Postleitgebietzahl (PLGZ) – allgemein

Die Einführung der Postleitzahlen

Die Einführung der Postleitzahlen begann 1941 im Deutschen Reich. Da immer mehr Postbedienstete von ihrer Arbeit zum Kriegsdienst eingezogen wurden, musste für Aushilfen mit fehlenden Geographiekenntnissen eine Orientierung organisiert werden. Jedem Gau im Deutschen Reich wurde eine Leitgebiets-Nummer mit den Ziffern 1 bis 24 zugeordnet. Die erste Anwendung der neuen Leitgebiete bezog sich auf den Versand von Päckchen. Ab 1944 wurden diese Leitgebietszahlen auf den Briefdienst ausgedehnt.

Sich diesem Thema zu nähern bedeutet Begrifflichkeiten zu klären. Postleitzahl, Postgebietszahl, Postleitgebietszahl oder Postleitgebietzahl.

Jeder Autor hat seinen eigenen Sprachgebrauch und vermutlich sind alle Bezeichnungen für die Einführung von Postleitzahlen im Deutschen Reich richtig. Die Deutsche Reichspost schreibt in ihren Verfügungen von Postleitzahlen und Postleitgebieten.

Der Overmann Katalog als Grundlage der deutschen R-Zettel, beschreibt die Dritte Einheitsausgabe für das gesamte Reichgebiet als Typen 344, 345 und 346.  Es ergeben sich unterschiedliche Drucktypen durch die Wahl unterschiedlicher Schriftarten wie Antiqua und Egyptienne.

Werbung für die neuen Postleitzahlen auf der Rückseite von Feldpostumschlägen ab 1943

Ausschnitt aus obiger Karte mit den PLGZ, die das heutige Niedersachsen betreffen. Die Deutsche Reichspost hat sich damals in ihre Beschreibung im Vergleich zu heute großflächiger definiert:

  • 20: Ost-Hannover, Süd-Hannover-Braunschweig.

R-Brief 20 Bad Lauterberg (Harz) nach 10 Chemnitz in Sachsen, Dezember 1944

R-Zettel mit PLGZ 20, Abbildung aus obigem Brief

  • 21: Westfalen-Nord und Süd (aus heutiger Sicht Bereich Schaumburg/Hameln).

R-Brief 21 Bernsen über Rinteln nach Berlin, 30.4.1944

R-Zettel mit PLGZ 21, Abbildung aus obigem Brief

  • 23: Weser-Ems und die Landkreise Bremervörde, Wesermünde, Verden (Aller), Rotenburg (Hannover) und Osterholz-Scharmbeck, Grafschaft Hoya und Diepholz.

R-Brief 23 Glandorf, überstempelt auf Osnabrück 2 nach 16 Frankfurt/ M., 19.3.1946, Zensurbrief, Notstempel Glandorf auf Briefmarken

R-Zettel mit PLGZ 23, Abbildung aus obigem Brief

  • 24: Hamburg, Schleswig-Holstein und die Landkreise Land Hadeln, Stade, Lüneburg und Harburg sowie die Stadt Cuxhaven.

R-Brief 24 Stade 1 nach 20 Celle, 4.4.1945

R-Zettel mit PLGZ 24, Abbildung aus obigem Brief

Amtsblatt des Reichpostministeriums, Bekanntmachung der Deutschen Reichspost, Nr. 56/1944, Verfügung 175, 6.6..1944, Postleitzahlen in Tages- und Ortstempeln für Poststellen II

Die Einführung der neuen Postleitzahlen hatte Auswirkungen auf Tagesstempel, Aufgabestempel, Poststellen-II- Stempel, Maschinenstempeleinsätze, Absenderfreistempel, Aufkleber, Hinweisstempel, V-Zettel, R-Stempel und natürlich R-Zettel.

Die Stempel gibt es in verschiedenen Varianten:

  • neu hergestellte Stempel mit PLGZ in Klammern oder im Kreis,
  • ältere Stempel mit hinzugefügter PLGZ in Klammern oder im Kreis,
  • Stempel mit PLGZ über dem Steg in Klammern oder im Kreis,
  • Stempel mit PLGZ über dem Steg ohne Klammer oder ohne Kreis.
  • Stempel mit PLGZ im unteren Teil des Stempels oder im Steg

Ab der Einführung 1944 bis zum 8. Mai 1945 wurden diese im Verkehrsgebiet der Deutschen Reichspost eingesetzt, anschließend von der Deutschen Post und bis 1961 im Gebiet der Deutschen Bundespost.

Nach Kriegende wurden zum Teil noch jahrelang Restbestände (Aufbrauch), oft durch Abänderung von Ortsbezeichnungen oder Streichung der Postleitgebietszahlen aufgebraucht.

Ein besonderer Reiz für eine postgeschichtliche Sammlung ergibt sich aus der kurzen Verwendung aus Belegen der Deutschen Reichspost von 1944 bis zum 8. Mai 1945.

Aus einer Anweisung der Deutschen Reichspost vom 1.9.1944 zu am Schalter eingelieferten Briefsendungen: „Fehlt auf am Schalter eingelieferten Sendungen die Postleitzahl in der Anschrift oder ist sie nicht deutlich genug angegeben, so hat der Annahmebeamte sie unter höflicher Belehrung des Einlieferers in kreisförmiger Umrandung auf die Sendung zu schreiben.“

Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzen die Alliierten die vorhandenen Postleitgebiete weiter. Nach der Gründung der beiden deutschen Staaten 1949 wurden die zweistelligen Postleitgebiete mit leichten Veränderungen weitergenutzt.

Die Verwendung der Postleitgebietszahlen auf R-Zetteln in ihrer ursprünglichen Form bezieht sich auf den fünfjährigen Zeitraum von 1944 bis 1949.

