wurde planmäßig ein Stempel Wesermünde-Speckenbüttel benutzt.

R-Zettel Wesermünde-Wulsdorf (1933)

R-Zettel Bremerhaven mit UB b

Alle Einschreibzettel aus den Zeiten des Deutsches Reiches wurden auch nach Einführung der Postleitgebietskennzahlen 1944 in Ermangelung neuer Postformulare in einzelnen Postämtern weiterverwendet und aufgebraucht.

R-Zettel Wesermünde mit der neuen Postleitgebietszahl 23 (ab 1944)

Blanko Einschreibzettel mit Stempel Wesermünde und Unterscheidungsbuchstaben a, Verwendung Januar 1947 kurz vor der Umbenennung zu Bremerhaven

R-Zettel Wesermünde mit Postleitgebietszahl 23, ohne Unterscheidungsbuchstaben, Aufbrauch des Einschreibzettels nach der Umbenennung zu Bremerhaven im Mai 1947, R-Zettel Typ 7223, rechter Fuß vom Buchstaben „R“

R-Zettel Wesermünde mit Postleitgebietszahl 23, handschriftlich Unterscheidungsbuchstabe a, Aufbrauch des Einschreibzettels nach der Umbenennung zu Bremerhaven im Juni 1947, R-Zettel Typ 7224, rechter Fuß geschwungen vom Buchstaben „R“

Postämter in Wesermünde

Mit Hilfe der Literatur und Stadtplänen aus der Vorkriegszeit lassen sich einzelne Postämter in Wesermünde beschreiben. Können Sie bitte weitere Angaben machen und diesen Beitrag komplettieren?

1876, im Bauernort Wulsdorf wird eine Postagentur eingerichtet.

1877, in Lehe bezieht das Postamt 3. Klasse Räume in der Langen Str. 127.

November 1896, Eröffnung des Fischereihafens in Geestemünde und dort Einrichtung einer Post- und Telegraphenstelle.

1899 wurde das neue Dienstgebäude in Geestemünde von 40 Beamten des Postamts und der Telegraphen-Betriebstelle bezogen. Hier eine Abbildung dieses Kaiserlichen Postamts:

Ein Gruss aus Geestemünde, Poststempel Geestemünde 14. September 1909, Abbildung des kaiserlichen Postamtes, Klußmannstr. 7, Postkarte nach Hohensalza. (Heutige Bezeichnung Inowrocław in Polen)

Zum Vergleich, ca. 116 Jahre später, das damalige Kaiserliche Postamt, heute Polizeirevier Geestemünde und Polizeikommissariat Süd, Klußmannstr. 7

28. September 1903, Umzug des Postamtes vom bisherigen Standort Am Alten Hafen in das neue eigenes Posthaus zur Schifferstraße.

1. Oktober 1906, die Zweigstelle des Postamtes Geestemünde wurde in Wulfsdorf in ein selbständiges Postamt 3. Klasse umgewandelt.

Wulfsdorf, Weserstr. 75, auf der rechten Bildseite, ein Briefkasten an der Hauswand markiert die Post, Aufnahme aus den Jahren ab 1907

Juli 1908, in Speckenbüttel wir eine Postagentur eingerichtet.

ehemaliges Bahnpostamt Geestemünde-Geestendorf

Das Bahnpostamt Geestemünde-Geestendorf, Friedrich-Ebert-Str. 75, entstand 1913-1914 in direkter Nachbarschaft im Zusammenhang mit dem Neubau des Personenbahnhofs Geestemünde-Bremerhaven. Das Gebäude diente als Durchgangspackkammer mit einen kleinen Posthof und einer Rampe für die Anlieferung. Im Inneren war eine Schalterhalle und die Dienstzimmer der Postangestellten und der Paketraum.

Ende 1916 zog das Postamt Lehe in seine neuen Diensträume im neuerstellten Doppelbau Sparkasse/Post in der Hafenstraße (vorher Hafenstr. 55).

Das Postamt in Lehe eingezeichnet mit der städtischen Sparkasse Hafenstraße/Ecke Kaiser Wilhelm Straße. Fundstück auf der Karte am Bildausschnitt unten rechts: Schup0-Badeanstalt

Am 8. Oktober 1933 wurde das neue Reichspostamt Geestemünde direkt neben dem neuen Hauptbahnhof eröffnet.

Bahnhof Wesermünde-Bremerhaven, Lage der Post am Bahnhofsplatz auf einem Kartenausschnitt…

…und in Realität in 2025, Bremerhaven, Straßburger Platz/Ecke Friedrich-Ebert-Straße, unweit des Hauptbahnhofs

Während der Recherche zu diesem Beitrag meldete Radio Bremen (buten un binnen): sPostfiliale am Bremerhavener Hauptbahnhof, geschlossen.

1939, Postamt-Anbau an einen der Bischoffschen Schuppen, Marcusstraße, Nahe Rotersand, Postamt Schifferstraße jetzt Wesermünde 2 (Wesermünde-Mitte).

Ein amerikanisches Feldpostamt (Army Postal Office 69) belegte vom 7. Juni 1945 bis März 1948 die Räume des Postamtes Wesermünde-Lehe, Hafenstraße. Anschließend wurde die amerikanische Postversorgung zum Flugplatz Weddewarden verlegt, von wo bis zum Ende der 1960er Jahre die Postversorgung der US-Truppen in Europa gelenkt wurde.

Ehemaliges Kaiserliches Postamt Bremerhaven, Schifferstr. 10-12, erbaut 1901

Seit 6. Dezember 1954 wurde das Gebäude Schifferstr. 10-12 vom Fernmeldedienst genutzt. Nach der Aufgabe des zuletzt von der Telekom genutzten Gebäudes im Jahr 1992 übernahm die städtische Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung (BIS) das Haus und baute es 2002 zum Technologie- und Gründerzentrum „t.i.m.e.Port I“ um.

Das Postamt Bremerhaven 12 befand sich seit dieser Zeit im Gebäude Schifferstr. 15, gegenüber dem alten Amtshause.

Der Namen Wesermünde verschwand 1947 nicht ganz. Von 1932 bis 1977 gab es um Bremerhaven herum den Landkreis Wesermünde.

Ich verzichte in diesem Artikel auf die Auflistung der Postämter in Bremerhaven nach der Umbenennung.

Offene Fragen:

  • Gibt es Einschreibbelege aus dem Zeitraum vom 1. November 1946 bis zum 31. Dezember 1946, an denen Wesermünde formal zu Niedersachsen gehörte (61 Tage)?
  • Zur Stadt gehören auch Leherheide, Schiffdorferdamm, Surheide und Weddewarden. Welche postalischen Spuren und R-Zettel/Einschreiben können Sie hier ergänzen?
  • Bremerhaven, Wilhelmshaven, Cuxhaven, Wittmundhaven: warum werden diese Hafenorte (…haven) mit „v“ und nicht mit „f“   geschrieben? Eine Idee für einen späteren Artikel.

Quellen:

  • Amtsblatt der Militärregierung für Deutschland, Amerikanische Zone, Ausgabe vom 1. April 1940
  • Amtsblatt der Hauptverwaltung für Post- und Fernmeldewesen des Amerikanischen und Britischen Besatzungsgebietes, 24. April 1947
  • Streifzug durch die Geschichte der Unterweserorte, Günter Anders, Festschrift zum 30. Bundestag vom Bund deutscher Philatelisten, 1976
  • Weser Kurier, 10. März 2015
  • Weser Kurier, Ulf Buschman,
  • Historisches Museum Bremerhaven, April 2025
  • Zur Geschichte der Post in Alt-Bremerhaven, Günter Anders
  • http://www.chronik-horn-lehe.de/, abgerufen am 15.8.2025
  • Fotos vom Autor, April 2025
  • Heiko Lochmann
  • Bremerhaven und seine Vorgängergemeinden, H. und I. Schwarzwälder

Vergißmeinnicht: Die Postleitzahl

Die vierstelligen Postleitzahlen werden eingeführt:

Die Werbekampagne für das neue Postleitzahlensystem in der alten Bundesrepublik wurde am 27. März 1962 mit einer Pressekonferenz in Anwesenheit von Postminister Richard Stücklen gestartet.

Mit bisher unbekanntem finanziellem Umfang hatte die Deutsche Bundespost für die Nutzung der neuen vierstelligen Postleitzahlen mit dem Slogan „Vergißmeinnicht: Die Postleitzahl“ geworben. Mit einer schnellen Einführung und hoher Akzeptanz bei den Postkunden sollten Rationalisierungseffekte bei der Bundespost gewonnen werden.

Eine umfangreiche Werbekampagne mit u.a. Werbefilmen, TV-Spots, Unterhaltungssendungen im ZDF mit Peter Frankenfeld und Walter Spahrbier und Teilnahmen auf Messen sollte den Erfolg bringen.

Ein kleiner Baustein der Kampagne der Deutsche Bundespost waren dreieckige, gelbe Aufkleber (untere Länge ca. 43 mm).

Unter fünf Vergißmeinnicht-Blüten lautet die Inschrift: „Vergiß mein nicht: DIE POSTLEITZAHL“, darunter Postleitzahl und Ortsbezeichnung des verausgabenden Postamtes.

Die nachfolgend abgebildeten Aufkleber dokumentieren die neuen vierstelligen Postleitzahlen und zeigen beispielhaft die noch nicht vollzogenen vierstelligen Postleitzahlen am Beispiel von 287 Delmenhorst (2870) oder 3 Hannover-Döhren (3000).

Auch die Nennung der früheren Ortsnamen, die später bei den Gebietsreformen weggefallen sind, wird festgehalten.

R-Brief von 3171 Allerbüttel nach Hannover, Poststempel 3 Gifhorn 8. August 1962. Poststellen II Stempel 3171 Allerbüttel. R-Zettel noch nicht umgestellt auf Postleitzahl, weiter mit Amtskennzeichen (AKZ) Gifhorn (Land) 12 X. Adresse und R-Zettel ohne Postleitzahl

Ein schöner Landpost-Beleg, eine zusätzliche Besonderheit verbirgt sich auf der Rückseite:

Die Absenderin klebte einen Aufkleber auf die Rückseite ihres Briefumschlages und wirbt für Ihre neue Postleitzahl 

Aufkleber „Vergiss Mein Nicht“ vom obigen Beleg

Brief von 4491 Rhederfeld nach Syke, Poststempel Papenburg 28. August 1962, Poststellen II Stempel 4491 Rhederfeld Gem. Rhede

Aufkleber „Vergiss Mein Nicht“ vom obigen Beleg

In einem Handbuch der Arge Briefpostautomation e.V., „Werbung für Postleitzahlen der Deutschen Postanstalten“ haben interessierte Sammler die Orte zusammengetragen, von denen u.a. der Einsatz der dreieckigen Aufkleber belegt ist. Die Auflistung umfasst 294 Orte, davon 31 aus Niedersachsen. Wie immer bei veröffentlichter Literatur dürften seit dem Erscheinen 2002 Nachträge bekannt geworden sein.

Ich kann die folgenden Orte aus Niedersachsen ergänzen:

  • 2831 Groß Henstedt, 17. 11. 1962, später 2830 Bassum im Landkreis Diepholz
  • 2831 Natenstedt, 4.10.1962, später 2832 Twistringen im Landkreis Diepholz

  • 2851 Sellstedt, später 2858 Schiffdorf 6 im Landkreis Cuxhaven

  • 2941 Nord Dunum, später 2943 Dunum 2 im Landkreis Wittmund

  • 2945 Sanderbusch, später 2945 Sande im Landkreis Friesland

  • 3 Hannover-Döhren, später 3000 Hannover 81 in der Landeshauptstadt

  • 3111 Nateln, später 3111 und 3115 Rosche im Landkreis Uelzen

  • 3171 Allerbüttel, 8.8.1962, Beleg s.o., später 3171 und 3178 Calberlah im Landkreis Gifhorn

  • 3201 Söhlde, später 3201 Söhlde 2 im Landkreis Hildesheim
  • 3261 Engern, 30.11.1970, später 3260 Rinteln 8 im Landkreis Schaumburg

  • 3301 Rautheim, später 3300 Braunschweig 64

  • 3341 Klein Flöthe, später 3344 Flöthe 2 im Landkreis Wolfenbüttel

  • 3451 Lobach, später 3454 Bevern im Landkreis Holzminden

  • 4491 Rhederfeld, 28. August 1962, Beleg s.o., später 2994 Rhede im Landkreis Emsland

Eine Ergänzung zu den obigen Abbildungen. Im Buch der Arge Briefpostautomation e.V. „Werbung für Postleitzahlen der Deutschen Postanstalten“ ist der nachfolgen Aufkleber aufgelistet. Hier die passende Abbildung:

  • 287 Delmenhorst, später 2870 Delmenhorst

Die mir bekannten Belege mit Vergissmeinnicht-Aufklebern auf der Vor- oder Rückseite eines Beleges sind zwischen dem 8. August 1962 und dem 30. November 1970 gelaufen.

Zur Ergänzung:

Am 3. November 1961 wurden die Einführung der vierstelligen Postleitzahlen im Amtsblatt des Bundesministeriums für das Post- und Fernmeldewesen Nr. 126 bekanntgegeben:

Die Bekanntgabe der vierstelligen Postleitzahlen im Amtsblatt des Bundesministers für das Post- und Fernmeldewesen, Nr. 126, 3. November 1961

Auszug aus dem Amtsblatt, alle Orte wurden namentlich aufgelistet, hier ein Blick auf Orte mit „H“

Die Auflistung der Orte reichte von A, wie 8971 Aach (Allgäu)/über Oberstaufen bis Z 4191 Zyfflich/über Kleve.

Beide Orte sind jeweils eingemeindet und habe so ihre besondere Stellung in diesem Alphabet verloren. Beide verweisen über die A bis Z Auflistung auf eine andere Gemeinsamkeit hin. Beide Orte sind Grenzorte. Aach zu Österreich und Zyfflich zu den Niederlanden.

Jeder Haushalt erhielt ein kostenloses Verzeichnis mit vierstelligen Postleitzahlen.

Postleitzahlen, 1961, Herausgegeben und bearbeitet vom Bundesministerium für das Post- und Fernmeldewesen

Offene Fragen:

  • Wie gelangte der Postkunde ab 1961 an diese Aufkleber?
  • Wie viele Exemplare des Aufklebers waren auf einem Blatt zusammengestellt?
  • Wie sieht ein komplettes Blatt mit den dreieckigen Aufklebern aus?
  • Wer könnte bitte weitere passende Aufkleber auf Belegen nachweisen? Vielen Dank für Ihre Zuschrift!

Quellen:

  • Amtsblatt des Bundesministers für das Post- und Fernmeldewesen, Nr. 126, 3.11.1961, Einführung der vierstelligen Postleitzahlen
  • Das Archiv 2/2020
  • Archiv für deutsche Postgeschichte, Heft 1/1993
  • Arge Briefpostautomation e.V., Werbung für Postleitzahlen der Deutschen Postanstalten, Mai 2002

Die Deutsche Bundespost Berlin brachte am 13. Oktober 1977 ein Vergissmeinnicht (Myosotis palustris) in der Wohlfahrtsmarken-Serie Wiesenblumen an den Postschalter, Michel Nr. 559. Wert 70 + 35 Pfennige

Am 10. August 2017 kam innerhalb der Freimarkenserie der Deutschen Post Blumen ein Vergissmeinnicht in den Postverkehr, Michel Nr. 3324. Wert 345 Cent

Emden, kaiserliches Post- und Telegraphenamt

Ein unscheinbarer Beleg von Emden nach Lübeck. Aber die zwei Buchstaben hinter dem Ortsnamen auf dem Einschreibzettel machen mich neugierig:

TA

Die Abkürzung steht für Telegraphenamt und beinhaltet in voller Länge das kaiserliche Post- und Telegraphenamt in Emden

Das Wort Telegraphie, wurde aus dem Griechischen entlehnt (telos = fern, Graphen = schreiben)

Das im 19. Jahrhundert erfundene Telegramm war bis weit ins 20. Jahrhundert hinein eine der schnellsten Möglichkeiten, wichtige Informationen zu übermitteln. Persönlich oder telefonisch beim Post- oder Telegraphenamt diktierter Text wurde in der Regel per Fernschreiber an ein Post- oder Telegrafenamt in der Nähe des Empfängers übermittelt und dann per Bote zugestellt.

Poststempel Emden vom 8. September 1943 mit R-Zettel der Einheitsausgabe des Deutschen Reiches. Brief nach Lübeck

Einschreibzettel vom obigen Beleg

Wo stand in Emden das kaiserliche Post- und Telegraphenamt?

