Wangerooge – entdecke die Langsamkeit

Zuallererst entdecke ich eine Besonderheit:

R-Zettel, R rechtsstehend, Wangeroog

Sollte ich in meiner Sammlung eine Besonderheit besitzen? Ein Setzfehler auf einem Einschreibzettel? Wangerooge mit einem fehlenden e?

Ein Blick in das Amtsblatt des Reichs-Postamts, Nr. 131 vom 27. September 1915 klärt auf:

Titelseite Amtsblatt des Reichs-Postamts, Nr. 131 vom 27. September 1915

In nur einer Zeile wird die Namensergänzung seitens der Post bekanntgegeben

Also schon ein besonderer R-Zettel mit einem Alter von über 100 Jahren, und fehlerfrei.

Wangerooge führte früher den Namen Wangeroog. Das „e“ wurde angehängt, nachdem Wangeroog(e) von der Oldenburger Regierung 1885 zu einer politisch selbstständigen Gemeinde erhoben worden war. Die Deutsche Reichspost verfügte 1915 im Zusammenhang mit der „Berichtigung der Portotaxe“ die Änderung von Wangeroog zu Wangerooge.

Der Reihe nach: 

Das Wort Wanga kommt aus dem Altgermanischen und bedeutet Wiese. Och entwickelte sich weiter zu oog und später zu ooge, was auf den friesischen Begriff für Insel hinweist. Wangerooge ist somit die Insel, die vor dem Wiesenland liegt.

Die Kette der ostfriesischen Inseln schließt im Osten mit Wangerooge ab. Ostfriesisch war die Insel nie. Sie ist eine friesische Insel. Denn Wangerooge gehörte zum Großherzogtum Oldenburg und daher jetzt zu Niedersachsen.

Auf einer Karte von Ostfriesland aus dem Jahr 1910 ist die Abgrenzung zwischen Ostfrieslands Inseln (Langeoog, Spiekeroog) und Wangeroog (Oldenburg) und dem Festland gut zu erkennen.

Über 1000 Einwohnerinnen und Einwohner sind heute auf der Insel gemeldet. Diese und die Gäste in den 8000 Gästebetten sorgten und sorgen für Arbeit bei der Post.

Was über die Post in Wangerooge in Erfahrung zu bringen war. Eine Reise durch die Jahre und anhand von Einschreibzetteln.

Im Sommer 1882 wurde auf der Insel eine Postagentur als Saisonpostanstalt mit dem Namen Wangeroog eröffnet. Im Winter war nur das Telegraphenamt geöffnet. 

Den ersten Zettel am Anfang des Artikels haben Sie bereits kennengelernt. Der Einsatz dieser R-Zettel mit R rechtsstehend erfolgte ab 1883.

Ab 1890 erfolgte eine ganzjährige Öffnung von Post und Telegraphie. 1914 war die Postanstalt im Sommer Postamt und im Winter Postagentur.

Um 1910 wurde die Post für Wangerooge am Postamt von Carolinensiel gesammelt und von dort zur Friedrichsschleuse an der Harle transportiert. Die Friedrichsschleuse war der Vorhafen von Carolinensiel, von dem dann per Schiff die Post nach Wangerooge gebracht wurde.

Auch 1922 gab es schon Philatelisten. Mit gesamt 13,55 Mark, dadurch sehr überfrankierter R-Brief von Wangerooge, Poststempel vom 5. August 1922. Frankatur mit kompletten Satz aus der Serie Flugpostmarken Motiv Holztaube, Deutsche Flugpost. Michel Nr. 210 bis 218

R-Zettel vom obigen Beleg, vierseitig gezähnt aus Bogen, R-Zettel Typ 2176, Verwendung ab 1904, mageres No mit zwei Strichen unter 0 in kursiv, hier in der Papiervariante dickeres gelbliches Papier

Am 6. März 1925 wurde dieser Einschreibbrief von Wangerooge nach Oldenburg in Oldenburg verschickt. Abdruck der Pension Villa Charlotte auf dem Beleg. Frankatur mit Freimarke 50 Pf., Wertzimmer im Kreis mit Rosetten-Korbdeckel-Muster, Michel Nr. 342

R-Zettel vom obigen Beleg

Ein Eingangstempel im Nordseebad Wangerooge aus dem Jahr 1929. Zwei Sterne neben dem Buchstaben a. Ein Stempel mit 12-Stunden Uhrzeitgruppe, hier 10-11

Mit einem militärischen Festzug und Marschmusik wurde die Eröffnung des Postamts von Wangerooge in der Elisabeth Anna Str. 11, vorn links im Bild, begangen. Im Hintergrund ist das Hotel Pension Charlotte zu erkennen, welches im II. Weltkrieg komplett zerstört wurde. (Aufgenommen um 1937) 

R-Brief vom Nordseebad Wangerooge, Poststempel vom 3. Januar 1944, mit Feldpost von der Marine-Standortverwaltung an das Marineoberkommando nach Wilhelmshaven. Feldpostsendungen konnten ohne Frankatur versendet werden. Runder Absenderstempel Marine-Standortverwaltung Wangerooge, Briefstempel. Abbildung Adler und Symbol