Anschließend folgte eine Aufteilung der PLGZ für eine weitere Verfeinerung der Sortierung. Nachfolgend werden nur die Änderungen die Niedersachsen betreffen aufgeführt:

20 wurde in 20a und 20b –

22a wurde in 22a und 22c  –

und 24 wurde in 24a und 24b aufgeteilt.

In Vorbereitung: 

Auflistung aller R-Zettel mit PLGZ aus dem Gebiet des heutigen Niedersachsen, die auf Brief (Datum) oder als loser R-Zettel (ohne Datum) im Original oder als Kopie vorgelegen haben.

  • PLGZ 20
  • PLGZ 21
  • PLGZ 22
  • PLGZ 23
  • PLGZ 24

Literatur:

  • Die Postleitgebietzahl vor dem 8.5.45, 2. Auflage, Jürgen Schnellbacher, 2009
  • Postleitgebietszahlen 1944 bis 1961, Peter Griese, 2001, Heft 139 Neue Schriftenreihe der Poststempelgilde e.V.
  • Einführung der Postleitzahl bis zum 8.5.1945, Günther Borchers, 1996, Heft 146, Neue Schriftenreihe der Poststempelgilde e.V.
  • Die Postgebietszahlen im Nachkriegsdeutschland, Alfred Meschenmoser, 1995, Studien zur Philatelie und Postgeschichte Band 7
  • Katalog der Deutschen und verwandten R- und + V-Zettelformen, Herausgegeben von der Westdeutschen Arbeitsgemeinschaft R-Zettel und R-Stempel, 2. Auflage Oktober 1966, umgangssprachlich Overmann-Katalog.
  • Amtsblatt des Reichpostministeriums, Bekanntmachung der Deutschen Reichspost, Nr. 68/1941, Verfügung 407, 25.7.1941, Einführung der Päckchenleitgebiete
  • Amtsblatt des Reichpostministeriums, Bekanntmachung der Deutschen Reichspost, Nr. 56/1944, Verfügung 175, 6.6..1944, Postleitzahlen in Tages- und Ortstempeln für Poststellen II
  • Amtsblatt des Reichpostministeriums, Bekanntmachung der Deutschen Reichspost, Nr. 73/1944, Verfügung 242, 1.8..1944, Angabe der Postleitzahl auf Postsendungen, die am Postschalter eingeliefert werden und Verfügung 457, Postleitzahlen in Telegrammen
  • Amtsblatt des Reichpostministeriums, Bekanntmachung der Deutschen Reichspost, Nr. 90/1944, Verfügung 312, 22.9.1944, Postleitzahlen auf Paketen

Greif-Werke

Die Greif-Werke, Goslar

Postkunden mit höheren Einlieferungsmengen bekamen „eigene“ vorproduzierte Einschreibezettel, um den Einlieferungsvorgang zu beschleunigen. Eine Erklärung für die sogenannten Selbstbucher.

29.12.33, Goslar Greifwerke, Freistempel Deutsches Reich mit Motiv Füllhalter und Tinte, R-Brief nach Erfurt

R-Zettel vom obigen Beleg, Goslar Greifwerke 1933

Welcher Postkunde verbirgt sich hinter den Greif-Werken?

Der Vorläufer der Greif-Werke wurde 1902 von Carl Bruer als „Deutsche Bürobedarfsgesellschaft Carl Bruer & Co.“ gegründet.

Gründer und Inhaber Carl Bruer

Wer Dauerschablonen, Füllhalter, Tinte, Typenreiniger, Wachspapier Vervielfältiger, Schreibmaschinen Zubehör, Kohlepapier, Klebstoff oder allgemeinen Bürobedarf suchte kam an dieser Firma nicht vorbei. 1921 wurden in der Firma 300 Menschen beschäftigt.

Bildergebnis für greif werke goslar

Die einzelnen Bauabschnitte der Greif-Werke von 1908 bis 1930 am Greifplatz und im Gosetal werden dokumentiert

23.4.15, Paketkarte, Absender Deutsche Bürobedarfs-Gesellschaft

Etwa 1922 wurde die Füllhalterfabrikation aufgenommen.

Bildergebnis für greif werke goslar

Perfin-Beleg 12.6.22 von Greif-Werke, Goslar nach Stuttgart

Die  Firmenlochung von Marken war eine Sicherheitsmaßnahme gegen Entwendung durch die Belegschaft. Im englischen Sprachgebrauch werden sie als Perfin bezeichnet, von der englischen Abkürzung „Perforated Initials“, was so viel bedeutet wie: gelochte Initialen. Es wurde ein Raster aus Punkten in das Bild der Briefmarke eingestanzt und das Aussehen der Marke so verändert. Die Marken wurden durch die Lochung nicht entwertet, sondern nur für einen eingeschränkten Gebrauch kenntlich gemacht. Meist wurden hierfür die Anfangsbuchstaben der Firma oder auch Symbole verwendet. Unternehmen, Dienststellen und Behörden mit einem größeren Vorrat an Briefmarken kennzeichneten so ihre Marken. Die Marken auf diesem Beleg tragen die Lochung „GW“ für „Greif-Werke“. Und 1922 ahnte man noch nicht den Verkauf an Pelikan: Günter Wagner „GW“.

Bildergebnis für greif werke goslar

 Notgeld der Greif-Werke vom 23.10.1923, Unterschrift Carl Bruer

Freistempel Greif-Werke vom 15.11.33, Umsatz schaffen durch Greif Vervielfältiger Dauerschablonen

Freistempel Greif-Werke vom 29.12.33, Greif Füllhalter und Tinte, Ausschnitt aus obigem R-Brief

http://www.cas1996.de/_img/_pens/147.jpg

Historischer Füllhalter, schwarze Perle, ca. 1937

Auf Bestellformularen taucht während der Kriegszeit der Zusatz Reichsbauernstadt Goslar auf.