Kartenausschnitt eines Stadtplans von Emden, ca. 1908

Über der Bezeichnung „Delft“ auf dem Gewässer liegt eingerahmt zwischen der Großen Osterstraße und der Großen Brückstraße die Post, das kaiserliche Post- und Telegraphenamt.

Die Geschichte begann am 1. Januar 1855 mit der Eröffnung der Königlich Hannoverschen Telegraphenstation in Emden mit dem Betrieb von Seekabeltelegraphie.

Die Post war beim Bahnhof untergebracht. Die Telegraphenstation war Mieter im Kappelhoffschen Haus am Delft 25/26.

Der ständig zunehmende Postverkehr, die Zusammenlegung der Post mit dem Telegraphenwesen, erforderte einen Neubau. In Emden (bzw. im Reichspostamt in Berlin) entschloss man sich, die Post und Telegraphie) an einem neuen Standort unter einem Dach zu vereinen.

Das Kaiserliche Postamt wurde im Stile der italienischen Neorenaissance von 1877 bis 1879 zur Zeit des Postministers Heinrich von Stephan an der Brückstraße, Ecke Grauferdstraße erbaut.

Am 1. April 1879 fand die feierliche Einweihung statt.

Das Erdgeschoß wurde ausschließlich für den Postbetrieb eingerichtet. Im ersten Stock befanden sich die Diensträume vom Telegraphenamt und die Dienstwohnung des Telegraphenamt-Vorstehers. Das zweite Stockwerk enthielt die Räume für den Betrieb der Vereinigten deutschen Telegraphengesellschaft und für die Abteilung der Indo-European-Telegraph-Company, sowie die Dienstwohnungsräume für den Postamtsvorsteher.

Für den Telegrapfenbetrieb wurde 1879 in Emden 28 einmündende Leitungen, davon 15 für den internationalen und 13 für den inländischen Verkehr genutzt.

1894 bis 1896 wurde das Gebäude erstmalig ergänzt.

Herzlichen Glückwunsch zum neuen Jahr, Postkarte mit Stempel vom 2. Januar 1901

Die Abbildungen zeigen im Jahr 1900 die Verbindungen der Kabel von und nach Emden. Rechte Bildseite die Darstellung des Kaiserlichen Post- und Telegraphenamtes. Bildmitte die namentliche Auflistung von Malmoe, Wien, Amsterdam und Rotterdam. Links die Namen der Verbindungen nach Bacton (England), Lowestoft (östlichste Stadt Großbritanniens), Hamburg-Bremen-Berlin, Azoren (in Horta auf der Insel Fayal), New York, Vigo (Spanien) und Valentia (Irland).

Ergänzt werden können die Verbindungen nach Santa Cruiz auf Teneriffa (Spanien), Monrovia (Liberia), Recife di Parnambuco (Brasilien), Lome (Togo), Duala (Kamerun), Brest (Frankreich).

Das Telegraphenamt war das größte Kabelamt der Welt mit weltweiten Verbindungen.

Am 30. Juli 1902 besichtigte Se. Majestät der Kaiser das Telegraphenamt in Emden. Neben den üblichen Ritualen einer Besichtigung wurde aus Vorführungsgründen zwei Telegramme nach New York und Horta gesendet. Kurze Zeit später kamen die Antworten:

nach New York: Seine Majestät der Deutsche Kaiser besichtigen soeben die Anlagen des hiesigen Telegraphenamts. Empfangsbestätigung erbeten. aus New York: Wir würden glücklich sein, wenn Seine Majestät der Deutsche Kaiser mit den Leistungen der Deutsch-Atlantischen Telegraphengesellschaft zufrieden wären.

nach Horta: Seine Majestät der Kaiser besichtigen soeben das Telegraphenamt in Emden und wünschen den Beamten der Deutsch-Atlantischen Telegraphengesellschaft in Horta ferneres gedeihliches Wirken. Antwort aus Horta: Die Beamten der Deutsch-Atlantischen Telegraphengesellschaft in Horta, hochbeglückt durch das gnädige Gedenken, bitten Seiner Majestät allerunterthänigsten Dank darbringen zu dürfen.

Am 6. Februar 1903 ging diese Postkarte auf die Reise, linke Bildseite das Post- und Telegrapfenamt. Interessant der Blick in die Grosse Brückstraße und die Bebauung gegenüber dem Amt.

Der Turm war 75 Meter hoch, trug vier Uhren und eine Glocke und hatte auf der Spitze einen Drachen als Windzeiger!

Von 1908 bis 1910 gab es eine weitere bauliche Erweiterung.

Die Straßennamen in Emden haben sich, wie in anderen Orten auch, geändert. Die Große Osterstraße heißt jetzt Osterstraße. Und die Große Brückstraße hat ebenfalls den Zusatz eingebüßt. Die Grauferdstraße wurde in Stephanstraße umbenannt.

Für Emden war die Erfindung der Telegrafie ein Glücksfall. Und die exponierte Lage von Emden im Nordwesten des Landes an der Nordsee war Voraussetzung für die vielen zu verlegende Seekabel.

Kaiserliches Telegraphenamt, Inschrift über der obersten Fensterreihe, linker Anbau noch nicht vorhanden

Porträtbüste Heinrich von Stephan in Emden, auf einer Grünfläche zwischen Am Brauersgraben und Stephansstraße

„Am 15. April 1896 wurde das Stephans Denkmal in Emden feierlich enthüllt. Es steht auf dem Stephansplatz gegenüber dem Reichspostgebäude. Stifter des Denkmals sind Bürger der Stadt Emden und andere Verehrer des Staatssecretairs. Das Denkmal soll ein Zeichen der Dankbarkeit für die hohen Verdienste sein, welche sich der Begründer des Weltpostvereins besonders um das Aufblühen der Stadt Emden erworben hat, die es dem Staatssecretairs verdankt, daß sich durch ihre unterseeische Telegraphenverbindung eine an Bedeutung stetig wachsende Vermittlungsstelle des telegraphischen Weltverkehrs geworden ist.“

Im Erdgeschoß des Gebäudes befand sich das Postamt. In der 1. und 2. Etage war das Telegrafenamt untergebracht.

Der Erweiterungsbau des Post- und Telegraphenamtes in Emden, Ansicht Große Osterstraße, Postkarte mit Stempel vom 20. September 1911

Von Lambert Anneken, Quelle siehe unten, stammen die Beobachtungen aus den beginnenden 1930er Jahren. „Arbeitskittel und die zum Aufkleben der Telegramme benötigte Schere mußte sich jeder selbst kaufen. Nur die Farbstifte zur Markierung der verschiedenen Telegrammarten wurden geliefert, gegen schriftliches Anerkenntnis und mit der Mahnung sparsam mit dem Reichseigentum umzugehen. Die Arbeit im Betrieb erfolgte im Schichtdienst. In den Tagesstunden wurden der europäische Verkehr und der Verkehr von Europa nach Übersee abgewickelt. Gegen Abend setzte dann der Hauptverkehr aus Amerika ein, der erst gegen 4.00 Uhr morgens abebbte. Emden hatte den Ruf, das Telegraphenamt mit den kürzesten Laufzeiten und mit der geringsten Fehlerquote zu sein.“

Das Kaiserliche Post- und Telegraphenamt auf einer Postkarte vom 12. Februar 1912, über der obersten Fensterreihe Inschrift Kaiserliches Telegraphenamt, der linke Anbau steht

Der 2. Weltkrieg beeinflusste auch hier das Geschehen. Eine Luftmine traf im März 1941 den östlichen Teil des Gebäudes. Der Turm wurde im April 1941 abgebrochen, um feindlichen Flugzeugen kein Anflugziel zu bieten. Am 6. September 1944 brannte ein großer Teil des Gebäudes nach einem Bombenangriff aus und wurde zerstört.

Zerstörtes Post- und Telegraphenamt, Stephanstraße

Der Wiederaufbau der Gebäude, 1952

Das Fernmeldeamt Emden wurde am 9. März 1964 nach Leer verlegt. Damit hat das alte TA Emden, das erst seit 1952 die Bezeichnung Fernmeldeamt trug, nach 109 Jahren sein Ende gefunden.

Das Amt hatte erhebliche Bedeutung für die deutsche, europäische und die Weltwirtschaft. Viele Millionen Telegramme des Überseeverkehrs hatten in ihrer Leitwegangabe die Bezeichnung „via Emden“.

Mit der Privatisierung der Deutschen Bundespost im Rahmen der Postreform zum 1. Januar 1995 wurden die Fernmeldeämter aufgelöst.

Die Deutsche Post hat den Telegrammdienst zum Jahresende 2022 einstellt. 2018 hatte die Post bereits den Versand von Telegrammen ins Ausland eingestellt. Mit der Verbreitung des Telefons und mehr noch mit dem Aufkommen von Internet und Smartphones verlor das Telegramm an Bedeutung.

Im Mai 2024 werden die vorhandenen Gebäude von verschiedenen Firmen genutzt:

Straßenansicht Osterstraße

Rückseite Innenhof, über Brückstraße, ehemaliger Posthof

Ein Fernmeldeturm auf dem Gelände erinnert eher zufällig an die lange Geschichte des Telegraphenamts in Emden

Quellen:

  • Archiv für Post und Telegraphie, Nr. 9, 1879, Das neue Reichs-Post- und Telegraphengebäude in Emden
  • Archiv für Post und Telegraphie, Nr. 16 und 17, 1886, Emden und seine Telegraphenanstalten, Hofmeister
  • Archiv für Post und Telegraphie, Nr. 8, April 1896, Das Stephans Denkmal in Emden
  • Archiv für Post und Telegraphie, Nr. 9, Mai 1896, Das Stephans Denkmal in Emden, Nachtrag
  • Archiv für Post und Telegraphie, Nr. 19, 1902, S. 591-593, Die Besichtigung des Telegraphenamts Emden durch Se. Majestät den Kaiser
  • Bunkermuseum Emden, Aus den Aufzeichnungen des Telegraphenamtes Emden vom 6. September 1944 von Internetseite https://bunkermuseum.de/pdf/angriffe_emden/telegrafenamt_emden_6_september_1944.pdf, abgerufen am 11. Juni 2024
  • Geschichte des Telegraphenamtes Emden, Festschrift zum 100-jährigen Bestehen am 1. Januar 1955, Fritz Thole, Oberpostdirektion Bremen
  • Postgeschichtliche Blätter Weser-Ems, Das Telegraphenamt Emden 1855 – 1964, Hefte 10 und 12
  • Heiteres und Besinnliches aus meiner Zeit beim TA Emden, Lambert Anneken, Postgeschichtliche Blätter Weser-Ems, 1986
  • Fotos vom Autor, Mai 2024

Und ich danke Herrn Hans-Jürgen Hinrichs, Emden herzlich für die Unterstützung bei der Literatursuche und den Postkartenabbildungen.

Die technischen Besonderheiten des Telegraphendienstes sollten in diesem Artikel nicht beschrieben werden. Es würde den Ansatz dieses Blog sprengen. Wer sich für Überseekabel, telegraphische Depeschen, Morse Apparate, Streifensender, Dreitastenlocher oder Multiplex Verteiler interessiert, wird auch auf die obigen Quellen hingewiesen.

Ein Lesetipp zu einem anderen Emden Artikel: Emden-Außenhafen

Offene Fragen:

Läßt sich nachfolgender s/w Scan auch in Farbe belegen?

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R-Zettel Emden Tel, Unterscheidungsbuchstabe a

Lassen sich andere Fernmeldeämter oder Telegraphenämter im heutigen Niedersachsen mit Einschreibbriefen belegen? Beispielhaft in:

  • Braunschweig
  • Cuxhaven
  • Göttingen
  • Hannover
  • Hildesheim
  • Leer
  • Oldenburg
  • Osnabrück
  • Uelzen

Ich freue mich auf Ihre Zuschriften!

Siegel Kaiserliches Deutsches Telegraphenamt Emden

 

 

Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben

Eine Stadt, die unter diesem Namen nicht einmal sieben Jahre existierte.

Um diesen Käfer ging es. Auf der Tür die Abkürzung KdF.

Bitte beachten Sie, dass dieser Artikel Abbildungen aus dem Dritten Reich enthält.

Und bitte beachten Sie §86 und §86a Strafgesetzbuch. Sie versichern die Abbildungen aus der Zeit des III. Reiches nur zu Zwecken der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen, der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte oder ähnlichen Zwecken zu lesen oder weiter zu verarbeiten.

Bitte respektieren Sie diese Aufforderung!

Die Geschichte der Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben, von Wolfsburg und von Volkswagen ist dermaßen umfangreich, dass sie viele Meter Literatur in Bibliotheken füllt und einen Blog zur Postgeschichte von Niedersachsen sprengen würde.

Am 4. Oktober 1937 erließ die damalige Reichsregierung das Gesetz zur Neugestaltung deutscher Städte. Dieses Gesetz zielte auf den repräsentativen Umbau von zunächst vier Städten, die im Blick Hitlers lagen – die sog. Führerstädte München, Nürnberg, Berlin, Hamburg, sowie Linz nach der Annektion Österreichs. Auf Druck der Gauleiter wurden die meisten Gauhauptstädte einbezogen, als erste Stadt Weimar; schließlich das zukünftige Wolfsburg als neuer Industriestandort.

Am 26. Mai 1938 fand die feierliche Grundsteinlegung des Volkswagenwerkes statt. Mit Wirkung vom 1. Juli wird durch Erlass des Oberpräsidenten der Provinz Hannover die „Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben“ gegründet.

Sonderstempel, Grundsteinlegung des Volkswagenwerkes, 26. Mai 1938, Rothenfelde über Vorsfelde, Abbildung Volkswagen, DAF-Rad (Abzeichen der Deutschen Arbeitsfront)

Aus diesem Anlass wurden zwei fahrbare Postämter vor Ort eingesetzt.

Das Sonderpostamt und der oben abgebildete Sonderstempel wurden im Amtsblatt des Reichspostministeriums, Bekanntmachungen der Deutschen Reichspost, Nr. 60 am 24. Mai 1938 angekündigt

Text der Ankündigung: Rothenfelde über Vorsfelde: 2 Fahrbare Postämter, Grundsteinlegung des Volkswagenwerkes durch den Führer und Reichskanzler, 26. Mai 1938, Fußnote. Auch nehmen die Sonder-PÄ Telegramme an und vermitteln Ferngespräche. Es werden auch die Sonderwertzeichen zum 30. Januar 1938 (6+4 Rpf, 12+ 8 Rpf, Postkarten 6 + 4 Rpf) abgegeben. Schriftliche Anträge auf Gefälligkeitsstempelungen – jedoch nur für die angegebenen Sondermarken – sind bis zum 31. Mai an die Versandstelle für Sammlermarken in Berlin W 30 zu richten. Beschreibung des Stempels: Rothenfelde über Vorsfelde, Grundsteinlegung des Volkswagenwerkes 26.5.1938 und das Bild des Volkswagens mit dem Zahnrad der Deutschen Arbeitsfront im Hintergrund.

Der KdF Wagen, der spätere VW Käfer von 1938…

mit dem typischen Brezelfenster (Rückfenster), unverkäuflicher Prototyp

Im Amtsblatt der Regierung zu Lüneburg wird am 9. Juli 1938 die Stadtgründung bekannt gemacht.

Das heute Wolfsburg wurde als Stadt des KdF.-Wagens bei Fallersleben 1938 gegründet. Gründungsanlass war die Entscheidung ein Automobilwerk und die dazu gehörende Stadt zu bauen. Dieses sollte strategisch gelegen auf der grünen Wiese passieren. Vordergründig ging es um den Bau von KdF.-Wagen für fleißige Sparer zum festgesetzten Preis von 990 Reichsmark. In Wahrheit diente das Werk als Rüstungsbetrieb.

Was bedeutet KdF? Die nationalsozialistische Gemeinschaft Kraft durch Freude (KdF) wurde am 27. November 1933 als Unterorganisation der Deutschen Arbeitsfront (DAF) gegründet.