R-Zettel vom obigen Beleg, erstmalig mit Zusatz Nordseebad, Einheitsausgabe Deutsches Reich, breiter Rahmen

zum Vergleich ein ähnlicher Einschreibzettel, mit kleinerer Schriftart von „Nordseebad“, Einheitsausgabe Deutsches Reich, breiter Rahmen

Blank0 R-Zettel mit Stempel Wangerooge

Blank0 R-Zettel mit Stempel Nordseebad Wangerooge

Diese blanko Einschreibzettel wurde von der Druckerei in den Jahren 1945 bis 1947 in Bögen an die Postämter geliefert. Vor Ort wurden die blanko R-Zettel mit dem Ortsnamen abgestempelt und mit einer Schere vom Bogen abgetrennt. Mehr Informationen zu diesem Typ finden Sie hier.

R-Zettel 23 Nordseebad Wangerooge, die 23 steht für den Vorläufer der Postleitzahl, die Postleitgebietskennzahl (PLGZ). Ab 1946 wurde die erste Ausgabe für die britische Besatzungszone, in Bögen zu 20 Stück hergestellt.

R-Zettel (23) Nordseebad Wangerooge. Die 23 in Klammern, nicht mehr in einem Kreis

Von etwa 1950 bis 1962 wurde dieser Sonderstempel eingesetzt: (23) Nordseebad Wangerooge, Bildmotiv alter Westturm, Wangeroog‘ – is een – Nordseebad – Kumm mal her, bekiek die dat!

Die Lage der Post auf einer Karte von 1954 in der Elisabeth Anna Str. 11

1961 verwendete die Post intern als Absenderangabe zwei Stempel mit zwei verschiedenen Schriftarten

1962 wird Wangerooge zum niedersächsischen Staatsbad ernannt:

Niedersächsisches Staatsbad Wangerooge – Das bekannte Familienbad – Das beliebte Nordseeheilbad, Werbung in einem Maschinenstempel der Deutschen Bundespost. Abbildung vom Westturm, erbaut 1932

R-Brief vom 7. August 1962 vom Nordseebad Wangerooge nach Kaufbeuren, R-Zettel mit Amtskennzeichen (AKZ) 9 C 6

R-Zettel vom obigen Beleg

ein Vergleichs Einschreibebrief mit bekannten AKZ vom Nordseebad Wangerooge. Interessante Frankatur mit 10 x 7 Pfennig Hl. Elisabeth, Landgräfin von Thüringen aus dem Bogen, nicht von der Rolle. (Michel Nr. 348). Poststempel vom 9. März 1963. Sicher kein Brief von einem Urlauber, Absender Joh. Janßen & Söhne. Ob es die Firma noch gibt?

1956 lösten die Rautenausgaben mit Amtskennzeichen (AKZ) für die Bundesrepublik Deutschland die zweistelligen Postleitgebietszahlen ab. Mit Amtsblattverfügung 274/1956 galten die Amtskennzahlen am 30. Juli 1956 auch für die Rautenausgaben der Einschreibezettel.

Zum 1. Januar 1965 wurden in der Bundesrepublik Deutschland Postleitzahlen mit vier Ziffern eingeführt. In den 28 Jahren bis zur nächsten Veränderung wurden durch viele Nachbestellungen eine Vielzahl von Schriftarten und Schriftgrößen eingesetzt:

R-Zettel 2946 Wangerooge, größere Schriftart der Postleizahl, fetter Numerator, ohne Zusatz Nordseebad

R-Zettel 2946 Wangerooge, kleinere Schriftart der Postleizahl, fetter Numerator, handschriftlicher Unterscheidungsbuchstabe a, ohne Zusatz Nordseebad

R-Zettel 2946 Nordseebad Wangerooge, Numerator schmale Schrift

R-Zettel 2946 Nordseebad Wangerooge, Numerator fette Schrift

R-Zettel 2946 Wangerooge, gedruckter Unterscheidungsbuchstabe a, Zusatz Nordseebad ist weggefallen

R-Zettel 2946 Wangerooge, gedruckter Unterscheidungsbuchstabe b, Zusatz Nordseebad ist weggefallen

Wechsel der Schriftarten, R-Zettel 2946 Wangerooge, gedruckter Unterscheidungsbuchstabe a

Wechsel der Schriftarten, R-Zettel 2946 Wangerooge, gedruckter Unterscheidungsbuchstabe c

1975 gibt es eine Umbenennung, aus dem Staatsbad wird ein Nordseeheilbad.

Die bundesweite Einführung der fünfstelligen Postleitzahlen am 1. Juli 1993 bedeutet für Wangerooge aus 2946 wird 26486:

neue Postleitzahl, R-Zettel 26484 Wangerooge, gedruckter Unterscheidungsbuchstabe a

Seit der Eröffnung des Briefzentrums in Oldenburg 1996 (BZ 26 An der Schmiede 10-12), wird die gesamte Briefpost für Wangerooge dort gesammelt und zum Fähranleger nach Harlesiel transportiert. Von dort kommt die Post per Schiff nach Wangerooge.