1955 übernahm die Nukote-Holding die Greif-Werke, die zu einer Tochter der Pelikan Hardcopy AG mit Sitz im schweizerischen Egg geworden waren.

Im Jahr 1965 kauft Pelikan (Günther Wagner) aus Hannover die Greif-Werke. Zu diesem Zeitpunkt erzielen 380 Beschäftige einen Umsatz von 10,5 Millionen Deutsche Mark. 1985 folgt der Zusammenschluss mit Pelikan. Bis Mitte der 1990er Jahre wurde von Pelikan im Stadtteil Baßgeige produziert.

Als Erinnerung an die Greif-Werke ist der Greifplatz als ein Straßenabschnitt in Goslar benannt worden. Die Benennung erfolgte in den 1980er Jahren. Der Platz an der Bäringerstraße erinnert an den ursprünglichen Standort der Firma. Der Greif- und Ziegenbrunnen, der 1920 von dem Berliner Bildhauer Willibald Böttcher (1867-1928) erschaffen wurde, hat die Zeiten überlebt und wurde wieder aufgebaut und im September  1983 eingeweiht. Er war eine Stiftung von Carl Bruer an die Stadt Goslar.

Wo einst der Mönche Chorgesang
Tönt jetzt vom Greifwerk Arbeitsklang
Der Hirte bläst das Zicklein springt
Der Brunnen leise dazu singt

Spruch am Brunnen, gestiftet von Carl Bruer 1920. Ziegenköpfe erinnern am Brunnen an die ehemalige Nutzung als „Ziegenplatz“, noch vor der Niederlassung der Greifwerke.

Das Symbol der Greif-Werke: der Greif ist ein aus Tierkörpern gebildetes, mythisches Mischwesen. Die Eigenschaften des Greifs sind Stärke, Klugheit und Wachsamkeit.

Brauner Schatten: das Trillke-Werk lagerte während des 2. Weltkrieges einen Teil der Zubehörproduktion für die Herstellung von Kriegsgerät in andere Firmen aus, die dem Rüstungsunternehmen ihre Arbeitskräfte überließen. Trillke stellte die nötigen Maschinen, schulte die Arbeiterinnen und übernahm die technische Leitung. Eine dieser sogenannten verlängerten Werkbänke befand sich in Goslar in den Greif-Werken. Hier ließ Trillke Zündanker, Kollektoren und Magnetschalter fertigen.

Quellen:

  • Goslars Handel im Wandel der Zeiten, Kraus Geyer, 1. Auflage 1996
  • Nun muss sich alles wenden, Goslarer Allerlei 1948-1970. Aus gesammelten Zeitungsberichten zusammengestellt von Hannelore Giesecke
  • Verein „Spurensuche Goslar e.V.“. „Gebt uns unsere Würde wieder“ – Kriegsproduktion und Zwangsarbeit in Goslar 1939; eine Begleitbroschüre zur gleichnamigen Ausstellung von Peter Schyga, Goslar 20062, S. 21.
  • www.goslarer-geschichten.de

Archiv:

Das Stadtarchiv Goslar bewahrt wertvolle Unterlagen zu den Greif-Werken auf: Gründungsverträge, Bauprojekte, Kataloge, Preislisten, Werbematerial, Chroniken, Fotoalben, Firmenzeitschriften, Reiseberichte des Inhabers und persönliche Familienpapiere. Das Stadtarchiv deckt hier den Zeitraum von 1890 bis 1985 ab.

Gerhard Hohn

Wer war G. Hohn aus Goslar?

Postkunden mit höheren Einlieferungsmengen bekamen „eigene“ vorproduzierte Einschreibezettel, um den Einlieferungsvorgang zu beschleunigen. Eine Erklärung für die sogenannten Selbstbucher.

Welcher Postkunde verbirgt sich hinter G. Hohn?

Fabrikant Gerhard Hohn, 1870 -1939, Gründer der Harzer Hosenträger- und Gürtelfabrik in Goslar. Auf Vorschlag der Technischen Universität Braunschweig, Abteilung für Maschinenbau, am 26.5.1922 Ernennung zum Dr.-Ing E.H. .

Auf dem R-Zettel der 1. Reichsausgabe ab 1910 ist der Selbstbucher Zusatz G. Hohn zu erkennen.

R-Brief aus Baddeckenstedt (Landkreis Wolfenbüttel) nach Hannover, 15.11.45, Selbstbucher R-Zettel Goslar G. Hohn überstempelt mit Baddeckenstedt.

R-Zettel vom obigen Beleg.

Die Firmengründung  fand 1896 im Marktkirchhof 1 statt. Die Firma wuchs und fand neue Räume in die Mauerstraße 3-4. Die Produktion von Hosenträgern wurde von Herrenwäsche Sortimenten abgelöst.

Werbung ca. 1926

Cunard- Werk ist der neue Name der Harzer Hosenträger- und Gürtelfabrik. Der Firmengründer Gerhard Hohn ist am Beginn seiner Berufstätigkeit als Steward für die englische Cunard-Linie gefahren. So fand der Qualitätsbegriff Cunard Einzug in die Firmenhistorie. (Die Cunard-Linie führt auch heute noch Kreuzfahrten durch).

Das Firmengelände um ca. 1926.

Ca. 1938 wird bei der Darstellung der Fabrik auf die Schornsteine verzichtet.

Auf Firmenformularen taucht während der Kriegszeit, ca. 1942, der Zusatz Reichsbauernstadt Goslar auf. Und an Eigenwerbung wird nicht gespart: Erstklassische Herstellung von Hosenträgern, Sockenhaltern, Ärmelhaltern, Sport- und Ledergürteln.