Poststempel Stadt des KdF.-Wagens bei Fallersleben, 6. September 1938, Unterscheidungsbuchstabe C

Die Aller-Zeitung berichtet am 4. November 1938 vom „Der Postdienst in der Stadt des KdF.-Wagens“:

Auszüge aus dem abgebildeten Zeitungsartikel:

„Der ständige Berichterstatter des NS-Gaudienstes Ost-Hannover beim Volkswagenwerk gibt uns folgenden Bericht: …Äußerlich unterscheidet sich das Postamt der Stadt des KdF.-Wagens im Gemeinschaftslager nur durch das Schild „Deutsche Reichspost“, den Briefkasten, den Marken- und Wertzeichengeber und den Postkraftwagen von den anderen Baracken…Das Postamt liegt im Mittelpunkt des Lagers…Das Postamt ist zuständig für das gesamte Stadtgebiet der Stadt des KdF.-Wagens, einschl. der Ortsteile Wolfsburg, Rothenfelde, Rothenhof und Heßlingen…Sechs Schalter liegen hier nebeneinander…Postamt gehört seit 1. September 1938 zur RPD (Reichspostdirektion) Hannover…eigene Verzollungsstelle für Auslandspakete…33700 Briefsendungen und Postkarten ins Inland und 25100 Sendungen ins Ausland, monatlich…

Die R-Zettel der Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben unterscheiden sich durch die Schriftart, Schriftgröße, Unterscheidungsbuchstaben, Postamtsbezeichnung und durch die Anzahl der Zeilen:

R-Zettel zweizeilig, ohne Postamtsbezeichnung

R-Zettel dreizeilig, ohne Postamtsbezeichnung

R-Zettel zweizeilig, ohne Postamtsbezeichnung, Unterscheidungsbuchstabe a

R-Zettel zweizeilig, ohne Postamtsbezeichnung, Unterscheidungsbuchstabe b

R-Brief Stadt des KdF.-Wagens bei Fallersleben, Poststempel vom 15. August 1938, nach Münster

R-Zettel vom obigen Beleg, dreizeilig, ohne Postamtsbezeichnung

Am Montag, 18. Juli 1938 erhielt die damals gerade knapp drei Wochen alte Stadt ihr eigenes Postamt im Bereich der alten Dorfstelle Wellekamp, Rothehofer Straße / Ecke Clausewitzstraße.

In der neugegründeten „Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben“ war die Stellung des Postamtes besonders bedeutsam. Denn die Bevölkerung der neugegründeten Stadt setzte sich aus vielen Teilen Deutschlands zusammen. Der Briefverkehr war für die neuen Einwohner zumeist die einzige Möglichkeit, Kontakt zur Familie in der Heimat zu halten. Nachdem im September 1938 die ersten italienischen Arbeitskräfte in der Stadt angekommen waren und im Laufe des Krieges vermehrt ausländische Zwangsarbeiter in der Stadt und im Werk eingesetzt wurden, begann die Post als Kommunikationsmittel weiter an Bedeutung zu gewinnen. 

Das neue Postamt, 1939, Aufnahme von Fritz Heidrich

Das neue Postamt verfügte über sechs Schalter und befand sich in einer Baracke am Appellplatz des Gemeinschaftslagers. Der Aller-Zeitung zufolge unterschied es sich lediglich durch das Schild „Deutsche Reichspost“, den Briefkasten, den Marken- und Wertzeichengeber sowie den Postkraftwagen von den anderen Baracken, die das Erscheinungsbild der Stadt bis weit in die Nachkriegszeit prägen sollten.

Zuvor war der Postverkehr durch eine Zweigstelle des Postamtes Vorsfelde in Heßlingen abgewickelt worden.

Die Aller-Zeitung berichtet am 12. Juli 1939 über „Das neue Postamt eröffnet“:

„Das neue Postamt eröffnet. Das ansprechende Gebäude des neuen Postamtes, das gegenüber der Tullio-Cianetti-Halle liegt, hat am Montag seinen Betrieb eröffnet. Der gesamte Postbetrieb erfolgt jetzt hier und nicht mehr in der alten Postbaracke, die einem anderen Zweck zugeführt wird. Der große Schalterraum läßt eine reibungslose und schnelle Abfertigung zu. Die eine Seite dieses Raumes ist nur für Paketausgabe und -annahme eingerichtet. Die hinter dem Schalterraum liegenden großen freien Räume sind für den nötigen Postverwaltungsbetrieb eingerichtet. Nett und freundlich liegt der hell und bunt geputzte langgestreckte Bau neben der riesigen Halle. Einladend wirken die beiden am Eingang angebrachten Kandelaber.“

Die Stadt des KdF-Wagens war eine einzige Großbaustelle und bestand in ihren Anfängen im Wesentlichen aus Baracken:

Postkarte, Das deutsche Volkswagenwerk, Gemeinschaftslager

Die Postkarte ist im Juli 1942 abgestempelt worden, die Aufnahme also aus dem Jahr oder früher. Das Gemeinschaftslager ist als Barackenlager eingerichtet. Die Cianetti-Halle ist als höchstes Gebäude zu erkennen.

Tullio-Cianetti-Halle, Postkartenmotiv

Die Cianetti-Halle, eine Holzkonstruktion, wurde auch „Halle der Fünftausend“ genannt, was eine ungefähre Vorstellung von der Größe dieses Veranstaltungsortes mitten im Gemeinschaftslager geben mag. Sie war Veranstaltungsort für Konzerte, Theater, Kabarett, Kino, Sport und politische Kundgebungen.

(Anmerkung zu Tullio Cianetti: Italiener, 1899 bis 1976, Gewerkschaftsvertreter verhandelte 1937 als Präsident des italienischen Industriearbeiterverbandes mit Robert Ley, Leiter Deutsche Arbeitsfront DAF, über eine Entsendung von italienischen Facharbeitern in das Deutsche Reichsgebiet.)

Die Absenderangaben einzelner Belege sind ein eigenes Forschungsgebiet, beispielhaft: Gemeinschaftslager 8/6, Hafenlager Stuben 95 Barraque 7, Gemeinschaftslager Volkswagenwerk, (nur) 7/42, Gemeinschaftslager 21/56 oder Gemeinschaftslager 9/58.

R-Zettel zweizeilig, mit Postamtsbezeichnung 1, größere Schrift

R-Zettel zweizeilig, mit Postamtsbezeichnung 1, kleinere Schrift

R-Brief Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben 1, Poststempel vom 14. August 1944, Brief nach Wittingen, Nachnahme, Absender Gemeinschaft Deutscher Sammler e.V., Gau Ost-Hannover, Kreis Gifhorn, Ortsgruppe Stadt des KdF.-Wagens

R-Zettel vom obigen Beleg

R-Zettel zweizeilig, mit Postamtsbezeichnung 1, Unterscheidungsbuchstabe a

R-Zettel zweizeilig, mit Postamtsbezeichnung 1, Unterscheidungsbuchstabe b, Verwendung ca. 1942

R-Zettel zweizeilig, mit Postamtsbezeichnung 1, Unterscheidungsbuchstaben VW, Selbstbucher Volkswagenwerk

R-Brief Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben 1, Unterscheidungsbuchstaben VWW (Volks Wagen Werk), Absenderfreistempel vom 25. April 1944 Volkswagen-Werk GmbH, Selbstbucher

R-Zettel vom obigen Beleg

Absenderfreistempel vom obigen Beleg

Das Postaufkommen lag im November 1938 bereits bei etwa 2.000 Sendungen pro Tag – und dies obgleich die Stadt in jenen Tagen gerade einmal rund 5.500 Einwohner hatte, davon etwa 2.500 Italiener. Zum gleichen Zeitpunkt hatte die Post bereits mehr als 25.000 Auslandssendungen abgefertigt. Der Presseberichterstattung zufolge hätten die Postbeamten aus diesem Grund gar italienisch gelernt. Die Zustellung im Lager selbst erfolgte direkt an die Empfänger, und zwar zweimal am Vormittag und einmal in den Abendstunden. Pakete mussten jedoch direkt im Postamt, das über eine eigene Verzollungsstelle verfügte, abgeholt werden. Zudem existierten gesonderte Briefumschläge für deutsche und italienische Arbeiter. Auch den im Laufe des Krieges in die Siedlung am Mittellandkanal verschleppten Zwangsarbeitern war der Postverkehr mit ihren Angehörigen in der Heimat gestattet, solange Postverbindungen in die besetzten Gebiete bestanden. Allerdings unterlagen die Briefe der Zensur. 

Die Aller-Zeitung berichtet am 18. November 1939 vom „Dienst am Kunden“ in der Stadt des KdF.-Wagens:

„Stadt des KdF.-Wagens – Das Postamt übt Dienst am Kunden. Nachdem wir erst kürzlich davon berichtet hatten, daß im Vorraum des Postamtes Schließfächer eingerichtet worden sein, hat man jetzt auch zwei Telefonzellen dort geschaffen, in denen Münzfernsprecher angebracht sind. Die Fernsprecher sind auch während der Mittagsstunden zu benutzen. Es sei schließlich noch darauf hingewiesen, daß sich dort auch Markenautomaten befinden. Man sieht, daß unsere Reichspost vorbildlich bemüht ist, Dienst am Kunden zu üben.“

R-Zettel dreizeilig, mit Postamtsbezeichnung 1

R-Zettel dreizeilig, mit Postamtsbezeichnung 1, Unterscheidungsbuchstabe a

R-Brief Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben 1, Unterscheidungsbuchstaben a, Poststempel vom 23. April 1943 nach Laußig

R-Zettel vom obigen Beleg, dreizeilig, mit Postamtsbezeichnung 1

R-Zettel dreizeilig, mit Postamtsbezeichnung 1, Unterscheidungsbuchstabe a, Wort „des“ nicht ausgeschrieben

Die Aller-Zeitung berichtet am 5. September 1940 von der Eröffnung des Zweigpostamtes im Stadtteil Steimker Berg:

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Aller-Zeitung-5.9.40-Das-erste-Zweigpostamt-errichtet-Ausschnitt-1024x489.png

„Stadt des KdF.-Wagens. Das erste Zweigpostamt errichtet. Mit Wirkung zum 3. September wurde in der Stadt des KdF-Wagens ein neues Postamt als erstes Zweigpostamt am Steimker Berg, Alte Landstr. (Hausnr. 25), errichtet, das als Zweigpostamt der Stadt unterstellt ist. Im Zuge des Ausbaus wurde ein neuer Münzfernsprecher aufgestellt, und neue Briefkästen wurden in den einzelnen Stadtteilen angebracht. Das Personal wurde weiterhin insbesondere für die Zustellung vermehrt, so daß in der Brief- und Paketzustellung eine wesentliche Beschleunigung erreicht worden ist.“

R-Zettel zweizeilig, mit Postamtsbezeichnung 2, größere Schrift

R-Zettel zweizeilig, mit Postamtsbezeichnung 2, kleinere Schrift

Ein R-Zettel mit dem Unterscheidungsbuchstaben „a“ ist belegt (ohne Abbildung).

Angesichts des kriegsbedingten Mangels an Arbeitskräften stellte die Post im März 1943 erstmals auch vier Frauen als Postbotinnen ein und setzte sie im Zustell- und Bahnhofsdienst ein. Obwohl der Aufbau der als NS-Musterstadt geplanten „Stadt des KdF-Wagens“ voranschritt, erhielt das Postamt damit erneut einen provisorischen Bau. 

Stadtplanausschnitt Stadt des KdF.-Wagens, Stand Oktober 1941. Die Stadt ist südlich des Mittelkanals gebaut. (Das Werk nördlich des Kanals, nicht eingezeichnet) Die beiden Postämter sind eingetragen. Die Hauptpost oben links gegenüber der Cianetti-Halle Rothehofer Straße / Ecke Clausewitzstraße. Das Zweigpostamt im Stadtteil Steimkerberg, unten rechts auf der Karte, Alte Landstraße.

Paketkarten von Stadt des KdF.-Wagens bei Fallersleben mit dem Taxquadrat 1049 sind bekannt von den Postämter 1 und 2, und ohne Postamtsbezeichnung.

Das wahre Gesicht des KdF-Programms veranschaulicht folgendes: Ab 1938 sollte die Massenmotorisierung der deutschen Bevölkerung eingeleitet werden. Dazu wurden Sparkarten für den eigens entwickelten sehr günstigen Volkswagen ausgegeben. Keiner der 336.000 Besteller erhielt jedoch seinen Wagen, die Menschen finanzierten stattdessen mit ihren Spargroschen den Bau des „Kübelwagens“ für den Kriegseinsatz.

Die Stadtverordnetenversammlung von „Wolfsburg“ trat am 25. Mai 1945 zum ersten Mal zusammen und beschloss auf Drängen der Besatzungsmacht die Änderung des bisherigen Stadtnamens „Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben“ in „Wolfsburg“. Damit erhielt die Stadt ihren endgültigen Namen nach dem bereits 1302 urkundlich erwähnten Schloss Wolfsburg an der Aller.

Zum 1. Oktober 1951 wurde Wolfsburg kreisfreie Stadt und aus dem Landkreis Gifhorn „ausgekreist“.

Das Volkswagen Werk Wolfsburg, hinter den Bahngleisen und am Mittellandkanal, 2023

„Wolfsburgs Entwicklungsgeschichte ist vielleicht das bewegendste Beispiel dafür, das aus einem überaus fragwürdigen Beginn dennoch eine gute Sache werden kann. Der Volkswagen, ersonnen in der Zeit des bösen Deutschlands, wurde zum Symbol des guten.“ Zitat von Christoph Stölzl

Lesetipp:

In Niedersachsen gibt es zwei Städte mit vergleichsweise jungen Gründungsdaten. Neben Wolfsburg (1945) ist das die ca. 55 km entfernte, südlich gelegene Stadt Salzgitter (1942).

Etwas Buntes zum Abschluss des Artikels. Nicht nur viele Meter Literatur in Bibliotheken füllt das Thema KDF und VW. Auch in den unterschiedlichsten Ecken dieser Welt ist das Thema auf Briefmarken oder Belegen präsent:

Deutsches Reich, 17. Februar 1939, Internationale Automobil- und Motorrad-Ausstellung, Berlin, Volkswagen (KDF-Wagen), Michel Nr. 688

Der komplette Briefmarkensatz (Michel Nr. 686-688) mit 6+4 Pf., 12+8 Pf. und obiger 25+10 Pf. wurde in Berlin auf der Internationalen Automobil- und Motorrad-Ausstellung, in Mengen von bis zu zwei ganzen Sätzen beschränkt auf eine Eintrittskarte zur Ausstellung (zu 1,- M) abgegeben. Abgabe nur beim Sonderpostamt vom 17. Februar bis 5. März und von besonderen Markenabgebern innerhalb der Ausstellung, sowie an den Kassen zur Ausstellung. Der Wert für das Auslandsporto zeigt den KdF-Wagen.

Bundesrepublik Deutschland, 5. Dezember 2002, Wohlfahrt, Oldtimer Mobile, VW Käfer 1949, Michel Nr. 2292, mit Bogenrand und Abbildung Käfer

Die folgenden Exemplare aus der Serie Laeders of the World sind angeblich auf Karibik Inseln herausgegeben worden. Vermutlich sind diese Marken nie auf den Inseln verwendet worden, sondern von einer Agentur für den Philamarkt geschaffen worden…, aber halt schöne Zeichnungen.

Nevis, 23. Oktober 1984, Volkswagen/Beetle 1947, Michel Nr. 198 und 199 (Nevis ist eine Insel in der Karibik mit ca. 11.500 Einwohnern)

Saint Lucia, 29. März 1985, KdF 1937, Michel Nr. 742 und 743 (Saint Lucia ist eine Insel in der Karibik mit etwa 184.000 Bewohnern)

Quellen:

  • Die Wolfsburg Saga, Konrad Theiss Verlag GmbH, Stuttgart, 2008
  • „Der Postdienst in der Stadt des KdF-Wagens“, Aller Zeitung vom 4. November 1938
  • „Das neue Postamt eröffnet“, Aller-Zeitung vom 12. Juli 1939
  • „Das Postamt übt Dienst am Kunden“, Aller-Zeitung vom 19. November 1939
  • „Das erste Zweigpostamt errichtet“, Aller-Zeitung vom 5. September 1940
  • Stadt Wolfsburg, Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation, Goethestr. 10a, 38440 Wolfsburg, https://www.wolfsburg.de/newsroom/2018/04/25/08/22/gemeinschaftslager-postamt und Zeitschrift „Das Archiv“, Zeitung für Wolfsburger Stadtgeschichte
  • Arbeitskreis Zukunft braucht Erinnerung, Choriner Str. 23, 10435 Berlin, https://www.zukunft-braucht-erinnerung.de – abgerufen am 7.2.2022
  • Katalog 1. Ost-Niedersächsische Briefmarkenausstellung in der Volkswagenstadt Wolfsburg, 5. bis 7. November 1966, Kulturzentrum
  • Katalog Wolfsburger Postwertzeichenausstellung, 20. bis 27. Mai 1973, Bürgerhalle im Wolfsburger Rathaus, Die Entwicklung des Postwesens im Raum der Volkswagenstadt, Herbert Engelmann
  • Katalog Landesausstellung Rang 2, Jubiläumsaustellung in der Stadthalle Wolfsburg, 28. und 29. März 1987, Einschreibezettel deutscher Automobilwerke, Wilhelm Bergmann und die Geschichte des Postwesens im heutigen Wolfsburger Raum, Ursula Rumpf
  • Fotos vom Autor September 2017, Juli 2023

Amt Delmenhorst

Der Zusatz „Amt“ vor der Ortsbezeichnung macht neugierig.