In einem Maschinenstempel wurde 1998 Werbung für einen Besuch auf der Insel abgebildet: Wangerooge is een Nordseebad, kumm mal her bekick di dat!

Die frühere Postagentur, hier ca. 2016, befand sich in einem Frischemarkt, einem kleinen Lebensmittelladen in der Elisabeth Anna Str. 18, wenige Meter vom früheren Postamt entfernt. (seit August 2020 Wangerooger Teehus)

Das frühere Postamt von Wangerooge in der Elisabeth Anna Str. 11, das Ende Dezember 2004 geschlossen wurde, Aufnahme 2025. Zwei Briefkästen halten die Stellung

Rückseite des alten Postamtes, Charlottenstraße, aktueller Zustellstützpunkt der Deutschen Post AG auf Wangerooge

Im Gebäude des alten Postamtes befinden sich die Post-Schließfächer für die Kunden

Die Halterungen für die bundesweiten Telefonbücher, an der Fensterseite sind leer

Seit dem 3. Januar 2005 war die postalische Grundversorgung auf der Insel durch eine Postagentur in dem Lebensmittelgeschäft „Speisekammer“ an der Zedeliusstraße gewährleistet.

Elektrokarren mit größerer Ladefläche als das Nachfolgermodell. Modell Linde W 20 Plattformwagen, Dezember 2018

Im Lager des Inselbahnhofs warten die verladenen Postcontainer auf den Transport zum Festland

Zum Postfuhrparks auf Wangerooge gehören zwei spezielle Post-Fahrräder und zwei Elektrokarren, Linde W 20

Die eine Hälfte des Fuhrparks ist hier abgebildet, die Paket- und Briefzustellung erfolgen getrennt

Die aktuelle Partnerfiliale der Deutschen Post AG (Postfiliale 545) befindet sich seit 2020 in der Zedeliusstr. 2 auf Wangerooge

ein kurzer Blick in die Partnerfiliale

Ausschnitt aus einem Ortsplan von Wangerooge. Die Partnerfiliale ist als „Post“ gegenüber vom Inselbahnhof eingetragen

Auf der Karte unten rechts ist der Flugplatz eingetragen.

Das Gebäude der Flugabfertigung auf Wangerooge im August 2025

Ein zweizeiliger Flugbegleitstempel „Mit Flugpost befördert. Flugpostamt Wangerooge“ gibt einen Hinweis auf eine Poststelle am Flughafen. Beispielhaft im August 1933, Juni, Juli und September 1925, Juli 1927, Juli 1928 wurde Flugpost von Wangerooge nach Bremen oder von Hamburg und von Wilhelmshaven befördert. Ob es zu diesem Zwecke direkt am Flughafen eine Poststelle gab, ist mir nicht bekannt.

Wangerooge liegt in der Nordsee und gehört seit 1933 zum Landkreis Friesland.

Zur Überschrift „entdecke die Langsamkeit“. Mit diesem Slogan wirbt die Deutsche Bahn für eine Reise mit dem Schiff nach Wangerooge. Fahren Sie hin, es lohnt sich!

Offene Fragen:

  • Gab es am Flughafen Wangerooge jemals eine Poststelle zur Abfertigung von Luftpostsendungen?
  • In welcher Straße mit Hausnr. war die Post ab 1882 bis 1937 angesiedelt? 

Quellen:

  • Amtsblatt des Reichs-Postamts, Nr. 131, 27. September 1915, Wangeroog zu Wangerooge
  • Hamburger Abendblatt, 11. Juni 2011, Ei wie Eiland, wie Wangerooge seinen Namen bekam
  • Frau Uta Bruncken-Lenz, Foto Postamt von 1937, Freigabe
  • https://wangerooge-aktuell.de/, letztmalig abgerufen 7. April 2026
  • Fotos vom Autor August 2025

Nachsatz:

Zur Geschichte von Wangerooge gehören auch das Militär und die Weltkriege. Wegen der besonderen Lage vor dem Marinestützpunkt Wilhelmshaven gehörte die Insel zum Befestigungssystem dieser Stadt. Wer sich für Inselwache, Feldpost im 1. und 2. Weltkrieg, Bunker, Bombentrichter oder die zerstörte Friedrich August Kaserne interessiert, kann sich außerhalb dieses Blogs auf Spurensuche begeben.

Die Deutsche Post AG verausgabte in der Serie Leuchttürme auch eine Briefmarke zu Wangerooge: Im Jahr 2018 wurde der Neue Leuchtturm (erbaut 1966) abgebildet. Wert 70 Cent, Michel Nr. 3398

Exkurs:

Auf dem 10-DM Schein 1989 bis 2001 war ein Ausschnitt aus der vorherigen Triangulation des Königreichs Hannover von Gauß in den Jahren von 1821 bis 1825 zu sehen

Wangeroog, oben links, spielte vor über 200 Jahren eine wichtige Rolle!

Haben Sie Lust noch mehr Nordseeinseln kennenzulernen?

Weitere Inseln demnächst. Viel Spaß beim Lesen!