Und die Cunard Bulldogge ist das Wahrzeichen für Sorgfalt und Eleganz.

Ende der 1960er Jahre existierte das Werk in Goslar nicht mehr. Eine Verlagerung nach Bad Harzburg war der Grund. Etwa 1977 wurde das bisherige Fabrikgelände verkauft und umgestaltet.

Quellen:

  • Goslars Handel im Wandel der Zeiten, Kraus Geyer, 1. Auflage 1996
  • Nun muss sich alles wenden, Goslarer Allerlei 1948-1970. Aus gesammelten Zeitungsberichten zusammengestellt von Hannelore Giesecke, S. 426/7
  • Universitätsarchiv der Technischen Universität I Braunschweig.

Offene Fragen:

  • Gibt es in Goslar noch eine Erinnerung an diese Firma? Ist der  Cunard-Platz, Ecke Bäckerstraße/Mauerstraße, noch existent?
  • Kann ein interessierte Leser dem Autor einen Einblick in folgendes Buch zum Thema Harzer Hosenträger- und Gürtelfabrik, Gerhard Hohn, Goslar gewähren?

Titel: Goslar a./H. / Hrsg. vom Magistrat Goslar a. H. Verlag: Berlin-Halensee : „Dari“, Deutscher Architektur- u. Industrie-Verlag – [Leipzig] : [F. Volckmar], Erscheinungsdatum: 1921, Signatur: 1921 B 1953
Bereitstellung in Leipzig.

Vom „Y“ zum „I“

Schreibweise

Vom „Y“ zum „I“

In einem früheren Artikel bin ich auf die Veränderung der Schreibweise von Ortsnamen eingegangen, vom „C“ zum „K“. 

Beim Typenvergleich von R-Zetteln einzelner Orte bin ich auf Kaierde aufmerksam geworden.

Kaierde ist ein Ortsteil des Fleckens Delligsen im Landkreis Holzminden (ehem. 3223 Delligsen 6). Über viele Jahre gehörte Kaierde zum Landkreis Gandersheim und wurde am 1. April 1974 im Zuge einer Gebietsreform ein Ortsteil des Fleckens Delligsen.

Die Abbildungen zeigen eine unterschiedliche Schreibweise des Ortsnamens, Kayerde und Kaierde:

21.6.1905, Brief von Kayerde nach Hannover. R-Zettel „R“ rechtsstehend, Poststempel Kaierde (Braunschw.). Der Absender wählt auch die Schreibweise in der neuen Form. Der Poststempel ist bereits auf die neue Schreibweise umgestellt. Der ältere R-Zettel mit der früheren Schreibweise wird aufgebraucht.

R-Zettel Kayerde vom obigen Beleg.

Reichs-R-Zettel mit der aktuellen Schreibweise Kaierde.

Einen Hinweis für die Veränderung liefert Herr Ahlswede aus Kaierde, der sich intensiv mit der Heimatgeschichte beschäftigt. Eine erste Vereinheitlichung der Schreibweisen ergab sich durch die ab 1. Oktober 1874 im Königreich Preußen installierten Standesämter. Eine weitere Erklärung ist aus einem Auftrag des Landes Preußen im Jahre 1911 an den Berliner Graphiker Ludwig Sütterlin abzuleiten. Besagter Sütterlin bekam den Auftrag für die seit fast 500 Jahren nebeneinander bestehende lateinische und deutsche Schreibschrift einheitliche Regeln und Schreibweisen zu entwickeln. Im Jahre 1915 wurden beide Schriftarten offiziell an den preußischen Grund- und Volksschulen eingeführt und nebeneinander gelehrt.

Quelle: Herr Albert Ahlswede, Kaierde

Vom „C“ zum „K“

Schreibweise

Gelegentlich kommt es vor, dass ein Ort seine Schreibweise ändert. Das vermutlich bekannteste Beispiel ist Colonia, Cologne, Cöln und dann Köln.

Auch in Niedersachsen gibt es Orte, die ihren ersten Buchstaben gewechselt haben.

Vom „C“ zum „K“:

Calefeld, jetzt Kalefeld aus dem Landkreis Northeim, früher Landkreis Osterode:

Calefeld (Kr. Osterode, Harz) 5.9.1929, Poststempel Kalefeld, Absender gedruckt auf Umschlag Kalefeld. Der Stempel ist bereits erneuert, der frühere R-Zettel mit alter Schreibweise wird aufgebraucht. R-Brief nach Göttingen.

R-Zettel 3351 Kalefeld

Herr Hantke vom Heimatverein Kalefeld gibt folgende Erläuterung:

„Im Jahr 1926 hat es „Irritationen zur Schreibweise von Kalefeld mit C oder K gegeben. Nach einer Eingabe des zuständigen Kreisausschusses des Landkreises Osterode am Harz hat der Präsident des Preußischen Statistischen Landesamts am 28. Juli 1926 dem Kreisausschuss mitgeteilt, dass „maßgebend für die Schreibweise von Ortsnamen das im Preußischen Statistischen Landesamt in Bearbeitung befindliche Gemeindelexikon“ sein soll. Nach diesen Grundsätzen ist der Orts- und Gemeindename Kalefeld im Anlaut mit „K“ zu schreiben. Der Regierungspräsident in Hildesheim hat daraufhin mit Einverständnis des Herrn Minister des Inneren am 11. Oktober 1926 öffentlich bekanntgemacht, dass die genannte Ortschaft mit dem Anfangsbuchstaben „K“ zu schreiben ist.“

Catlenburg, jetzt Katlenburg aus dem Landkreis Northeim:

R-Zettel aus Catlenburg und 20b Katlenburg

Einen tiefen Einblick in die Geschichte wirft Frau Witte, die Ortsheimatpflegerin der Gemeinde Katlenburg-Lindau:

„In den Urkunden, die in lateinischer Sprache abgefasst sind, wird Katlenburg mit C geschrieben und beziehen sich auf die Burg und das Kloster Katlenburg. In den Annalen des Lampert von Hersfeld von 1075 wird Dietrich II. „als comes de Cadalenburg“ bezeichnet. In einer Urkunde des Bischofs von Hildesheim wird die Zerstörung des Klosters durch Brandstiftung 1346 berichtet: dat closter tho Cathelborg. Das Katlenburger Lagerbuch on 1525 schreibt dann Katelenborch, also mit K. Eine Karte von ca. 1617 verwendet wieder das C, also Catlenburg ebenso der Merianstich von 1654. Das heißt, die Schreibweise ist uneinheitlich. Der Name bezieht sich nur auf die Burg, später Kloster und dann Domäne, nicht auf die Ortschaft am Fuße des Burgbergs. Diese wurde 1483 als „in deme dome to Kathelenborch“ erwähnt. Der Name „Duhm“ oder auch Katlenburg-Duhm war bis 1974 für den heutigen Ort gebräuchlich, ab dann heißt der Ort offiziell nur noch Katlenburg. Auf alten Postkarten aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg hat man die Schreibweise mit C verwendet.“

Colenfeld, jetzt Kolenfeld, aus der Region Hannover, 3050 Wunstorf 7 und früher Landkreis Neustadt am Rübenberge:

Colenfeld, R rechtsstehend,  18.9.1896, Poststempel Colenfeld, R-Brief nach Neustadt.

R-Zettel Kolenfeld, mit der früheren Landkreisbezeichnung Neustadt am Rübenberge

Herr Fesche, Stadtarchivar der Stadt Wunstorf, steuert aus der Geschichte folgendes bei:

„Historisch ist Kolenfeld über Jahrhunderte mit C geschrieben worden, noch im 19. Jahrhundert schrieb man durchgängig „Colenfeld“. Auch in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts blieb das so. Die Protokolle des Gemeinderats schreiben bis zum Oktober 1938 „Colenfeld“. Das ändert sich mit der Einführung des neuen Bürgermeisters Bergmann: Diese war im November 1938, und fortan wird in den Niederschriften „Kolenfeld“ geschrieben, ebenso in den Akten der Gemeindeverwaltung. (Andere Behörden, z.B. das Amtsgericht schreiben aber noch eine Weile „Colenfeld“, bis sich die Schreibweise mit K vollständig durchsetzt). Einen förmlichen Beschluss sucht man allerdings in Protokollen oder Akten vergeblich.

Als Folge der Reichseinigung 1871 ist auch eine Vereinheitlichung der deutschen Sprache bzw. Rechtschreibung angestrebt worden. 1880 erschien erstmals Konrad Dudens Vollständiges Orthographisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Bei der „Orthographische Konferenz“ von 1901 in Berlin wurde auch über die Schreibung von Ortsnamen beraten. Dabei einigte man sich auf Kassel statt Cassel, Köln statt Cöln und Köthen statt Cöthen, verfolgte dies aber nicht konsequent, so dass es z.B. beim Städtenamen Cottbus blieb. Dennoch, so nehme ich an, dürfte sich in der Folgezeit die Ersetzung der C-Schreibung durch eine K-Schreibung weiter durchgesetzt haben. Dies entsprach auch Tendenzen zur „Verdeutschung“ des Sprachgebrauchs im Deutschen Reich, bzw. zur „Bereinigung“ von vermeintlich fremden, etwa französischen anmutenden Einflüssen. Vor allem im und in Folge des Ersten Weltkriegs setzten sich diese Tendenzen weiter durch.“

Nach dem Studium dieser Zeilen ist fast alles klar. Aber es geht auch anders herum.

Vom „K“ zum „C“:

Koppengrave, jetzt Coppengrave aus dem Landkreis Hildesheim, seit dem 1.11.2016 der Samtgemeinde Leinebergland zugehörig:

R-Zettel (20a) Koppengrave über Alfeld (Leine) und 3221 Coppengrave

Herr Fesche beschreibt in seinem Beitrag die Folgen der Orthographischen Konferenz von 1901. Damit erklärt sich auch, dass vielerorts weiter Ortsnamen mit „C“ geschrieben werden, auch wenn der Ort wie „K“ ausgesprochen wird, beispielhaft: Cadenberge, Calberlah, Clausthal, Cloppenburg, Coppenbrügge oder Cuxhaven.

Quellen:

  • Heimatverein Kalefeld, 1. Vorsitzender, Herr Dietmar Hantke
  • Gemeinde Katlenburg-Lindau, Ortsheimatpflegerin, Frau Annelie Witte
  • Stadt Wunstorf, Fachdienst Kultur, Herr Klaus Fesche

Offene Frage:

  • Welche noch nicht erwähnten Orte habe in Niedersachsen ihre Schreibweise geändert?

Ein Tipp, passend zu diesem Artikel. Bitte lesen Sie auch den Bericht über die Orte mit dem Namenszusatz Bad.

Automatisches Briefannahmesystem (ABAS) – Braunschweig

Automatisches Briefannahmesystem (ABAS)

Die Deutsche Post AG führte in den Jahren 1995 bis 1997 einen Betriebsversuch für die automatische Briefannahme an 16 verschiedenen Standorten durch.

Im Mitteilungsblatt 72 der Deutschen Post AG vom 30.11.1995 wurde dieser Versuch angekündigt.

Mitteilungsblatt 72/1995

Anweisung 458/1995, Inbetriebnahme der ersten automatischen Briefannahmesysteme

Am 4.1.96 wurde in Niedersachsen der Betriebsversuch in 38100 Braunschweig 31, Friedrich- Wilhelm-Str. 3 mit einem Gerät der Firma Olivetti* gestartet. Und nach knapp 1,5 Jahren am 25.6.97 wegen des defekten Automaten wieder beendet.