Das Amt Delmenhorst war ab 1814 ein Verwaltungsbezirk des Großherzogtums Oldenburg und des späteren Freistaats Oldenburg.

Die Bezeichnung Amt war gleichzusetzen mit der eines Landkreises.

Das Amt Delmenhorst wurde 1814 gegründet und ging 1932 weitestgehend im Amt Oldenburg, dem späteren Landkreis Oldenburg auf.

Zum Amt Delmenhorst gehörten, teils temporär:

  • Altenesch
  • Delmenhorst (ab 1855 zur Stadt Delmenhorst)
  • Ganderkesee (ab 1858)
  • Hasbergen (ab 1858)
  • Hude (ab 1858)
  • Schönemoor
  • Stuhr

R-Brief Ganderkesee (Amt Delmenhorst), Poststempel vom 1. Dezember 1941, an das Arbeitsamt in Bremen

R-Zettel Ganderkesee (Amt Delmenhorst), vom obigen Beleg

R-Brief Ganderkesee, Poststempel 19. März 1920 nach Vechta. Dieser R-Zettel mit dem Zusatz Amt Delmenhorst ist ganzseitig gezähnt und weist einen Setzfehler auf: Gandersee statt Ganderkesee.

R-Zettel vom obigen Beleg

R-Brief Grüppenbühren (Amt Delmenhorst) nach Hude, Poststempel vom 21. Juni 1926

R-Zettel Grüppenbühren (Amt Delmenhorst), vom obigen Beleg

R-Brief Grüppenbühren (Amt Delmenhorst) nach Lübeck, Poststempel vom 28. Oktober 1935

R-Zettel Grüppenbühren (Amt Delmenhorst), vom obigen Beleg

Grüppenbühren ist ein Ortsteil von Ganderkesee.

Die R-Zettel wurden auch nach dem Übergang zum Landkreis Oldenburg 1933 weiterverwendet bzw. aufgebraucht.

Delmenhorst und das frühere Amt liegen in direkter Nachbarschaft westlich von Bremen.

Frage:

Kennen Sie weitere R-Zettel mit dem Zusatz Amt Delmenhorst? Über einen Scan würde ich mich sehr freuen!

Die „Braune Messe“ in Oldenburg (Oldb.)

Sonderstempel und Sonderpostämter in der Zeit vom 30. Januar 1933 bis zum 8. Mai 1945 sind unter dem Einfluss der Nationalsozialisten zu sehen.

Bitte beachten Sie, dass dieser Artikel Abbildungen und Propaganda aus dem Dritten Reich enthält.

Und bitte beachten Sie §86 und §86a Strafgesetzbuch. Sie versichern die Abbildungen aus der Zeit des III. Reiches nur zu Zwecken der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen, der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte oder ähnlichen Zwecken zu lesen oder weiter zu verarbeiten.

Was war eine Braune Messe?

Der Nationalsozialistische Kampfbund für den gewerblichen Mittelstand, der im August 1933 in die Nationalsozialistische Handwerks-, Handels- und Gewerbeorganisation (NS-HAGO) überführt wurde, hatte das offizielle Ziel den Mittelstand zu stärken.

Zu diesem Zweck organisierte die Organisation Boykottaktionen gegen jüdische Warenhäuser und Großunternehmen.

Die Braunen Messen waren propagandistisch vorbereitete Leistungsschauen der regionalen nichtjüdischen Wirtschaft auf Gau-Ebene. Sie dienten nicht nur dem Aufschwung des wirtschaftlichen Handels, sondern auch dem organisierten Kampf gegen jüdische Geschäfte und Händler, die von einer Teilnahme ausgeschlossen waren und die im Rahmen dieser vielerorts stattfindenden Braunen Messen diffamiert wurden, indem behauptet wurde, dass Juden ihre Kunden betrügen würden und wer bei einem Juden kaufe, dem deutschen Händler und damit Deutschland schade.

Wundern Sie sich, warum die Stadt die amtliche Bezeichnung „Oldenburg (Oldb)“ als Abkürzung für „Oldenburg in Oldenburg“ führt? Als ehemalige Hauptstadt des Landes Oldenburg soll so eine Unterscheidung zu Oldenburg in Schleswig-Holstein erfolgen.

In Oldenburg (Oldb) wurde die Braune Messe vom 15. bis 23. September 1934 veranstaltet:

R-Brief vom 20. September 1934, R-Zettel Oldenburg (Oldb.) 2 mit Stempel Oldenburg (Oldb) Braune Messe. Poststempel mit Zusatz Braune Messe, Brief nach Görlitz mit Luftpost Par Avion

R-Zettel vom obigen Beleg

Das Postamt Braune Messe, Deutsche Woche, Oldenburg 15.-23. September 1934 (Quelle: Stadtmuseum Oldenburg, Foto von Heinz Besser)

Das Amtsblatt des Reichpostministeriums gibt bekannt:

Im Amtsblatt des Reichspostministeriums, den Bekanntmachungen der Deutsches Reichspost, Ausgabe 77 vom 31. August 1934 wird u.a. die Einrichtung einer Sonderpostanstalt in Oldenburg bekanntgegeben.

Bekanntmachung Nr. 1386/1934. Einrichtung einer Sonderpostanstalt in Oldenburg (Oldb). Aus Anlaß der Braunen Messe 1934 in Oldenburg (Oldb) wird auf dem Messegelände daselbst für die Zeit vom 15. bis 23. September eine PAnst als ZwPA (Zweigpostamt) eingerichtet, die einen Aufgabestempel mit der Inschrift „Oldenburg (Oldb) Braune Messe“ verwendet. Sie befaßt sich mit dem Verkauf von Postwertzeichen, der Annahme von Briefsendungen aller Art, Zahlkarten, Postanweisungen und Telegrammen, der Vermittlung von Gesprächen, der Ausgabe von postlagernden Briefsendungen und Telegrammen, die an die PAnst (Postanstalt) gerichtet sind, und der Auszahlung von Postreiseschecken und postlagernden Postanweisungen.

Welche Aussteller waren auf der Braunen Messe in Oldenburg auf dem Pferdemarkt vertreten?

  • Der Einzelhandel in den Hallen 1, 2 und 3 (Textilwaren, Reichsluftschutzbund, Automobile, Motorräder, Fahrräder, Lebensmittel- und Kolonialwarengeschäfte, Öfen, Bilder, Bücher, Puddings, Haushaltsgegenstände, Nähmaschinen, Büromöbel, Schreibmaschinen, Kaffee, Zigarren, lebende und tote Fische, Edelmost, Alkohol, Teppiche, Gardinen und Juwelierwaren – Anmerkung des Autors: Aufzählung in dieser ReihenfolgeDie Hallen waren Zelte) Zeichnungen von der Höheren Technischen Lehranstalt
  • Der Großhandel in einem besonderen Zelt
  • Deutsche Reichsbahn mit elektrischer Modellbahn, Model des modernen Verschiebebahnhofes in Osterburg (Stadtteil von Oldenburg), Fahrkartendrucker, Fahrzeug zur Beförderung eines vollen Güterwagens

Das fahrbare Anschlußgleis, das auf der anderen Seite des Pferdemarktes steht. Es ist ein technisches Wunder. Am Nachmittag wurde dieses Fahrzeug mit Musik durch Straßen Oldenburgs gefahren und man war erstaunt, wie wendig es sich durch die engen Straßen schlängelte, wie sicher und ruhig es fuhr, ohne jede Erschütterung.“ Zitat und Foto aus dem Jeversches Wochenblatt vom 18. September 1934:

  • Deutsche Reichspost mit Messe-Postamt und einem Stand in Zelt 5, als kleines Postamt im Hause. Mit Frankotyp Maschine, Briefwaagen und dem Telegraphie- und Fernsprechwesen
  • Zelt 6 die N.S. Frauenschaft, N.S. Volkswohlfahrt
  • weiteres Zelt u.a. mit Reichsnährstand, der Bauer als Lebensquell des Volkes, Haushaltsschule Schloß Neuenburg, Landwirtschaftliche Haushaltungsschule Marienhain, Schau der Oldenburger Imkerschule
  • Zelt des Oldenburger Handwerks, u.a. mit einem Stand des Arbeitsamts
  • und viel Propaganda…. für wohl über 50.000 Besucher

Nicht nur in Oldenburg, sondern auch in anderen Städten im Deutschen Reich wurden Messen mit dem Namen „Braune Messe“ veranstaltet.

Einige dieser Veranstaltungen sind durch eine Sonderpostanstalt, einen Sonderstempel, einige nur durch Plakate, Abzeichen oder Vignetten dokumentiert:

  • Aalen (Württemberg), 10. bis 19. August 1934 NS-Verbraucherausstellung Braune Messe – Deutsche Woche
  • Alfeld, 17. bis 25. Juni 1934, Braune Messe – Deutsche Woche, Alfelder Festwoche verbunden mit Bezirkstierschau, Reit- und Fahrturnier
  • Bad Freienwalde, 3. bis 6. Dezember 1933, Braune Messe, organisiert von der Ortsgruppe der NS-HAGO
  • Bamberg, 28. Juli bis 12. August 1934, Oberfränkische Braune Messe und 3. bis 19. August 1935
  • Bremen, 9. bis 24. Juni 1934, Braune Hansa Messe
  • Breslau, 14. bis 22. Oktober 1933, Große Braune Landes-Messe Schlesien und 15. bis 23. September 1934 und 5. bis 13. Oktober 1935, Braune Herbstmesse – Deutsche Woche (Breslau heute Wrocław, Polen)
  • Beuthen OS, Oberschlesien, 9. bis 17. Mai 1936, Veranstalter Institut für deutsche Wirtschaftspropaganda, Berlin (Beuthen, heute Bytom, Polen)
  • Danzig, 1934, Braune Messe, 2. BMD, „Ich gab Arbeit“, Industrie, Handwerk, Handel, Gewerbe (Danzig, heute Gdańsk, Polen)
  • Dresden, 1933, Braune Messe, im Zeichen der Verbundenheit von Stadt und Land, Ausstellungspalast, unter zahlreicher Beteiligung von Vertretern der staatlichen und städtischen Behörden sowie der NSDAP
  • Duisburg-Hamborn, 15. bis 23. Oktober 1933, Besucht die 1. Braune Messe am Niederrhein
  • Essen, 15. September bis 7. Oktober 1934, Braune Messe Essen, Deutsche Arbeit im Deutschen Westen
  • Frankfurt, 1933 und 1934, Braune Messe, organisiert von NS-Hago mit entsprechendem Propagandaaufwand, Handwerk und andere mittelständische Branchen
  • Freiburg, 23. Juni bis 4. Juli 1934, 1. Oberbadische Braune Messe
  • Forst (Lausitz), 29. April bis 6. Mai 1934, Braune Landes- und Industrie-Messe – Deutsche Woche, Schützenplatz
  • Geislingen Stg., 1934 Braune Messe – Deutsche Woche (Stg. = Stuttgart)
  • Gera 16. bis 25. September 1934, Ostthüringer Braune Messe
  • Halle (Saale), 18. Mai bis 4. Juni 1935, Mitteldeutsche Braune Messe
  • Hamburg, 8. bis 25. September 1933, (300.000 Besucher) Braune Messe der NS-HAGO auf der Cap Polonio als Messeschiff, Kreuzfahrtschiff – wegen Weltwirtschaftskrise von 1931 bis 1933 nicht in Betrieb

Luxus-Passagierschiff Cap Polonio, 1914-1935

  • Hannover, 23. November bis 3. Dezember 1933, Braune Messe, Stadthalle, mit Ehrenhof des Deutschen Handwerks, Wertvolle Trachtenschau, SA-Konzerte
  • Hof, 19. bis 27. September 1936, Oberfränkische Braune Messe
  • Karlsruhe, 15. September bis 1. Oktober 1934, 2. N.S. Grenzland Werbemesse, Braune Messe – Deutsche Woche
  • Kiel, 27. September bis 8. Oktober 1934, Braune Messe – Deutsche Woche Kiel
  • Köln, 1. bis 10. Juli 1934, Ausstellung Braune Messe – Deutsche Woche, (Sonderpostamt 29. Juni bis 11. Juli 1934), Schwimmende Braune Messe am Rhein (vermutlich Köln)
  • Kolberg, 16. bis 27. Mai 1934?, Besucht die Braune Messe an der Ostsee (Kolberg, heute Kołobrzeg, Polen)
  • Köthen Anh., 8. bis 15. April 1934, Braune Messe
  • Landau Pfalz, 19. bis 28. Oktober 1935, 2. Südpfälzische Braune Herbst-Messe, wann fand die 1. Messe statt?
  • Leer Ostfriesland, 24. August bis 1. September 1935, Braune Messe
  • Leipzig, Herbst 1933, Braune Großmesse
  • Limburg an der Lahn, 11. bis 19. Mai 1935, Braune Messe
  • Lörrach, 10. bis 18. Ausgust 1935, 2. Braune Grenzland Messe, wann fand die 1. Messe statt?
  • Luckenwalde, 11. bis 15. Oktober 1934 oder 1935?, Besucht die Braune Werbe-Messe für Luckenwalde
  • Magdeburg, 1. bis 31. Mai 1934, Besucht die Braune Messe Deutsche Woche Revolutionsschau
  • Mannheim, Ausstellung Braune Messe, 8. April bis 13. Mai 1934
  • Meppen, 3. bis 10. Juni 1934, Braune Messe, Emslandmesse
  • Minden, 1934, Braune Messe
  • Neubrandenburg, 1933, Braune Messe – Große mecklenburgische Landesmesse

Sonderstempel Oldenburg (Oldb) Braune Messe vom 21. September 1934

  • Oldenburg, 15. bis 23. September 1934, Ausstellung Braune Messe
  • Osnabrück, 1933 Gebietsaufmarsch Braune Messe (94.000 Besucher) und 21. September bis 3. Oktober 1935 Braune Messe
  • Siegen, 1933, Jahrhundertfeier, Braune Messe, Deutsche Woche, 5. Ausstellung des Kultur- und Gewerbevereins des Kreises Siegen 1833 -1933 und 2. Braune Messe des Siegerlandes, 26. September bis 6. Oktober 1935 in Siegen-Eintracht
  • Stettin, 29. September bis 8. Oktober 1933, Besucht und beschickt die große Braune Messe (Stettin, heute Szczecin, Polen)
  • Straubing, Jahr bisher unbekannt, Volksfest Straubing, Fest der Ostmark, Verbraucherausstellung (das Volksfest wurde zu Propagandazwecken missbraucht, wie wohl alle andere Messeplätze auch)
  • Stuttgart, 1934, II. Braune Messe – Deutsche Woche
  • Torgau, 23. bis 30. Juni 1935, Veranstalter Institut für deutsche Wirtschaftspropaganda, Berlin
  • Waldenburg, 30. März bis 7. April 1934, Braune Messe, „Ich gab Arbeit“ (Waldenburg, heute Wałbrzych, Polen)
  • Weimar, 30. März bis 7. April 1935, Veranstalter Institut für deutsche Wirtschaftspropaganda, Berlin
  • Wilhelmshaven-Rüstringen, 7. is 15. April 1934, Braune Messe – Deutsche Messe
  • Worms am Rhein, 4. bis 12. November 1933, Braune Messe
  • Würzburg, 9. bis 21. Mai 1934, Fränkische Braune Messe

Vermutlich ist diese Aufstellung nicht vollständig. Philatelistische Nachträge sind erwünscht.

Quellen:

  • Deutsche Digitale Bibliothek, https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de
  • Landesbibliothek Oldenburg – Jeversches Wochenblatt, 22. 2., 13.7., 11.9., 12.9., 18.9. alle 1934
  • Landesbibliothek Oldenburg, Sammlung Regionalliteratur
  • Die Sonderpostämter der Deutschen Reichspost 1933 – 1945, nach den Amtsblättern des Reichspostministeriums, Band 1. 1933 – 39, Sonderheft Arbeitsgemeinschaft R- und V-Zettel e.V., Wolfgang Reck und Dr. Friedrich W. Schembra, 1995
  • ein besonderer Dank geht an Herrn Tillenburg vom Stadtmuseum Oldenburg,
  • Fotos vom Autor September 2024,
  • Foto: Stadtmuseum Oldenburg, Heinz Besser

Informativ:

  • Zeitungen 1934 in Oldenburg: Oldenburger Nachrichten und Oldenburgische Staatszeitung, Gau Weser-Ems
  • Fotos vom Pferdemarkt in der Neuzeit:

Gezeichnete Darstellung von der Lage des Pferdemarkts 2024 in Oldenburg, zwischen Landesbibliothek, Rathaus und Standesamt (Oldenburg-Info im Lappan)

 

Der Pferdemarkt 90 Jahre später, im September 2024, Parkplatz und auch Wochenmarkt, rechts Rathaus, gegenüber Standesamt

Offene Fragen:

  • Gibt es einen archivierten Ausstellungführer, Ausstellungskatalog, Ausstellungsflugblatt etc. von der Messe in Oldenburg 1934?