Der Automat stand in einem unbeheizten Vorraum des Postamtes.

Der Drucker für die Automatenmarken (ATM) an diesem Standort kam von der Firma Nagler*, Typ N 109.

Weitere Olivetti Geräte standen in Cottbus und Leipzig.

Geräteentwicklungen anderer Firmen wurden in verschiedenen Städten aufgebaut:

  • IBM (Darmstadt,  Ludwigsburg, Lübeck),
  • Nagler (Augsburg, Nürnberg, Pforzheim und Regensburg mit Gerät aus Augsburg),
  • Siemens-Nixdorf (Bonn, Bottrop, Bremen, Dortmund (Gerät aus Köln) Köln, Wiesbaden).

Anlage 1 Mitteilungsblatt 72, Inbetriebnahme ABAS 1

Die Braunschweiger Zeitung berichtete am 4.1.96 von dem neuen System.

Die Aufgabe an die Firmen war, ein Gerät zu installieren mit dem die Briefannahme personalunabhängig gestaltet werden kann.

Bei diesem Automatischen Briefannahmesystem sollte die Annahme vom Standardbrief bis zum Maxibrief ohne personelle Unterstützung geleistet werden. Das Briefformat, das Gewicht und mögliche zusätzliche Leistungen waren Grundlagen für die automatische Entgeltanzeige.

Anlage 2 Mitteilungsblatt 72, Annahmespektrum, Übersicht der ABAS Leistungen

Der Schrank: Olivetti ABAS von außen, Beschriftung oberhalb des Schrankes: Standardbrief, Kompaktbrief, Groß-Maxibrief – Verkauf – Einschreiben, Eilzustellung, Luftpost / Aerogramm.

Nach Bezahlung des angezeigten Betrages in Münzen oder Banknoten erfolgt die Freimachung. Eine Rückgeldeinrichtung ist vorhanden. Der Brief bleibt im Gerät.

Beleg vom ersten Tag, 4.1.96, Numerator 108 A

Ausschnitt der Bearbeitungsvermerke:

  • Ausfall Freistempel, dafür ein Handstempel mit der Inschrift Entgelt bezahlt –
  • Taxe perçue und DM + Pf, und handschriftlicher Eintrag 4 + 50, 
  • Ausfall des R-Druckes, handschriftlich Wort Einschreiben und handschriftlich Numerator,
  • über dem Poststempel handschriftlicher Vermerk „Kein Ausdruck von ABAS 1“,
  • links daneben handschriftlich R 108 a

Ausschnitt des R-Vermerkes

Für Einschreiben wird eine Einlieferungsbescheinigung gedruckt. Auf Wunsch kann auch eine Entgeltquittung ausgedruckt werden:

Einlieferungsschein und Quittung für den Beleg R 108 A

Nach dem Beleg mit dem Numerator 108 A ein zweiter Versuch:

Freistempel mit Posthorn und Währungsangabe 450, 38100 Braunschweig 31, Datum 4.1.96 und Uhrzeit 13.39 und Hinweis auf die Deutsche Post AG.

R-Vermerk zweifarbig, roter Rahmen, rotes R, schwarzer Numerator 109 A und Einschreiben / Recommandé

Dreieinhalb Monate nach dem Beginn des Betriebsversuches ein neuer Besuch in Braunschweig:

Numerator 033 A am 17.4.96 um 17.25 Uhr

Das Olivetti Gerät in Braunschweig beschriftete die Umschläge per Tintenstrahldrucker in Direktbeschriftung. Mit diesem Verfahren wurde der Freistempel als auch die drei verschiedenen, zum Teil wieder zweifarbigen Zudrucke (schwarz und rot) hergestellt.

Einschreiben mit Zusatz Eilzustellung. Ein geglückter Versuch am 29.4.96. Freistempel und R-Vermerk wie oben beschrieben. Zusätzlich ein aufgedruckter Vermerk in rot mit schwarzer Schrift Eilzustellung Exprès . Portos DM 15,50. Zur Sicherheit ein manuell angebrachter roter Aufkleber Eilzustellung Exprès.

Ausschnitt aus obigem Beleg, Numerator R 075 A

Einschreiben mit Zusatz Eilzustellung. Ein missglückter Versuch am 4.3.97. Ausfall des roten Rahmens für Einschreiben und fehlendes R. Ausfall der roten Farbe für Eilzustellung Exprès . Porto DM 13,50. Zur Sicherheit ein zusätzlicher roter Aufkleber Eilzustellung Exprès .

Ausschnitt aus obigem Beleg, Numerator 536 A

Die ABAS Hersteller Nagler und Siemens Nixdorf setzten in diesem Test Label Beschriftungen ein. Olivetti und IBM arbeiteten in diesem Betriebsversuch mit Tintenstrahldruckern. Für den Verkauf von Automatenmarken ist bei allen Geräten ein Drucker der Firmen Klüssendorf oder Nagler integriert.

ABAS Innenleben

Im Gegensatz zu dem anderen drei Anbietern dokumentierte Olivetti für Nachforschungszwecke nur die Briefvorderseite, nicht auch die Rückseite.

Nach Beobachtungen von Sammlern vor Ort konnten an einem Automaten maximal 20 Einschreibebelege pro Stunde abgefertigt werden. Die Abfertigung am Schalter geht flotter.

Nach Einschätzung der Fa. Thomas von Loeper, Krefeld (1996) gab es am 4.1.96 in Braunschweig 200 Ersttagsbelege/Einschreiben.