Böckwitz und Zicherie, ein geteiltes Dorf!

Seit Generationen gehören Zicherie und Böckwitz zusammen. Enge verwandtschaftliche Beziehungen verbinden die Bewohner. Die Zicherier Kinder besuchten die Schule im Dorfteil Böckwitz.

Und dann kam der Krieg und nach 1945 die Aufteilung der Dörfer in die britische und sowjetische Zone. Am 11. April 1945 besetzten die Amerikaner Zicherie. Später gab es eine Übergabe an das britische Militär. Im Juli 1945 wurde die Straße, die beide Dorfteile verbindet mit Stacheldraht gesperrt. Bis 1957 trennte diese Straße eine hohe Bretterwand. Und ab 1961 erfolgte die Befestigung der innerdeutschen Grenze.

Böckwitz liegt in Sachsen-Anhalt, Landkreis Salzwedel, früher Königreich Preußen.

Zicherie liegt in Niedersachsen, Landkreis Gifhorn, früher Königreich Hannover.

Ein Kartenausschnitt dokumentiert die Lage und das Schicksal von Zicherie und Böckwitz. Die senkrecht markierte Linie zeichnet die innerdeutsche Grenze bis 1989.

Eine Entfernungsangabe zwischen den beiden Dörfern verbietet sich. Sie sind nicht einmal einen Steinwurf voneinander entfernt. Ca. 25 km nördlich von Wolfsburg liegen diese beiden Orte.

Böckwitz 139 Einwohner (Stand 31. Dezember 2018).

Ein Poststellen-II-Stempel aus Böckwitz, Kr Klötze, ca. 1964

Die Briefmarken des Beleges wurden anschließend in Klötze /Altmark abgestempelt.

In Böckwitz war es zu DDR-Zeiten der (Einkaufsladen) Konsum gleichzeitig die Poststelle. (Adresse ehem. Hauptstr., jetzt Zicherieer Straße/ Im Rundling)

In Orten mit geringer Einwohnerzahl sind neben älteren Postdokumenten andere Schriften nützlich. Zitate aus dem Buch von Heinrich Thies, der die Post in Böckwitz (zwei Hinweise) oder Zicherie (eine Stelle) erwähnt:

  • „In die alte Böckwitzer Dorfschule zog die Post ein“ (Seite 53) (ohne Jahresangabe)

Alte Dorfschule in Böckwitz, Im Rundling

  • „Erika Lembke arbeitete jetzt vormittags in der Post und nachmittags in der Schweinemastanlage LPG“, Böckwitz ca. 1974, (Seite 142).

1958 wird in den Postverzeichnisse der Deutschen Bundespost eine Poststelle II 19 b Böckwitz/über Klötze (Altmark), Oberpostdirektion Magdeburg aufgeführt. 1990 hatte Böckwitz die Postleitzahl 3581 der Deutschen Post der DDR. Nach der Einführung der fünfstelligen Postleitzahl im gesamten Bundesgebiet lautet die Postleitzahl 38486.

Zicherie 288 Einwohner (Stand 31. Dezember 2019).

1958 wird in den Postverzeichnisse der Deutschen Bundespost eine Poststelle II 20 a Zicherie/über Wittingen, Oberpostdirektion Hannover aufgeführt.

Ein Poststellen-II-Stempel von 20 a Zicherie über Wittingen (Han), ca. 1960

Nach der Einführung der Postleitzahl in der Bundesrepublik wurde der Poststellen-II-Stempel 3121 Zicherie verwendet.

Der Beleg wurde 1962 anschließend in (20a) Wittingen (Hannover) abgestempelt.

Zicherie wurde am 1. März 1974 in den Flecken Brome eingemeindet und hieß postalisch 3127 Brome 2. Es gab in dieser Poststelle keine eigenen Einschreibezettel. Einschreiben wurden in Wittingen mit dem R-Zettel Wittingen-Land abgefertigt.

Nach der Einführung der fünfstelligen Postleitzahl im gesamten Bundesgebiet lautet die Postleitzahl von Zicherie 38465.

Schmerzhaft“ für den Autor sind die fehlenden Abbildungen von Einschreibzetteln dieser beiden Orte. Gab es sie überhaupt?

Hilfsweise bezeugen Poststellen-II-Stempel (umgangssprachlich Landpoststempel) die Existenz der Post im Ort.

Die Poststellen waren in normal bewohnten Häusern untergebracht.

Für Zicherie ist die Poststellengeschichte dokumentiert. Am 1. August 1954 wurde eine Poststelle eingerichtet. Zuständig war das Leitpostamt Wittingen. Auch die Namen der früheren Posthalter sind bekannt:

  • 01.08.54-31.08.62 Heinrich Schulze, Gastwirt und Else Schulze, geb. Schulze.
  • 01.08.62-31.03.64 Heinz Niebuhr, Gastwirt, Böckwitzer Str. 15.

die ehem. Gastwirtschaft in der Böckwitzer Str. 15

  • 01.04.64-30.06.65 Annemarie Niebuhr geb. Reichel, Böckwitzer Str. 15.
  • 01.07.65-30.04.76 Irene Herde und Werner Herde, Bohrmeister, Vertreter.
  • 01.05.76-30.09.95 Gertrud Flegel, Drömlingsweg 5. Ab 1.10.1995 war die Poststelle aufgehoben. Die Poststelle war bereits seit einigen Monaten nicht mehr besetzt.
  • „In der Poststelle von Zicherie wurde das Begrüßungsgeld ausgezahlt: 100 D-Mark pro Person“ 1989 (Seite 219) (Zitat H. Thies)

Zwischen diesen beiden Luftbildern liegen Welten:

Böckwitz im Hintergrund, Zicherie im Vordergrund, die Grenze ist geschlossen, ca. 1984.

Böckwitz im Hintergrund, Zicherie im Vordergrund, die Grenze ist geöffnet!

Fotos von der Grenzöffnung zwischen Böckwitz und Zicherie mit Wachtturm, Mauer und Grenzstein 1989.

Grenzen zwischen Ländern wurden mit Grenzsteinen markiert, die gut sichtbar aus dem Boden ragten. Im Grenzmuseum in Böckwitz gibt es einen verkürzten Grenzstein, der einen Punkt zwischen dem Königreich Hannover (KH) und dem Königreich Preußen (KP) dokumentiert hat:

Seite K.H. für Königreich Hannover (bis 1866)

Seite K.P. für Königreich Preußen (bis 1918)

Die private Biber-Post aus Magdeburg legte anlässlich des Jahrestages „20 Jahre Mauerfall“ eine selbstklebende 0,45 € Briefmarke auf:

20 Jahre Mauerfall, BRD Zicherie – DDR Böckwitz, Beleg vom 24. Juli 2009

  • Weit ist der Weg nach Zicherie, die Geschichte eines geteilten Dorfes an der Deutsch-Deutschen Grenze, Heinrich Thies, Bastei Lübbe, Band 64223, 2007
  • Die Post im Altkreis Isenhagen, Heinrich Munk, Schriftenreihe des Landkreises Gifhorn, 2006
  • Der Grenzbereich Böckwitz/Zicherie 1945 – Besatzungszonenwechsel im Landkreis Wittingen, Klaus Hirschfeld, Arbeitsgemeinschaft Deutsche Notmaßnahmen, Rundbriefe 11-1998 und 55-2010
  • Der Grenzbereich Böckwitz/Zicherie 1945 – Besatzungszonenwechsel im Landkreis Wittingen, Klaus Hirschfeld, im Ausstellungskatalog zur „Multilateralen“ in Haldensleben, August 2014
  • YouTube Video, Tagesthemen ARD vom 6.11.2019, die etwa ersten 15 Minuten: https://www.youtube.com/watch?v=lC-uAYP2U4k
  • Grenzmuseum in 38486 Böckwitz, www.grenz-museum.de
  • Zicherie-das geteilte Dorf, Broschüre, vermutlich 1960er Jahre
  • Das Zonenrandhaus, Gemeinschaftswerk Zonenrandhäuser e.V., Wolfsburg, vermutlich 1960er Jahre
  • Zonenrandfahrt, Gemeinschaftswerk Zonenrandhäuser e.V., Wolfsburg, vermutlich 1960er Jahre
  • http://bromer-geschichte.de/category/zicherie/, Herr Jens Winter
  • Ortsverzeichnis I, Verzeichnis der Postämter und -amtsstellen sowie der Bahnhöfe der Eisenbahnen, der Schiffsanlegeplätze und Flughäfen im Deutschen Reich 1930 bis 1942 (ohne Einträge für Böckwitz und Zicherie)
  • Ortsverzeichnis I, Deutsche Bundespost, Teil A, Verzeichnis der Orte mit Postanstalten im Bereich der Deutschen Postverwaltungen, Ausgabe 1958, 1959, 1965 und 1968.
  • Postleitzahlen Verzeichnis DDR 1978
  • Fotos vom Autor, September 2021

Offene Frage:

Wenn es sie überhaupt gibt, könnten Sie mir bitte Kopien oder Originale von Einschreiben, Einschreibezetteln, R-Briefen oder R-Zetteln und Poststempeln aus dem Doppeldorf als Scan oder Original zur Verfügung stellen?

Fotos verwende ich grundsätzlich mit Quellenangabe. Bei den beiden Luftaufnahmen bin ich bisher nicht erfolgreich gewesen. Beide Fotos habe ich auf einer Website des Norddeutschen Rundfunks entdeckt. Aber weder der NDR, noch das Grenzlandmuseum in Böckwitz, noch der Bundesgrenzschutz (BGS), heute Bundespolizei konnten mir weiterhelfen. Sollten Sie die Bildrechte besitzen, darf ich Sie freundlich bitten, sich mit mir in Verbindung zu setzten. Danke!

Eine Bilder-Reise mit Briefmarken durch Niedersachsen – 75. Geburtstag

Niedersachsen zum 75. Geburtstag!

Niedersachsen wurde am 1. November 1946, mit der Landeshauptstadt Hannover, gegründet.

Das Bundesland entstand durch den Zusammenschluss des damaligen Landes Hannover und der Freistaaten Braunschweig, Oldenburg und Schaumburg-Lippe.

Die Gründung erfolgte unter Aufsicht der britischen Militärregierung.

Wie kann man Niedersachsen mit Briefmarken und den passenden R-Zetteln darstellen?

Welche Orte wurden stark gewürdigt, welche Orte fehlen?

Welche Persönlichkeiten haben im heutigen Niedersachsen ihre Spuren hinterlassen, sind hier geboren oder gestorben? Welche Veranstaltungen sind in dem Bundesland durch Briefmarken dokumentiert worden? Welche Briefmarken thematisieren Geschichte und Kultur?

Die begleitenden R-Zettel stammen aus der Periode der Rautenausgabe mit Amtskennzeichen (AKZ) für die Bundesrepublik Deutschland aus den Jahren 1956 bis 1964.

Eine Spurensuche mit dem Michel-Katalog. Welche Briefmarken der Bundesrepublik würdigen dieses Bundesland zwischen dem 1. November 1946 und dem 31. Oktober 2021?

Die Orte sind alphabetisch geordnet.

Alfeld:

2. Oktober 2014, UNESCO-Welterbe, Fagus Werk, Schuhleistenfabrik, entworfen von Walter Gropius und Adolf Meyer, Architekten, Michel Nr. 3105

Bad Gandersheim:

25. Mai 1973, 1000. Todestag von Roswitha von Gandersheim, erste deutsche Dichterin, verstorben 973 in Gandersheim, Abbildung Romanisch verzierter Letter R, Michel Nr. 770

Bad Nenndorf:

21. September 1970, Freiwillige Hilfsdienste, Rettung eines Ertrinkenden, Deutsche Lebensrettungsgesellschaft, die Bundesgeschäftsstelle der DLRG hat ihren Sitz in Bad Nenndorf, Michel Nr. 634

9. Oktober 2003, Dienst am Nächsten: Deutsche Lebensrettungsgesellschaft, DLRG-Mitarbeiter beobachten Wasseroberfläche, die Bundesgeschäftsstelle der DLRG hat ihren Sitz in Bad Nenndorf, Michel Nr. 2367

Baltrum:

siehe Alfeld, Architekt Adolf Meyer, gestorben 1929 auf Baltrum.

Bergen, Landkreis Celle:

17. Mai 1979, 50. Geburtstag von Anne Frank, KZ-Opfer, berühmt durch ihr Tagebuch, gestorben 1945 im KZ Bergen-Belsen, Michel Nr. 1013

5. Mai 1995, 50. Jahrestag der Befreiung der Gefangenen aus den Konzentrationslagern, u.a. KZ Bergen-Belsen, Abbildung Teil der KZ-Häftlings-Kleidung, Stacheldraht, Michel Block 32

Bodenwerder:

11. Mai 1970, 250. Geburtstag von Carl Friedrich Hieronymus Freiherr von Münchhausen, Illustration zur Geschichte „Das durchtrennte Pferd“, geboren und gestorben in Bodenwerder, Michel Nr. 623

7. Mai 2020, 300. Geburtstag von Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen, Münchhausens Ritt auf der Kananonenkugel nach einer Lithografie von August Levin von Wille, deutscher Maler, Michel Nr. 3546

Borkum:

12. Juli 2012, Leuchttürme, Kleiner Leuchtturm Borkum erbaut 1888/89, Michel Nr. 2942

Braunschweig:

23. Februar 1955, 100. Todestag von Carl Friedrich Gauß, Mathematiker, Astronom, Physiker, geboren 1777 in Braunschweig, gestorben 1855 in Göttingen, Michel Nr. 204

8. September 1959, Einweihung Beethovenhalle Bonn, Louis Spohr, Komponist, Geiger, Dirigent, 1784 in Braunschweig geboren, Michel Nr. 316 (in Block 2)

28. Juni 1962, Bedeutende Deutsche, Gotthold Ephraim Lessing, Dichter und Philosoph, gestorben 1781 in Braunschweig, Michel Nr. 355

15. Januar 1975, Bedeutende deutsche Frauen, Schriftstellerinnen, Ricarda Huch, 1864 in Braunschweig geboren, Michel Nr. 827

14. April 1977, 200. Geburtstag von Carl Friedrich Gauß, Mathematiker, Astronom, Physiker, Abbildung Gaußsche Zahlenebene, geboren 1777 in Braunschweig, gestorben 1855 in Göttingen, Michel Nr. 928

15. Februar 1990, Freimarke: Sehenswürdigkeiten, Löwenstandbild, Michel Nr. 1448

9. März 1995, 250 Jahre Technische Universität Carolo-Wilhelmina, Digitalisierter Braunschweiger Burglöwe, Michel Nr. 1783

(Den Namen Carolo-Wilhelmina hat die Uni von ihren Gründervätern, den Herzögen Carl und Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg bekommen)

6. Juli 1995, 800. Todestag von Heinrich dem Löwen, gestorben in Braunschweig 1195, Löwe, Teil eines Brakteaten, Michel Nr. 1805

(Brakteaten sind Münzen, die aus einem dünnen Metallblech einseitig und auf einer weichen Unterlage geprägt wurden, auch Hohlmünzen genannt)

3. Juli 2014, 150. Geburtstag von Ricarda Huch, Schriftstellerin, Dichterin, Philosophin und Historikerin, 1864 in Braunschweig geboren, Michel Nr. 3093

2. Januar 2017, Schätze aus deutschen Museen, Das Mädchen mit dem Weinglas, Gemälde von Jan Vermeer van Delft im Herzog Anton Ulrich Museum, Braunschweig, Michel Nr. 3274/3280

Bückeburg:

13. Oktober 1994, Wohlfahrt: Deutsche Trachten, Bückeburg (Niedersachsen), Michel Nr. 1757

Buxtehude:

20. Juni 1959, 1000 Jahre Buxtehude, Gebäude in Buxtehude, Michel Nr. 312

Celle:

6. November 1987, Freimarken: Sehenswürdigkeiten, Eckturm des Schlosses, Michel Nr. 1339

2. Mai 2002, 250. Geburtstag von Albrecht Daniel Thaer, Agronom, 1752 in Celle geboren, Michel Nr. 2255

Clausthal-Zellerfeld:

18. Februar 1982, 100. Jahrestag der Entdeckung des Tuberkulose-Erregers durch Robert Koch, Bakteriologe, Nobelpreis 1905, geboren 1843 in Clausthal, Michel Nr. 1122

3. November 2005, 100. Jahrestag der Verleihung des Nobelpreises an Robert Koch, Bakteriologe, Nobelpreis 1905, Mikroskop, geboren 1843 in Clausthal, Michel Nr. 2496

(Am Ende dieses Artikels ist die Nobelpreis Urkunde von Robert Koch abgebildet und eine kritische Textpassage aus dem Humboldt Forum, Berlin, ergänzt.)

Cuxhaven:

siehe Norderney, Kaiserlich Deutsche Post nach Helgoland-Norderney-Sylt

Dinklage:

22. März 1966, 20. Todestag von Kardinal Clemens August Graf Galen, geboren in Dinklage 1878, Michel Nr. 505

Duderstadt:

21. August 1984, 750 Jahre Rathaus Duderstadt, Michel Nr. 1222

Emden:

1. März 2017, Grußmarke, Bunter Gruß vom Ottifant, Zeichnung von Otto Waalkes, Komiker und Comiczeichner, geboren 1948 in Emden, Michel Nr. 3292/3295

Eschershausen:

13. August 1981, 150 Geburtstag von Wilhelm Raabe, Dichter und Erzähler, geboren in Eschershausen, gestorben in Braunschweig, Michel Nr. 1104

Friedland, Landkreis Göttingen:

12. Januar 1978, 20 Jahre Friedlandhilfe, Aussiedler mit Handgepäck, Michel Nr. 957

Gehrden:

13. Dezember 1966, 150. Geburtstag von Werner von Siemens, Ingenieur, Erfinder und Industrieller, geboren 1816 in Lenthe, Ortsteil von Gehrden, Michel Nr. 528

5. November 1992, 100. Todestag von Werner von Siemens, Ingenieur, Erfinder und Industrieller, geboren 1816 in Lenthe, Ortsteil von Gehrden, Michel Nr. 1642

Goslar:

12. Januar 1968, 1000 Jahre Harzer Bergbau, Erzkristalle; oben Bleiglanz, unten Zinkblende, in vielen Orten des Harzes im heutigen Niedersachsen und einigen Nachbarorten in Sachsen-Anhalt, Michel Nr. 547

15. September 1971, Fremdenverkehr, Stadtbild mit Kaiserpfalz und Harzbergen, Michel Nr. 704

15. Juli 1993, Bilder aus Deutschland, Harz (Goslar), Michel Nr. 1685

14. August 1996, 50. Todestag von Paul Lincke, Komponist, 1946 gestorben in Hahnenklee-Bockswiese, heute Ortsteil von Goslar, Michel Nr. 1876

13. April 2017, UNESCO-Welterbe, Bergwerk Rammelsberg, Altstadt von Goslar, Oberharzer Wasserwirtschaft, Zeche, Fachwerkhaus, Staudamm Michel Nr. 3299

Göttingen:

1. Oktober 1959, Helfer der Menschheit, Wilhelm und Jakob Grimm, Germanisten, Märchenforscher, Wohlfahrtsmarke, Michel Nr. 325

(Wilhelm und Jakob Grimm können neben Göttingen auch Hanau, Steinau an der Straße, Kassel und Berlin zugeordnet werden. Eine Reihe vom Grimms-Märchen ist auf Briefmarken der Bundesrepublik verewigt, u.a. Die Sterntaler 1959, Rotkäppchen 1960 und 2016, Hänsel und Gretel 1961, 2004 „Humperdinck“ und 2014, Schneewittchen und die sieben Zwerge 1962, Der Wolf und die sieben jungen Geißlein 1963 und 2020, Dornröschen 1964 und 2015, Aschenputtel 1965, Der Froschkönig 1966, 2012 und 2018, Frau Holle 1967 und 2021, Der gestiefelte Kater 1971, Die Bremer Stadtmusikanten 2017, Das tapfere Schneiderlein 2019)

14. August 1964, Fortschritt in Technik und Wissenschaft, 25 Jahre Kernspaltung, Atomreaktor im Betriebszustand, nach Otto Hahn, Chemiker, Nobelpreis 1944, gestorben 1968 in Göttingen, Michel Nr. 441

9. August 1979, Nobelpreisträger, Kernspaltung des Uran-Atoms, Otto Hahn, Chemiker, Nobelpreis 1944, verstorben 1968 in Göttingen, Michel Nr. 1020

12. August 1982, 100. Geburtstag von James Franck und Max Born, Physiker, Nobelpreise 1926 bzw. 1954, beide in Göttingen gestorben, James Franck 1964, Max Born 1970, Michel Nr. 1147

12. August 1982, 100. Todestag von Friedrich Wöhler, Chemiker, Model des Harnstoffmoleküls, Formel der Harnstoffsynthese, gestorben 1882 in Göttingen, Michel Nr. 1148

10. Januar 1985, 200. Geburtstag der Brüder Grimm, Wilhelm und Jacob Grimm, Germanisten, Märchenforscher, Wörterbuchmanuskript, Michel Nr. 1236

14. Juli 1988, 200. Geburtstag von Leopold Gmelin, Chemiker, geboren 1788 in Göttingen, Michel Nr. 1377

11. Juni 1992, 250. Geburtstag von Georg Christoph Lichtenberg, Physiker und Schriftsteller, gestorben 1799 in Göttingen, Michel Nr. 1616

5. Mai 1994, Europa: Entdeckungen und Erfindungen, Begründung der Quantentheorie durch Max Planck, Physiker, Nobelpreisträger, Darstellung der Schwarzkörperstrahlung, Planck starb 1947 in Göttingen, Michel Nr. 1733

5. Februar 1998, 50 Jahre Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V., Gründungsversammlung in Göttingen 1948, Röntgenbild vom Mond, Ionengitterstruktur und eingefärbter Nerv eines Goldfisches, Michel Nr. 1973

10. April 2008, 150. Geburtstag von Max Planck, Physiker, Nobelpreis 1918, 1947 in Göttingen gestorben, Michel Nr. 2658

10. November 2011, 150. Geburtstag von Emil Wiechert, Physiker und Seismologe, Wichert starb 1928 in Göttingen, Michel Nr. 2897

14. Juni 2012, 200 Jahre Grimms Märchen, Innentitel der Originalausgabe „Kinder- und Hausmärchen“ 1812 der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm, Germanisten und Märchenforscher, Michel Nr. 2938

2. November 2012, 175. Jahrestag der Entlassung und Ausweisung der Göttinger Sieben, Professoren der Universität Göttingen, die sich 1837 gegen die Außerkraftsetzung der Verfassung durch König Ernst August I. im Königreich Hannover stellten, Michel Nr. 2962

Hameln:

22. Mai 1978, Der Rattenfänger von Hameln, Kinder folgen dem Rattenfänger, Michel Nr. 972

3. Dezember 2020, Sagenhaftes Deutschland: Der Rattenfänger von Hameln, Flötenspieler lockt Ratten von Hameln fort, Michel Nr. 3578

Hannover:

22. Mai 1948, Exportmesse, Abwiegen der Waren, Alliierte Besetzung (Gemeinschaftsausgaben) – Michel Nr. 969 und 970

22. April 1949, Exportmesse, Stahlhofkaufmann Hermann Hillebrandt Wedigh von Hans Holbein d. J., Alliierte Besetzung (Amerikanische und Britische Zone) – Michel Nr. 103 bis 105, Block 1

25. Juli 1952, Tagung des Lutherischen Weltbundes, Hannover, Abbildung Martin Luther, Reformator, Holzschnitt von Lucas Cranach d. Ä., Michel Nr. 149

22. August 1962, Deutscher Katholikentag Hannover, Kreuz und zwei Gläubige, Motto: Glauben, Danken, Dienen, Michel Nr. 381

29. April 1964, Hauptstädte der Länder, Altes Rathaus, Michel Nr. 416

24. August 1966, 250. Todestag von Gottfried Wilhelm Leibniz, Philosoph und Universal-Gelehrter, gestorben in Hannover 1716, Michel Nr. 518

21. Juni 1967, Deutscher Evangelischer Kirchentag Hannover, Jerusalemkreuz, Allegorien aus dem Neuen Testament, Michel Nr. 536

8. Mai 1980, Europa: Bedeutende Persönlichkeiten, Gottfried Wilhelm Leibniz, Philosoph, Universal-Gelehrter, verstorben 1716 in Hannover, Michel Nr. 1050

15. April 1982, Jugend: Historische Kraftfahrzeuge, Hanomag-Kommißbrot 1925, Herstellung in Hannover (Redewendung: Ein Kilo Blech, ein Kilo Lack – und fertig ist der Hanomag!) Michel Nr. 1125

16. Juni 1982, Freimarken: Burgen und Schlösser, Schloss Herrenhausen, Michel Nr. 1143

13. November 1986, 100. Geburtstag von Mary Wigmann, Tänzerin, Choreographin und Tanzpädagogin, geboren 1886 in Hannover, Michel Nr. 1301

5. Mai 1987, 100. Geburtstag von Kurt Schwitters, „Ohne Namen mit frühem Portrait“, Collage von Schwitters, Maler und Schriftsteller, geboren 1887 in Hannover, Michel Nr. 1326

10. November 1988, Freimarke: Frau der deutschen Geschichte, Hannah Arendt, Philosophin, geboren 1906 in Linden, Stadtteil von Hannover, Michel Nr. 1391

8. Januar 1991, 750 Jahre Hannover, Stadtansicht (stilisiert), Michel Nr. 1491

16. Juli 1992, Welthauswirtschaftskongress in Hannover, Haus, Weltkugel, Michel Nr. 1620

15. Juli 1993, Wappen der Länder der Bundesrepublik Deutschland, Landeswappen Niedersachsen, Michel Nr. 1662

13. Juni 1996, 350. Geburtstag von Gottfried Wilhelm Leibniz, Mathematiker und Philosoph; Handschrift und Skizze, gestorben in Hannover 1716, Michel Nr. 1865

10. September 1998, Freimarke: Sehenswürdigkeiten, Emblem der Weltausstellung EXPO 2000 in Hannover, Michel Nr. 2009

27. April 1999, Weltausstellung EXPO 2000, Symbolische Darstellung des Zusammenwirkens von Mensch, Natur und Technik, Michel Nr. 2042/2112

10. Juni 1999, Jugend: Trickfilmfiguren, Twipsy, offizielle Maskottchen der EXPO 2000, Michel Nr. 2058

13. Januar 2000, Weltausstellung EXPO 2000, Menschliches Auge, EXPO-Emblem, Michel Nr. 2089

16. März 2000, Niedersächsischer Landtag, Michel Nr. 2104

8. Juni 2000, Jugend, Expo 2000 – Treffpunkt Jugend der Welt:

Jugendfestival, Michel Nr. 2117

Rucksacktourismus, Michel Nr. 2118

Afrika, Michel Nr. 2119

Auge des Buddha, Michel Nr. 2120

Chinesische Kalligraphie, Michel Nr. 2121

Melange, Michel Nr. 2122

14. August 2000, Weltausstellung EXPO 2000, Erde, Fingerabdruck, EXPO Emblem, Michel Nr. 2130

9. November 2000, Freimarken: Frauen der deutschen Geschichte, Grethe Weiser, Film- und Bühnenschauspielerin und Kabarettistin, 1903 in Hannover geboren, Michel Nr. 2149

6. Mai 2004, 100. Geburtstag von Reinhard Schwarz-Schilling, Komponist, Partitur, 1904 in Hannover geboren, Michel Nr. 2399

5. Oktober 2006, 100. Geburtstag von Hannah Arendt, deutsch-amerikanische politische Theoretikerin und Philosophin, geboren 1906 in Linden, Stadtteil von Hannover, Michel Nr. 2566

12. August 2010, 75. Jahrestag des Rekordfluges von Elly Beinhorn, Fliegerin, Flugzeug Messerschmidt Bf 108 beim 13,5 Stunden Flug Gleiwitz-Istanbul-Berlin 1935, Elly Beinhorn wurde 1907 in Hannover geboren, Michel Nr. 2814

13. Oktober 2011, In Deutschland zu Hause, Einfallsreichtum-Deutsche Erfindungen, Grammophon von Emil Berliner, geboren 1851 in Hannover, weitere Abbildungen: Tonbandgerät 1928 und MP3-Player 1987, Michel Nr. 2892

2. Mai 2013, Sporthilfe: Cartoons, Sprintmaus, Surfmaus, Barrenmaus, Zeichnungen von Uli Stein, eigentlich Ulrich Steinfurth, Cartoonist, geboren 1946 in Hannover, gestorben 2020 in der Wedemark, Region Hannover, Michel Nr. 3004 bis 3006

8. Mai 2014, Sporthilfe: Cartoons, Pokalmaus, Jubelmaus, Siegermaus, Zeichnungen von Uli Stein, eigentlich Ulrich Steinfurth, Cartoonist, geboren 1946 in Hannover, gestorben 2020 in der Wedemark, Region Hannover, Michel Nr. 3075 bis 3077

7. September 2017, 250. Geburtstag von August Wilhelm Schlegel, Schriftsteller und Literaturhistoriker, Buch, geboren 1767 in Hannover, Michel Nr. 3332

Hannoversch Münden:

10. November 1977, 250. Todestag von Dr. Johannes Andreas Eisenbarth, fahrender Wundarzt mit Markttand, Gehilfen, Patienten, gestorben 1727 in Hannoversch Münden, Michel Nr. 953

15. April 1993, 900 Jahre Benediktinerabteien Maria Laach und Bursfelde, Bursfelde ist eine Ortschaft von Hemeln, Stadtteil von Hann. Münden, Michel Nr. 1671

Hehlen, Landkreis Holzminden:

4. Juni 1991, Weltgaskongress, Berlin, Wilhelm August Lampadius, Mineraloge und Chemiker, geboren 1772 in Hehlen, Michel Nr. 1537

Hildesheim:

6. September 1960, 1000. Geburtstag der Bischöfe hl. Bernward und hl. Godehard, Bischofsinsignien über Michaeliskirche Hildesheim, Michel Nr. 336

13. Dezember 1966, Deutsche Bauwerke aus zwölf Jahrhunderten, Trinitatishospital, Michel Nr. 501

2. Juli 2001, Freimarke: Sehenswürdigkeiten, Rathaus, Hildesheim, Michel Nr. 2197

10. April 2008, 100. Geburtstag von Oskar Schindler, Fabrikant, Übersetzung der hebräischen Gravur auf dem Ring, den von ihm gerettete Juden Oskar Schindler zum Abschied schenkten, gestorben 1974 in Hildesheim, Michel Nr. 2680

2. Januar 2010, UNESCO-Welterbe, 1000 Jahre St. Michaelis Kirche, Michel Nr. 2774/2779

2. März 2015, 1200 Jahre Bistum Hildesheim, Großes Scheibenkreuz, 12. Jahrhundert, aus dem Hildesheimer Domschatz, Michel Nr. 3137

Kneitlingen, Landkreis Wolfenbüttel:

13. Januar 1977, Till Eulenspiegel, Schalksnarr, vier Szenen der Streiche aus dem gleichnamigen Volksbuch, geboren im Jahre 1300 in Kneitlingen am Elm, Michel Nr. 922

7. Juli 2011, 500 Jahre Till Eulenspiegel, Schalksnarr 14. Jahrhundert, geboren im Jahre 1300 in Kneitlingen am Elm, Michel Nr. 2880

(Auch die belgische Stadt Damme, Westflandern betrachtet sich als Geburtsort von Till Eulenspiegel. Leider liegt mir kein AKZ von Kneitlingen vor. Abgebildet ist ein Zweisteller, R-Zettel mit zweistelligem Numerator)

Krummhörn, Landkreis Aurich:

6. Juni 2019, Leuchttürme, Campen, erbaut 1889, höchster Leuchtturm in Deutschland, Michel Nr. 3465

(Campen wurde 1972 in die Gemeinde Krummhörn eingegliedert, anschließend postalisch Krummhörn 13. Leider liegt mir kein AKZ von Campen vor)

Leer:

9. Oktober 2008, Brauchtum und Tradition, 500 Jahre Gallimarkt in Leer, Historische Marktszene mit Viehhandel, Michel Nr. 2696

Lüneburg:

2. Mai 1956, 1000 Jahre Lüneburg, Mittelalterliche Bürgerhäuser, ältester Drehkran, Michel Nr. 230

28. August 1997, Bilder aus Deutschland, Lüneburger Heide, Lüneburg als Namensgeber, Michel Nr. 1944

Neuwerk, Insel in der Nordsee:

10. Juni 2010, Leuchttürme, Neuwerk erbaut 1300/10, Michel Nr. 2800

(Die Insel Neuwerk gehörte bis zum 30.9.1969 zu Niedersachsen, anschließend zu Hamburg. Leider liegt mir kein AKZ von Neuwerk vor.)