Keine dieser Gerätetechnik-Entwicklungen konnten sich über den Betriebsversuch hinaus durchsetzen. Zu lange Wartezeiten, zu schlechte Bearbeitungsqualität und vereinzelt falsche Entgeltberechnungen sind die kritischen Beobachtungen zu diesen Automaten. Laut Mitteilungsblatt 40 der Deutschen Post AG vom 26.6.1997 wurden die verbliebenen Standorte „nach Schalterschluß außer Betrieb“ genommen.

Sonderstempel zur Inbetriebnahme der ersten automatischen Briefannahmesysteme, 5.12.95, Abbildung ABAS 1, 53111 Bonn 1.

Sonderstempel zur Inbetriebnahme der ersten automatischen Briefannahmesysteme, 8.12.95, Abbildung ABAS 1, 04109 Leipzig 1.

Beide Sonderstempel wurden im Mitteilungsblatt der Deutschen Post AG Nr. 66/1995 vom 9.11.1995 angekündigt.

Literatur:

  • Mitteilungsblatt 66 der Deutschen Post AG vom 9.11.1995 (Mitteilung 2268 und 2270)
  • Mitteilungsblatt 72 der Deutschen Post AG vom 30.11.1995 (Anweisung 458)
  • Braunschweiger Zeitung vom 4.1.96
  • Mitteilungsblatt 14 der Deutschen Post AG vom 7.3.1996 (Anweisung 88)
  • DBZ – Deutsche Briefmarken Zeitung, Ausgaben 24/95 vom 24.11.1995, 26/95 vom 8.12.95, 3/96 vom 2.2.1996, 4/96 vom 16.2.1996, 16/97 vom 1.8.1997 und 7/2000 vom 31.3.2000.
  • Mitteilungsblatt 40 der Deutschen Post AG vom 26.6.1997 (Anweisung 196)

Hinweise*:

Nagler: Nagler Technik GmbH, Dr.-Müller-Str. 26, 92637 Weiden

Olivetti: Olivetti SpA, Via Jervis 77, 10015 Ivrea, Italien

Nachsatz:

Für ausführliche Information zum Thema ABAS empfehle ich die Internetseite: http://www.postautomation.de

R-Stempel (Deutsche Bundespost)

R-Stempel (Deutsche Bundespost)

Seit 1944 sind R-Stempel im heutigen Gebiet des Landes Niedersachsen bekannt. In den Kriegs- und Nachkriegsjahren kamen R-Stempel aus Mangel an losen R-Zetteln zum Einsatz.

Die folgenden R-Stempel der Deutschen Bundespost aus Niedersachsen sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Zur besseren Lesbarkeit wird der R-Stempel bei Belegen erneut abgebildet.

Aus der Zeit der Deutschen Bundespost sind zwei Stempel bekannt:

Der Stempel aus Delmenhorst diente dem Versuch die Abwicklung am Schalter zu beschleunigen. Also Postautomation oder Rationalisierung…:

An dieser Stelle verweise ich auf einen ausführlichen Artikel zum Nummernstempel für die Annahme von Einschreibsendungen in Delmenhorst

Der Stempel aus Osnabrück aus dem Jahr 1974 hatte einen rein philatelistischen Hintergrund:

Stempel in rot, Unterscheidungsbuchstabe B in rot separat eingefügt, Numerator mit Paginierstempel in schwarz.

Der R-Stempel aus 45 Osnabrück 1

Der Stempel von der unteren Stempelseite

Ein Blankoabschlag von diesem Stempel

Amtsblatt des Bundesministers für das Post- und Fernmeldewesen 1. 10. 1974

Die Bekanntmachung zu diesem Sonderpostamt gibt keinen Hinweis auf den eingesetzten R-Stempel

Das Sonderpostamt setzte am 20.10.1974 einen Sonderstempel ein. Die Abbildung zeigt zwei stilisierte Briefmarken ohne Bildnis mit hufeisenförmigem Stempelabdruck.

Literatur:

Amtsblatt des Bundesministers für das Post- und Fernmeldewesen 1. 10. 1974

Ich danke Herrn Lüwer, Osnabrück, für die Unterstützung zu diesem Artikel.

Das Thema R-Stempel streift Niedersachsen nicht nur während der Zeit der Deutschen Bundespost. Weitere Beiträge sind erstellt:

 

R-Stempel (Bearbeitungsvermerk)

Einen R-Stempel der etwas anderen Art gibt es auf diesem Beleg zu entdecken.

Am 29.1.1947 ging dieser Beleg in (20) Hannover 2 auf die Reise nach (14) Stuttgart. Vom Absender als Einschreiben gekennzeichnet und ausreichend frankiert. In Stuttgart angekommen, fehlt der Einschreibenummernzettel.

Die Post in Stuttgart stempelte diesen Beleg mit dem abgebildeten R-Stempel:

R Nr. 791 (handschriftlich) Nummernzettel fehlt. Als Ebf (Einschreibebrief) behandelt. Stempel Stuttgart 1, 31.1.47, und Unterschrift! des tätigen Postlers.

Am 17.5.58 ging dieser Beleg in (24a) Cuxhaven 1 auf die Reise nach München. Vom Absender als Einschreiben gekennzeichnet und entsprechend frankiert. In München angekommen, fehlt der Einschreibenummernzettel.

Nummernzettel fehlt als E-Sendung behandelt, zweiter Stempel 18. Mai 1958 und handschriftlichem Namenskürzel in rot.

Nachsatz:

Das Thema R-Stempel streift Niedersachsen nicht nur wie hier 1947 und 1958. Weitere Beiträge sind erstellt:

 

R-Stempel (Deutsches Reich)

R-Stempel (Deutsches Reich)

Nicht erst nach dem Krieg 1945, wurde aus Mangel an losen R-Zetteln für Einschreibesendungen mit R-Stempeln gearbeitet. Auch im Deutschen Reich kamen 1944 und 1945 R-Stempel zum Einsatz.