Norderney:

2. Juli 2009, Leuchttürme, Norderney erbaut 1875, Michel Nr. 2742/2875

9. September 2010, Tag der Briefmarke, Kaiserlich Deutsche Post nach Helgoland-Norderney-Sylt, Plakat von 1890 der Albert Ballin Dampfschiff Reederei, Michel Nr. 2819

Oldenburg:

15. Januar 1974, Bedeutende Frauen, Helene Lange, Gründerin des allgemeinen Deutschen Lehrerinnenvereins, 1848 in Oldenburg geboren, Michel Nr. 792

Osnabrück:

10. Januar 1980, 1200 Jahre Stadt und Bistum Osnabrück, Rathaus, Kirche St. Marien, Dom St. Peter, Michel Nr. 1035

12. März 1998, 350 Jahre Westfälischer Friede, Gesandte der am Friedensschluss beteiligten Mächte und Reichsstände, Münster und Osnabrück, Michel Nr. 1979

4. November 2004, Deutsche Malerei des 20. Jahrhunderts, Das Geheimnis von Felix Nussbaum, Maler und Graphiker, Felix Nussbaum wurde 1904 in Osnabrück geboren, Michel Nr. 2432

Ostercappeln, Landkreis Osnabrück:

12. März 1991, 100. Todestag von Ludwig Windthorst, Politiker, geboren 1812 in Ostercappeln, Michel Nr. 1510

Schladen, Landkreis Wolfenbüttel:

12. Februar 2009, 225. Geburtstag von Leo von Klenze, Ansicht der Propyläen in München, Gemälde von Leo von Klenze, Baumeister, Maler und Zeichner, 1784 in Schladen geboren, Michel Nr. 2719

Sögel, Landkreis Emsland:

12. Februar 1987, 250 Jahre Schloss Clemenswerth, Jagdschloss, Michel Nr. 1312

Spiekeroog:

1. Juli 2013, Wildes Deutschland, Niedersächsisches Wattenmeer, Priele auf Spiekeroog, Michel Nr. 3018

Springe, Region Hannover:

7. April 2004, 150 Jahre elektrische Glühlampe, Glühlampe von Heinrich Göbel, Optiker und Uhrmacher, Glühbirne, geboren 1818 in Springe, Michel Nr. 2395

Stade:

13. Januar 1994, 1000 Jahre Stade, Sehenswürdigkeiten der Altstadt, Michel Nr. 1709

Stadland, Landkreis Wesermarsch:

12. Januar 1995, Deutsche Malerei des 20. Jahrhunderts, Der Wasserturm in Bremen von Franz Radziwill, geboren 1895 in Strohausen/Rodenkirchen, Teil der Gemeinde Stadland, gestorben 1983 in Wilhelmshaven, Michel Nr. 1774

(Strohausen ist ein Ortsteil von Rodenkirchen und damit ein Teil der Gemeinde Stadland, später Stadland 1)

Trebel, Landkreis Lüchow-Dannenberg:

7. Oktober 2010, Fachwerkbauten in Deutschland, Niederdeutscher Fachwerkbau 1734 in Trebel-Dünsche, Michel Nr. 2824

Varel, Landkreis Friesland:

12. Januar 1995, Deutsche Malerei des 20. Jahrhunderts, Gutshof in Dangast von Karl Schmidt-Rottluff, Dangast ist ein Stadtteil von Varel, Michel Nr. 1776

Verden:

21. Februar 1985, 1000 Jahre Markt- und Münzrechte in Verden, Stadtansicht von Verden, Michel Nr. 1240

9. Juni 1997, Jugend: Pferderassen, Hannoveraner, Der Hauptsitz des Hannoveraner Verbandes ist in Verden, Michel Nr. 1924

Wangerooge:

7. Juni 2018, Leuchttürme, Neuer Leuchtturm Wangerooge, erbaut 1966, Michel Nr. 3392/3396

Walsrode:

5. Mai 1986, 1000 Jahre Walsrode und Kloster Walsrode, Ansicht von Walsrode mit Kloster, Michel Nr. 1280

Wennigsen, Region Hannover:

7. Februar 2002, 250. Geburtstag von Adolph Freiherr von Knigge, Schriftsteller, Titelseite des Buches „Über den Umgang mit Menschen“, 1752 in Bredenbeck, heute Wennigsen, geboren, Michel Nr. 2241

Wenzendorf, Landkreis Harburg:

8. September 2005, 100. Geburtstag von Max Schmeling, Boxweltmeister, 2005 in Wenzendorf gestorben, Michel Nr. 2489

Wiedensahl, Landkreis Schaumburg:

9. Januar 1958, 50. Todestag Wilhelm Busch, geboren 1832 in Wiedensahl, Michel Nr. 281 und 282

(Die Max und Moritz Geschichten von Wilhelm Busch sind auch auf Briefmarken 1990 und 2015 zu finden)

15. April 1982, 150 Geburtstag von Wilhelm Busch, Die fromme Helene, Zeichnung von Busch, Maler, Zeichner, Dichter, Michel Nr. 1129

9. August 2001, Lebenslanges Lernen, Lehrer Lämpel, Zeichnung und Zitat von Wilhelm Busch, Maler, Zeichner und Dichter, geboren 1832 in Wiedensahl, Michel Nr. 2209

14. Juni 2007, Blockausgabe: Jugend – 175 Geburtstag von Wilhelm Busch, Illustration zur Geschichte „Hans Huckebein, der Unglücksrabe von Wilhelm Busch, Maler, Zeichner und Dichter, geboren 1832 in Wiedensahl, Michel Nr. 2606 bis 2609, Block 71

Wilhelmshaven:

9. August 2007, Brücken: 100 Jahre Kaiser-Wilhelm-Brücke, Wilhelmshaven, Michel Nr. 2616

7. Juli 2011, Leuchttürme, Arngast erbaut 1910 im Jadebusen, Michel Nr. 2878/2935

Wolfsburg:

14. Februar 1980, Freimarke Burgen und Schlösser, Renaissance-Schloss Wolfsburg, Michel Nr. 1037

8. August 1991, 150 Jahre Deutschlandlied, August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, Dichter und Germanist: 3. Strophe des Deutschlandliedes, geboren 1798 in Fallersleben, heute Stadtteil von Wolfsburg, Michel Nr. 1555

5. Dezember 2002, Wohlfahrt, Oldtimer Mobile, VW Käfer 1949, Michel Nr. 2292, mit Bogenrand und Abbildung Käfer

6. Oktober 2016, 175 Jahre Deutschlandlied, 3. Strophe des Liedes der Deutschen von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, Dichter, Text der Nationalhymne, geboren 1798 in Fallersleben, heute Stadtteil von Wolfsburg, Michel Nr. 3263

13. April 2017, Klassische deutsche Automobile, VW Golf Serie 1, 1974-1983, Michel Nr. 3298/3301

Worpswede, Landkreis Osterholz:

14. April 1988, Freimarke: Frauen der Deutschen Geschichte, Paul Modersohn-Becker, Malerin, in Worpswede 1907 gestorben, Michel Nr. 1359

13. Juli 1989, 100 Jahre Künstlerdorf Worpswede, Der Sommerabend – Gemälde von Heinrich Vogeler, Michel Nr. 1430

3. Mai 1996, Europa: berühmte Frauen, Selbstportrait von Paula Modersohn-Becker, Malerin, in Worpswede 1907 gestorben, Michel Nr. 1854

Privatpost:

Die CITIPOST GmbH aus Hannover, ein privater Postdienstleister der Madsack-Mediengruppe legte zum 75. Geburtstag von Niedersachsen am 9. Juli 2021 einen Kleinbogen auf. Als Motiv wird die Karte von Niedersachsen abgebildet. Die Auflage von 1000 Exemplare gilt je Hintergrundfarbe Blau, Grün, Violett, Gelb und Orange:

Diese Briefmarken habe ich nicht berücksichtigt:

  • 1974: Fußballweltmeisterschaft der Männer in Deutschland, u.a. vier Spiele in Hannover, Torwartparade von Horst Wolter, damals unter Vertrag bei Eintracht Braunschweig, aber er stammt nicht aus Niedersachsen
  • 1988: Fußball Europameisterschaft in Deutschland, u.a. zwei Spiele in Hannover, Niedersachsenstadion
  • 1995: Wohlfahrt: Bauernhäuser in Deutschland, Michel Nr. 1822 Norddeutschland, ohne spezifische Ortsbezeichnung
  • 1997: Bilder aus Deutschland, Norddeutsche Moorlandschaft, ohne spezifische Ortsbezeichnung
  • 1999: Design in Deutschland, Magnetschwebebahn Transrapid im Emsland, ohne spezifische Ortsbezeichnung
  • 2003, 2005 und 2006, Sporthilfe: Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland, u.a. fünf Spiele in Hannover
  • 2004: Deutsche National- und Naturparks: Nationalparks im Wattenmeer, Priel im Watt, ohne spezifische Ortsbezeichnung
  • 2011: Fußballweltmeisterschaft der Frauen in Deutschland, u.a. vier Spiele in Wolfsburg
  • 2011: 150 Jahre Deutscher Industrie- und Handelskammertag, IHK-Standorte in Deutschland, u.a. Braunschweig, Emden, Hannover, Lüneburg, Oldenburg, Osnabrück, Stade
  • 2012: 125 Jahre Schmalspurbahnen im Harz, Michel 2910/2916, Bahnstrecke komplett in Sachsen-Anhalt
  • 2020: Naturschutzprojekt: Grünes Band Deutschland, Grüngürtel entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze, ohne spezifische Ortsbezeichnung

Welche Briefmarken der Bundesrepublik mit Bezug auf Niedersachsen habe ich übersehen? Von den 25 größten Orten des Bundeslandes haben Salzgitter, Delmenhorst, Garbsen, Lingen, Langenhagen, Nordhorn, Peine, Melle und Neustadt am Rübenberge bisher keine Würdigung auf Briefmarken erfahren. Sind keine verdienten Töchter oder Söhne der Stadt bekannt? Gibt es kein Stadtjubiläum zu feiern?

Nachsatz zu Robert Koch:

Nobelpreis für Physiologie oder Medizin, Urkunde für Robert Koch, 12. Oktober 1905, Stockholm

Aus der Beschreibung zur Urkunde vom Humboldt Forum:

„…Der Nobelpreis wird seit 1901 verliehen. Nach dem Willen seines Stifters wird er denen zuteil -die im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben-. Häufig vergeht wesentlich mehr Zeit. Robert Koch hatte den Tuberkulose-Erreger im Jahr 1882 identifiziert, 23 Jahre später erhielt er dafür den Nobelpreis.

Für die Forschung über Infektionskrankheiten war Kochs Arbeit wegweisend. Die Kultivierung und Beobachtung von Erregern im Labor ermöglicht Aufschlüsse über Ursachen, Ansteckungswege oder den Verlauf von Erkrankungen. Nach einer erfolgreichen Ursachsenforschung kann die Suche nach einer geeigneten Therapie aber langwierig sein. Wirksame Medikamente gegen die Tuberkulose gibt es erst seit den 1950er Jahren.

Kurz vor Verleihung des Nobelpreises hatte Koch eine Forschungsreise nach Afrika beendet. Im Jahr darauf brach er erneut auf. Er leitete eine Kommission des Deutschen Reichs zur Erforschung und Behandlung der Schlafkrankheit. Besonders viele Erkrankte gab es auf den Ssese-Inseln im Victoriasee (Uganda). Hier ließ Koch die Kranken in Lagern isolieren und experimentierte mit einer medikamentösen Therapie, in deren Folge viele Menschen erblindeten oder starben.

Die Forscher profitierten von kolonialen Strukturen. Sie waren überzeugt, einen bedeutenden Fortschritt erreichen zu können. Doch ihre Methoden basierten auf ihrer Machtposition als europäische Wissenschaftler und einer Haltung, die in den Erkrankten lediglich Versuchspersonen sah.…“

Quellen:

  • Michel Katalog Deutschland 2021/2022, Schwaneberger Verlag GmbH, Germering
  • Michel Rundschau, Schwaneberger Verlag GmbH, Germering, Ausgaben 2021 bis Michel Nr. 3635 und Erstausgaben bis 7. Oktober 2021
  • philatelie, Das Magazin des Bundes Deutscher Philatelisten, Ausgabe 530, August 2021, 75 Jahre Land Niedersachsen, Herbert Schumacher
  • Humboldt Forum, Berlin, Schloßplatz, Ausstellung „Nach der Natur“, Eröffnungsausstellung des Humboldt Labors, Oktober 2021

Welche Motive aus Niedersachsen werden wohl bis zum 80. Geburtstag am 1. November 2026 erscheinen?

Die Trillke-Werke in Hildesheim

Ein einzelner loser R-Zettel, kein Beleg dazu. Das Entziffern gelingt:

TRILLKE Hildesheim

R-Zettel Trillke Hildesheim, Ortsbezeichnung in Großbuchstaben

Auf zur Spurensuche.

Durch dieses Postformular des Einschreibezettels kann der Zeitraum der Verwendung geklärt werden. Die Produktion dieser Zettel begann nach Kriegsende 1945 und diese Variante wurde bis 1947 produziert.

Für die Trillke-Werke ist im Ortschaftsverzeichnis der Oberpostdirektionen (OPD) Hannover und Braunschweig, Stand Januar 1948, mit Berichtigungen zum Stand 9.10.1948 eine Posthilfsstelle „Trillkewerke Post Hildesheim“ verzeichnet.

Auszug aus Ortschaftsverzeichnis

Aufgeführte Orte ohne die entsprechende Symbolik für Poststelle I und Poststelle II waren Posthilfsstellen. Da es keine Statusänderung (Umwandlung in eine Poststelle I) gab, ist davon auszugehen, dass bei den Trillke-Werken durchgehend nur eine Posthilfsstelle bestand. Vermutlich handelt es sich hier um einen Selbstbucher R-Zettel der Werke.

(Nachrichtlich: Im Ortschaftsverzeichnis 1943 gibt es keinen Hinweis auf Trillke.)

Was verbirgt sich hinter Trillke?

Ein Blick in die damalige Situation: Mitte der 30er Jahre war die Robert Bosch GmbH, Stuttgart wirtschaftlich auf Erfolgskurs. Die Firma war Weltmarktführer für Anlasser, Lichtmaschinen, Einspritzpumpen und Magnetzünder und exportierte ca. 90 % seiner Waren ins Ausland.

1935 besaß Bosch Vertretungen in 51 Ländern und Fertigungen in Frankreich, USA, Großbritannien und Italien.

Auf Druck der nationalsozialistischen Machthaber gründete die Firma Bosch zwei Ausweichwerke: eines 1934 in Kleinmachnow, die „Dreilinden Maschinenbau GmbH“ für die Luftwaffe, das Ausweichwerk I (AW I).

Und ein weiteres Werk im Hildesheimer Stadtteil Neuhof, im Hildesheimer Wald 1937 (AW II) für das Oberkommando des Heeres. Die Produktionshallen beider Kriegsmusterbetriebe wurden in Wälder gebaut, um die kriegswichtigen Betriebe vor etwaigen Fliegerangriffen zu schützen.

An diesen Standorten wurde mit dem know-how von Bosch nur noch für das Militär u.a. für Kraftfahrzeuge und Panzer produziert.

Am 18. Dezember 1937 wurde die „Elektro- und Feinmechanische Industrie GmbH – ELFI“ in Hildesheim-Neuhof, Waldstr. 200 als heereseigener Industriebetrieb gegründet. Die Bezeichnung „ELFI“ konnte als Wortmarke nicht eingetragen werden, da bereits einige ähnliche Wortmarken in diesem Fertigungsgebiet vorhanden waren.

Am 23. Dezember 1942 wurde die Fima in „Trillke-Werke-GmbH“ umbenannt.

Briefkopf der Trillke-Werke

1952 wurde die Trillke Werke in eine Niederlassung der Robert Bosch GmbH Stuttgart, Werk Hildesheim, umgewandelt.

Der Begriff Trillke ist abgeleitet vom Flüsschen Trillkebach.

Trillkebach

Nach Trillke-Werke, Trillkebach verdient auch das Trillke-Gut eine kurze Erwähnung.

Das beeindruckende Gebäude vom Trillke Gut im Jahre 2021

Die Gründung des Trillke-Gutes geht zurück auf das Jahr 1155. Das Gut lag bis 1888 außerhalb der Hildesheimer Stadtgrenzen. Die Nutzung von Gebäuden und Gelände war im Laufe der Geschichte in der Steinbergstraße sehr unterschiedlich. Von Landwirtschaft, einer wirtschaftlichen Frauenschule, während des zweiten Weltkrieges ein chirurgisches Reserve-Lazarett, anschließend ein Flüchtlings- und Versorgungskrankenhaus, eine Tuberkulose Heilanstalt, die Nutzung durch das Studentenwerk bis zur Übernahme einer Bewohnerinnen-Genossenschaft reicht die Aufzählung der Nutzung.