Die folgenden R-Stempel aus dem Gebiet des heutigen Niedersachsen sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Zur besseren Lesbarkeit wird der R-Stempel bei Belegen erneut abgebildet.

Bückeburg, 12.3.45, ohne Unterscheidungsbuchstabe (UB), Ankunftsstempel Herdecke 15.12.45, Überroller, Zensurbrief, links Verschlußzettel (Riemer B-100) mit violettem Zensurstempel Military Censorchip Civil Mails 19015 der britischen Zensurstelle Bonn.

Bückeburg wurde am 8.4.45, Herdecke am 13.4.45 besetzt.

Erklärung Überroller siehe am Ende des Artikels.

Duderstadt, 21.3.44, ohne UB, Ankunftsstempel Berlin 22.3.44

Hildesheim 1, 18.12.44, ohne UB, Ankunftsstempel Krefeld 21.12.44

Wie ist der Begriff Überroller definiert?

Überroller sind postalische Belege, die noch im Dritten Reich, also vor der Besetzung durch die Alliierten, aufgegeben, aber erst nach der Besetzung, also im Nachkriegsdeutschland, zugestellt wurden. Nach Meinung von Herrn Alfred Meschenmoser (Autor, Quelle siehe am Ende des Artikels) gehören Überroller eher zum Sammelgebiet Deutsches Reich, weil die Nachrichten, die mit solchen Postsendungen übermittelt werden sollten, der Zeit des Dritten Reiches zuzurechnen sind und die Sendung zu den Bedingungen und Bestimmungen, auch noch mit den Wertzeichen des Dritten Reiches aufgegeben worden sind. Diese Art von Belegen dokumentiert philatelistisch das Ende des Dritten Reiches. Entscheidend für die Frage eins möglichen Überrollers ist die Frage, wann der jeweilige Ort durch die Alliierten im Krieg oder bei Kriegsende besetzt worden ist. Als erste Region im Westen wurde Aachen ab Mitte September 1944 von den Alliierten besetzt. Flensburg folgte zuletzt am 13.5.1945. Sprachlich exakt müsste die Bezeichnung „ÜBERROLLTE Postsendungen“ heißen. Denn die Postsendungen haben niemanden überrollt, sondern sie sind überrollt worden.

Offene Frage:

Lieber Leser, kennen Sie eine Verfügung, in der der Einsatz der R-Stempel geregelt wurde?

Literatur:

  • Überroller-Post 1945-1949, vom Dritten Reich in das Nachkriegsdeutschland, Alfred Meschenmoser, Neue Schriftenreihe der Poststempelgilde Rhein-Donau e.V., Heft Nr 104, 1984
  • Die Arbeitsgemeinschaft der R- und V-Zettel Sammler e.V. hat auf ihrer Internetseite eine Vielzahl von deutschen R-Stempeln veröffentlicht: http://arge-r-v-zettel.de/classic-zettel/r-stempel-und-provisorien

Nachsatz:

Das Thema R-Stempel streift Niedersachsen nicht nur während der Zeit des Deutschen Reiches. Weitere Beiträge sind erstellt:

 

Offene Fragen?

Stand: 11. Juni 2017

Liebe Leserin, lieber Leser,

bei der Recherche zu einzelnen Themen stoße ich gelegentlich auf Fragen, die sich trotz Internet, Philatelistischer Bibliotkek oder Gesprächen mit Experten nicht beantworten lassen.

Ich sammle hier alle meine offenen Fragen in der Hoffnung, dass Sie mir weiterhelfen können oder ich bei Gelegenheit die Antwort an anderer Stelle finde.

NEZ

Was bedeutet (PB 1-1254-5), PB=Postbüro … und welche Quelle verbirgt sich dahinter? Abbildung der Quelle ergänzen.

Amtsausgabe

Ist der Einsatz dieser Einschreibezettel in einem Amtsblatt angekündigt worden?

War die Buchdruckerei Olms aus Hildesheim die Druckerei für diese Einschreibezettel?

Gibt es diesen R-Zettel Typ auch aus: Groß Giesen, Ahrbergen, Groß Förste, Hönnersum, Adlum, Hüddessum, Machtsum, Hackenstedt, Heersum, Derneburg, Sottrum, Grasdorf, Silium, Oedelum, Ottbergen, Bettmar, Kemme, Groß Himstedt, Bettrum oder anderer Orte?

Amtskennzeichen AKZ

Selbstbucher: Nordhorn 1 9 G, mit drei ungewöhnlichen Unterscheidungsbuchstaben „NdB“. Welcher Selbstbucher verbirgt sich hinter diesem R-Zettel?

Welche weiteren früheren niedersächischen Landkreisbezeichnungen sind auf AKZ abgebildet?

Warum sind Höfer Ort 12 E und Runstedt über Helmstedt 16 nicht mehr im Ortsverzeichnis aufgeführt?

BAD Städtebeiname

Seit wann führt Bad Eilsen den Namenszusatz BAD im Namen?

Welcher anderer Ort hat die Bezeichnung im Laufe der Jahre verloren?

Welcher der aufgelistenen Orte hatte u.a. wegen der geringen Bevölkerungszahl kein eigenes Postamt?

Warum haben andere Orte mit entsprechenden Einrichtungen oder „gesunder“ Lage keinen Städtebeinamen?

Fehllisten

Eine wesentlicher Gesichtspunkt richtet sich auf fehlenden R-Zettel, die zur ausführlichen Dokumentation gesucht werden. Mit Scans von weiteren Belegen würden Sie einen wichtigen Beitrag zur Dokumentation leisten, z.B. von:

Camp Bothfeld

Delmenhorst

Amtsausgabe Hildesheim

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!