Philatelistisch kann von einer Mitteilung vom 3. Juni 1925 des Postamtes im Hildesheimer Stadtteil Moritzberg berichtet werden. Dem Trillke-Gut wird ein öffentlicher Briefkasten zugestanden, „…wenn die Anlieger eine Vorkehrung zur Anbringung eines Briefkastens in Gestalt eines sicheren Pfahles oder Steinsockel schaffen“.

Das Trillke-Gut im Hildesheimer Stadtteil Moritzberg ist ca. 5 km vom Bosch-Werk im Hildesheimer Stadtteil Hildesheimer Wald entfernt.

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit Postgeschichte. Weitere Informationen zum Thema Bosch in Hildesheim, Zwangsarbeit im II. Weltkrieg, den nationalsozialistischen Machenschaften entnehmen Sie bitte den Hinweisen bei den nachfolgenden Quellenhinweisen.

Quellen:

  • Ortschaftsverzeichnis für die Bezirke der Reichspostdirektion (RPD) Hannover und Braunschweig, 1949, Seite 70
  • Hildesheimer Briefmarkensammler- Verein von 1913 e.V., Herr Dr. Ralf Prenzel
  • Herr Hans-Henning Mücke, Söhlde
  • Renaissance einer Kulturstadt, Hildesheim nach dem 2. Weltkrieg, Manfred Overesch, Georg Olms Verlag, 1998
  • Bosch in Hildesheim 1937-1945, Manfred Overesch, Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 2008
  • Trillke-Gut, Gesichter und Geschichte, Moritzberg Verlag, 2000
  • Robert Bosch GmbH, Historische Kommunikation, Bosch weltweit, Die Internationalisierung des Unternehmens, Dezember 2016
  • Berliner Geschichtswerkstatt e.V., Goltzstr. 49, 10781 Berlin, http://www.zwangsarbeit-bosch.de/firmengeschichte/elfitrillke-werke
  • Website von Hildesheimer Geschichte 815-1945, https://www.hildesheimer-geschichte.de/topografie/stadt-ortsteile/drispenstedt/hildesheimer-wald/
  • Fotos vom Autor Juni 2021

Das Geheimnis von Harbke – Operation Grenzkohle

Der Ort Harbke liegt im Westen von Sachsen-Anhalt, direkt an der Landesgrenze zu Niedersachsen, knapp 4 km von Helmstedt und ca. 50 km westlich von der Landeshauptstadt Magdeburg entfernt.

Der geheime Postrath Schottelius gibt bekannt…(*)

Diese Nähe zu Helmstedt führte 1879 (Vf. 13 vom 28.2.1879) zu der Einrichtung einer Postagentur in Harbke und einer Botenpost nach Harbke und zurück nach Helmstedt. Dieses erfolgte aus pragmatischer Sicht, ungeachtet von Kreis- oder Gemeindegrenzen.

R-Zettel Harbke, R – rechtsstehend, 4. April 1891, (*)

Poststempel Harbke b. Helmstedt vom 8. Oktober 1912

Kopie eines R-Zettels Harbke b. Helmstedt, Verwendung ca. 1922

R-Brief von Harbke über Helmstedt nach Berlin-Neukölln, Poststempel vom 22. März 1935, R-Zettel Harbke Helmstedt Land.

R-Zettel vom obigen Beleg

Zum Kriegsende 1945 trennte die Demarkationslinie die Poststellen I Beendorf und Harbke, sowie der Poststellen II Bartensleben (Ort und Gut), Döhren und Morsleben von der Helmstedter Postversorgung ab.

Solche Veränderungen in der Postorganisation hat es an vielen Stellen in Deutschland durch die Schaffung von Besatzungszonen, insbesondere der sowjetischen und der amerikanischen oder britischen Zone, gegeben.Der Ort

Der Ort Harbke gehörte ab dem 1.7.1945 zur Sowjetischen Besatzungszone. Der Wechsel der Postdirektionen von der (RPD) Reichs-Postdirektion Braunschweig zur (PD) Postdirektion Halle (Saale) wurde erst am 22.2.1946 vollzogen.

Die Demarkationslinie verlief zwischen der britischen und sowjetischen Besatzungszone weitgehend entsprechend den historischen Grenzen zwischen den ehemaligen Ländern Braunschweig und Preußen.

Aber in Harbke gab es eine wirtschaftliche Besonderheit, für die politische Dogmen über Bord geworfen wurden.

Durch die Braunschweigische Kohlen-Bergwerke AG (BKB), Helmstedt, erfolgte die Braunkohle-Förderung durch den Abbau in den umliegenden Tagebauen. Eines der ersten Kraftwerke Europas wird 1909 in Harbke erbaut. Und bis 1945 läuft der Betrieb auch reibungslos. Doch nach Ende des zweiten Weltkrieges ändert sich dieses schlagartig.

Im Zuge der exakten Grenzziehung zwischen den Besatzungszonen gab es beim Amt Neuhaus, im Harz und auch zu Harbke zu Gesprächen zwischen den Briten und den Russen:

Der Vorschlag die Stadt Harbke zur Britischen Zone zu nehmen, wurde fallen gelassen, als die Russen zustimmten, den notwendigen Strom aus dem Kraftwerk zu liefern. Ein Anteil von 75% der Produktion sollte der Britischen Zone überlassen werden. Die Britische Luftwaffe war mit ihren wachsenden Luftfahrt-Forschungsverpflichtungen am Stützpunkt Göttingen auf diese Energieversorgung angewiesen.

Direkt durch das Betriebsgelände verläuft jetzt die Grenze zwischen Ost und West, zwischen britischer und sowjetischer Besatzungszone. Es ist zugleich der Beginn einer einzigartigen Geschichte im kalten Krieg.

1946 wurde zwischen den Oberbefehlshabern Wassili Sokolowski (UdSSR) und Brian H. Robertson (Großbritannien) für den Weiterbetrieb des Kraftwerkes Harbke und dem grenzüberschreitenden Braunkohle Abbau eine Vereinbarung geschlossen. Dadurch bestand hier die Grenze nur auf dem Papier und die Mitarbeiter der BKB durften die Grenze überschreiten. Denn sowohl die Sowjets als auch die Briten brauchten das Kraftwerk in Harbke, weil es als eines der wenigen war, dass von Kriegsschäden verschont wurde und die Stromversorgung auf beiden Seiten der Grenzen garantiere. Auf der später niedersächsischen Seite gab es die Hauptverwaltung, die Brikettwerke, das Schwelwerk und kleinere Kraftwerke. Das Kraftwerk Harbke und die Brikettfabrik Bismarck lagen auf der östlichen Seite.

R-Brief von Harbke über Helmstedt 1947 nach Berlin-Britz

Interessant ist der Ort des Absenders: Alversdorf, Krs. Helmstedt, BKB Lager 50/12, Alversdorf wurde 1974 selbst für den Tagebau aufgegeben.

R-Zettel vom obigen Beleg, Blanko R-Zettel mit handschriftlichem Eintrag Harbke und vorgedrucktem Numerator.

Quer durch den Tagebau pendelten täglich hunderte Menschen zur Arbeit über die Grenze. Kohlekumpel aus Harbke und Helmstedt (und der jeweiligen Umgebung), die in der einen Zone lebten und in der anderen Zone arbeiteten. Im grenzüberschreitenden Tagebau Viktoria war die Flucht über den nicht bewachten Tagebau möglich. Die Bergleute auf beiden Seiten wurden in West-Mark bezahlt, denn sie hatten Arbeitsverträge mit der BKB in Helmstedt.

Poststempel Harbke über Helmstedt vom 11. März 1948

Im Jahr 1947 wurde mit 7.639 Beschäftigten die höchste Mitarbeiterzahl der Unternehmensgeschichte erreicht. Allerdings ergab sich gleichzeitig eine schwierige Situation für die BKB durch die direkte Lage ihrer Betriebe auf der innerdeutschen Grenze nach dem Zweiten Weltkrieg.

Auch die Gründung beider deutschen Staaten 1949 führte zu keiner Veränderung der Situation zwischen Harbke und Helmstedt im Tagebau.

Am 26. Mai 1952 ändert sich die Lage dramatisch. Ohne Vorahnung besetzen in den frühen Morgenstunden Einheiten der Volkspolizei der DDR den östlichen Teil des Tagebaus zwischen Harbke und Helmstedt. Innerhalb weniger Minuten standen die Geräte auf beiden Seiten still. Die Braunkohleförderung kam zum Erliegen.

1400 Bergleute aus Harbke und 400 Bergleute aus Helmstedt verloren über Nacht ihre Arbeit, weil sie nicht mehr über die Grenze zur Arbeit kamen.

Dem Unternehmen BKB gingen durch die Grenzschließung alle Anlagen auf ehemals preußischem Gebiet (Tagebau Wulfersdorf, Teile des Tagebaus Victoria, die Brikettfabrik Bismarck und das Kraftwerk Harbke) verloren. Außerdem gehen der BKB 62 % der gewinnbaren Kohle verloren.

Das Kraftwerk Harbke wurde zum Volkseigentum erklärt (VEB Braunkohlewerk).

In den Folgejahren mussten diese Defizite durch einen eigenen Kraftwerksbau auf westdeutscher Seite ersetzt werden. 1954 fing man auf beiden Seiten wieder an Kohle zu fördern und Strom (Kraftwerk Offleben im Westen) zu produzieren.

R-Brief der Deutschen Post der DDR von Harbke nach Stendal (Absatzkontor), Poststempel vom 28. März 1956. Blanko R-Zettel mit Stempel Harbke über Oschersleben (Bode). Oschersleben (Bode) entspricht der damaligen Kreisbezeichnung. (*)

R-Zettel vom obigen Beleg mit fünfstelligem Numerator 00307 (*)

1956 kam es zu einer ersten Annäherung. Die Betriebsleiter von Ost und West tauschten DDR- und BRD-Territorien aus (37 Hektar Kippen Fläche Ost gegen 13 Hektar Kippen Fläche West), um bergbautechnisch sinnvoll arbeiten zu können.

Mit dem Bau der Mauer 1961 kommen die Aktivitäten zum Erliegen.

Poststempel Harbke (Kr Oschersleben) vom 30. Juni 1967, ohne Angabe der Postleitzahl

Stempel des ZKD (Zentraler Kurierdienst) vom VEB (Volkseigener Betrieb) Braunkohlewerk 3222 Harbke.

Stempel des ZKD (Zentraler Kurierdienst), VEB Energieversorgung Magdeburg, Kraftwerk Phillipp Müller, 3222 Harbke (*)

(Philipp Müller wurde am 11. Mai 1952 in Essen erschossen. In der DDR wurde das Andenken an ihn insbesondere zur Propaganda genutzt.)

Der ZKD war ein von der Deutschen Post der DDR durchgeführter Postdienst des DDR-Innenministeriums.

Blick über die Zonengrenze von West nach Ost zum Kraftwerk Harbke.

Am 19. Mai 1976 kam es zur Vertragsunterzeichnung „Grenzpfeiler Braunkohle Helmstedt/Harbke“ in Ostberlin. Wieder setzen sich wirtschaftliche Interessen über politischen Überlegungen (Grenze) durch.

Beide Seiten dürfen wieder grenzüberschreitend arbeiten, denn nur so war in dieser Region Braunkohle wirtschaftlich zu fördern. Beide Seiten überließen dafür der anderen Seite Flächen zur zeitweiligen Nutzung im Tausch („Dem Tagebau Helmstedt zur Nutzung zeitweilig überlassenes Territorium der DDR und dem Tagebau Wulfersdorf zur Nutzung überlassenes Territorium der BRD, jeweils Stand 1. Abbauphase“).

Die Abbaugebiete wurden waffenfrei. Zwei Kilometer Grenze mussten geräumt werden. Die Minenräumungen erwiesen sich wegen der bisherigen Bodenbewegungen als schwierig.
Der bisherige Todesstreifen wurde durch einen Maschendraht ersetzt und für Besprechungen zwischen Ost und West gab es ein Gartentürchen im Maschendrahtzaun.

Weil Harbke dieses Grenzgeheimnis barg, verschwand gleich der ganze Ort von jeder Landkarte der DDR. Weder Straßenschilder noch Wegweiser führten in das Dorf an der offenen Grenze. Harbke wurde von der Außenwelt hermetisch abgeschirmt.

Ausschnitt Briefkopf, Rundstedter Str. 10 a in Harbke

Hauptarbeitgeber im Filialbetrieb Harbke war das Braunkohle-Kraftwerk VEB Kombinat Gustav Sobottka aus Röblingen.

R-Zettel 3222 Harbke, ca. 1982, Numerator dreistellig

R-Zettel 3222 Harbke, Numerator vierstellig

Bis 1986 arbeiteten hier ost- und westdeutsche Bergleute grenzüberschreitend in einem Braunkohle Tagebau zusammen.

Selbst die Grenztruppen der DDR hatten im Tagebau keinen Zutritt.

Am 26. September 1986 fuhr der letzte Zug zum Kraftwerk.

Am 22. Dezember 1989 wurde der Grenzübergang von Helmstedt nach Harbke geöffnet.

Poststempel 3222 Harbke vom 6. Dezember 1990, Kreisstempel mit Stegsegment unten

Kreisstempel mit Stegsegment oben, 6 Wellenlinien senkrecht, Datum 2. Juli 1993 und Uhrzeit 9 Uhr, Verwendung ab 1. Juli 1993.

R-Zettel mit fünfstelliger Postleitzahl, naßklebend: 39365 Harbke

R-Zettel mit fünfstelliger Postleitzahl, selbstklebend: 39365 Harbke

Mit der Einführung der fünfstelligen Postleitzahl 1993 hieß in Harbke die neue Postleitzahl 39365.

Im Juni 1994 wurden die Schornsteine vom Kraftwerk Harbke gesprengt. Das Ende der Braunkohlen Industrie in Harbke war besiegelt.

Historischen Entwicklung des Braunkohleabbaugebiets direkt an der ehemaligen innerdeutschen Grenze zwischen Helmstedt und Harbke (Quelle: Fa. post-mining & brownfields consulting, siehe unten)

Seit 2004 wird der ehemalige Tagebau saniert und durch Grundwasser geflutet. Der Lappwaldsee überdeckt den ehemaligen Grenzverlauf und die Spuren der außergewöhnlichen deutsch-deutschen Geschichte. (Foto von 2016) 2031 soll der See sein geplantes Ausmaß erreicht haben.

Harbke erlebt durch Gebietsreformen wechselnde Zugehörigkeiten oder Namensänderungen bei der Landkreis Zuordnung. Seit 2007 lautet die Bezeichnung Landkreis Börde, die Kreisstadt ist Haldensleben. Harbke ist Mitgliedgemeinde der Verbandgemeinde Obere Aller in Sachsen-Anhalt. Harbke hat ca. 1.800 Einwohner.

Nur etwa fünf Kilometer von Harbke entfernt lag der Grenzübergang Helmstedt-Marienborn. Dieser war der größte und bedeutendste Grenzübergang an der innerdeutschen Grenze während der deutschen Teilung und bestand zwischen 1945 und 1990.

Quellen:

  • Braunschweiger Postgeschichtliche Blätter, Gesellschaft für deutsche Postgeschichte e.V., Bezirksgruppe Braunschweig Heft 9/10 Dezember 1968
  • Die Braunschweigische Kohlen-Bergwerke AG, Werner Vogt, Andrea Dreifke-Pieper, 1999, Econ Verlag, München
  • Grenzkohle, Christiane String, Zeitschrift Horch und Guck, Heft 2/2009, Heruntergewirtschaftet, Seiten 36 bis 39
  • Heringsbahn, Achim Walther und Joachim Bittner, Die innerdeutsche Grenze bei Hötensleben, Offleben und Schöningen, 2011, Mitteldeutscher Verlag, Halle
  • Das Geheimnis von Harbke, Operation Grenzkohle, TV-Bericht, Mitteldeutscher Rundfunk MDR, 9.4.2019
  • Vielen Dank für die freundliche Unterstützung an Herrn Andreas Kadler, Berlin, post-mining & brownfields consulting, www.post-mining.de
  • Vielen Dank an Klaus Hirschfeld, Haldensleben für die freundlicher Überlassung (*) von R-Zetteln, Abbildungen und Belegen zur Bereicherung dieses Artikels. Toll!
  • Vielen Dank an Dr. Thomas Schmidt, Haldensleben, für die Zusammenstellung der Poststempel von Harbke und der Genehmigung zur Abbildung.